Gefahrenkarte im Dorf korrigieren: Lienzer Bach soll Murenbett bekommen

Der Lienzer Bach soll ein Murenbett bekommen. Der Projektentwurf wurde am Dienstag vorgestellt.

Kurt Latzer
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Über 50 Interessierte hatten sich für den Informationsanlass angemeldet und am Eingang eingeschrieben.

Über 50 Interessierte hatten sich für den Informationsanlass angemeldet und am Eingang eingeschrieben.

Kurt Latzer

Die Gefahrenkarte von Lienz zeigt eine erhebliche Gefährdung des Siedlungsgebiets durch Murgänge des Lienzer Bachs. Die betroffenen Dorfregionen sind in der Karte seit 2008 rot und blau markiert. Dort darf nicht oder nur unter besonderen Massnahmen neu gebaut werden. Das soll sich mit dem Projekt, das am Dienstagabend in der Turnhalle Lienz vorgestellt wurde, ändern.

Über den Stand der Planung informierte Reto Walser, Ingenieur und Stadtrat von Altstätten. Begrüsst wurden die Interessierten von Ruedi Mattle, Stadtpräsident von Altstätten. Aus dem mehrere Punkte umfassenden Massnahmenkatalog haben sich die Planer auf folgende festgelegt: Rückhalt Roti Platte und Rückhalt Furnis, sowie Murenausgang Lienzer Leui. Am obersten Punkt, Roti Platte, ist der Bau eines grossen Auslaufes vorgesehen.

Bau eines Erddammes vorgesehen

Bei Hochwasserereignissen könne das Wasser im bisherigen Gerinne des Lienzer Bachs fliessen. Murenabgänge mit grossem Geschiebe aber würde beim Auslaufbauwerk, dem Bergfuss entlang, in das angrenzende Wiesland umgeleitet. Um zu verhindern, dass Gestein und Schlamm aus dem neuen Bett nicht ins Siedlungsgebiet ausbricht, ist der Bau eines Erddammes vorgesehen. Der soll gemäss heutiger Planung bis zur Oberfeldstrasse reichen, etwa 500 Meter lang und 5 Meter hoch sein. Reto Walser sagt:

«Ein physisches Modell, das in der Hochschule in Rapperswil aufgebaut wurde, soll über Menge und Art des zu erwartenden Geschiebes Daten liefern.»

Sobald alle Fakten auf dem Tisch liegen, führe man die Planung im Gebiet unterhalb der Oberfeldstrasse fort. Funktioniert alles wie vorgesehen, soll das Auflageprojekt nächstes Jahr vorliegen. Im Winter 2021/2022 soll das Projekt aufliegen. «Sollte die Bürgerschaft den Kredit für den Hochwasserschutz sprechen, könnte man im Sommer 2022 mit den Arbeiten beginnen», sagte Reto Walser.

Rege Diskussion mit vielen Meinungen

Ziel ist, ein HQ100 mit Abfluss von 25 Kubikmetern pro Sekunde und Murenabgänge von 40000 Kubikmetern in zwei Schüben zu bewältigen. In der Fragerunde wollte ein Bürger wissen, warum man ein halb fertiges Projekt vorstelle. Das bringt seiner Meinung nach nichts. Walser erinnerte an das Baugesetz des Kantons St. Gallen, das seit 2018 in Vollzug ist.

«Seither sind sogenannte Mitwirkungsverfahren vorgeschrieben. Damit Bürger mitreden können, müssen wir Infoveranstaltungen durchführen.»

Die Meinungen im Publikum waren sehr unterschiedlich. So etwa bei Höhe und Länge des Erddammes, der Auslaufbauwerkgrösse und des Ortes, wo der grosse Rückhalt geplant ist. Einleitend hatte Reto Walser gesagt, bei Direktbetroffenen habe man die derzeitige Planung bereits vergangene Woche vorgestellt. Dies stiess einem Lienzer leicht auf. Die Sicherheit der Menschen sei höher zu bewerten als das Gut. Der Besucher sagt:

«Einige der direktbetroffenen Bodenbesitzer wohnen nicht einmal hier. In dem Fall hat man das Projekt mit den falschen Direktbetroffenen besprochen.»

Kommentarlos zur Kenntnis genommen

Reto Walser nahm dies kommentarlos zur Kenntnis. Wie der Wasserbauingenieur am Ende betonte, könne man am Geplanten noch einiges besprechen und ändern, nicht aber die Abflussmenge. «Das mit den 25m3/sek und der Geschiebemenge von 40000 m3 hat der Kanton festgelegt», sagte Walser.

Ruedi Mattle wies vor dem Ende des Informationsanlasses darauf hin, die am 14. November vorgesehene Besichtigung des Modells in der Hochschule Rapperswil falle aufgrund von Corona wahrscheinlich aus.