Unter Schutz stehende Eiche gefällt: Gericht und Gemeinde Untereggen geraten sich in die Haare

Der Fall um einen Landwirt, der versehentlich eine unter Schutz gestellte Eiche gefällt hat, entwickelt sich zu einem Disput zwischen dem Kreisgericht Rorschach und der Gemeinde Untereggen.

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(red.) Der Bauer Heinz Lanter hatte im März seine Eiche aus Sicherheitsgründen gefällt, wie er gegenüber «FM1 Today» erzählte. Das dies solche Wellen schlagen würde, damit hätte er nicht gerechnet. Die Eiche auf seinem Grundstück stand unter Schutz und der Gemeinderat von Untereggen erstattete bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige. Lanter wurde eine Busse von 450 Franken aufgebrummt, gegen welche er Einsprache erhob. Vor dem Kreisgericht Rorschach bekam er schliesslich Recht.

Heinz Lanter fällte seinen Baum im März. (Bild: Vanessa Kobelt/FM1Today)

Heinz Lanter fällte seinen Baum im März. (Bild: Vanessa Kobelt/FM1Today)

Der Entscheid des Kreisgerichts Rorschach verärgerte die Gemeinde Untereggen, so dass sie in ihrem Gemeindeblatt vom November einen Artikel unter dem Titel «Unverständlicher Freispruch nach Fällen eines geschützten Baumes» veröffentlichte. Für die Gemeinde stand nämlich fest, dass eine Schutzverordung vom Jahre 2008 und das kantonale Amtsblatt beide aufklärten, dass der Baum unter Schutz stand und somit Lanter davon Kenntnis hätte haben müssen. Ansonsten hätte sich der Bauer vorab bei der Gemeinde erkundigen müssen.

Kreisgericht kontert gegen die Anschuldigungen

Das Kreisgericht veröffentlichte nun eine Stellungnahme in der es sich auf den Artikel der Gemeinde bezieht. Dabei stellt das Kreisgericht fest, dass sein Urteil gerechtfertigt sei. Der Bauer sei nicht in der Pflicht gewesen sich bei der Gemeinde zu erkundigen. Auch gegen den Vorwurf, die Gemeinde habe kein schriftliches Urteil erhalten, wusste das Kreisgericht sich zu wehren: Es sei ganz klar, dass die Gemeinde die Strafklägerin sei und vorgeladen wurde vor Gericht zu erscheinen. Die Gemeinde sei jedoch nicht aufgetaucht. Die Gemeinde habe klar gemacht, dass sie sich als Privatklägerin betrachte und auf Grund des Nicht-Erscheinens stehe ihr nun auch keine schriftliche Urteilsbegründung zu.

Eine bissige Bemerkung

Es folgt in der Antwort des Kreisgerichts, verfasst vom Gerichtspräsidenten Olav Humbel, eine schnippische Klammerbemerkung: «Anzumerken bleibt, dass sich die Gemeinde bei der Gerichtskanzlei hätte erkundigen müssen, ob ihre Anwesenheit wirklich erforderlich ist. (…) Bemerkenswerterweise erwartet sie demgegenüber von ihren Bürgern, dass sie sich jeweils erkundigen, ob sie ihre eigenen Bäume fällen dürfen.»

«Gemeinde hätte Fällen verhindern können»

Der Gerichtspräsident führte fort, dass durch eine persönliche Inkenntnissetzung des Besitzers des Baumes, dieser nicht hätte sagen können, nichts von der Unterschutzstellung des Baumes gewusst zu haben. Der Gerichtspräsident schreibt weiter: «Mit einer Information wäre es der Gemeinde also mit erheblicher Wahrscheinlichkeit sogar möglich gewesen, das Fällen des Baumes zu verhindern».

Für Heinz Lanter ist der Fall abgeschlossen, das Urteil rechtskräftig. Ob die Gemeinde in Zukunft etwas an ihrer Kommunikation in Bezug auf geschützte Objekte ändert, wird sich zeigen.