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Gefährdete Ostschweizer Zahnradbahnen zittern weiter

Die Kantone St.Gallen und Ausserrhoden vertagen den Entscheid um die Zukunft ihrer Zahnradbahnen. Eine Studie soll den Wert für den regionalen Tourismus aufzeigen.
Noemi Heule
Auch die Strecke Rheineck-Walzenhausen wird überprüft. (Bild: Christoph Sonderegger)

Auch die Strecke Rheineck-Walzenhausen wird überprüft. (Bild: Christoph Sonderegger)

«Legenden sterben nie», hat jemand mit schwarzer Farbe ans Rheinecker Bahnhofsgebäude gesprayt. Zweimal pro Stunde rumpelt die Walzenhausenbahn am Schriftzug vorbei. Das «Bähnli» ist mit seinen Ferrariroten Waggons selber so etwas wie eine Legende; 1896 ächzte es zum ersten Mal vom Rheintal hoch ins Appenzellerland. Dass auch rollende Legenden ausgemustert werden können, vermeldeten Anfang Jahr die Kantone St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden und unterzogen die Zahnradbahnen zwischen Rheineck–Walzenhausen, Rorschach–Heiden und Altstätten–Gais einer Überprüfung. Das vorläufige Resultat: «Eine ersatzlose Aufhebung der Strecken kommt nicht in Frage», heisst es in einer aktuellen Mitteilung.

Aufatmen können die Bahnfans damit noch lange nicht: Ersatzlos heisst keineswegs, dass die Zukunft der Zahnradbahnen gesichert ist. Auch Ersatzbusse oder ein automatisierter Betrieb kommen als Alternativen in Frage, wie der Ausserrhoder Volkswirtschaftsdirektor Dölf Biasotto sagt. «Entscheide sind noch keine gefallen», betont er. Vielmehr wollen die Regierungen ihre Bedenkzeit verlängern.

In der Zahnradbahn von Altstätten nach Gais wird das Rheintal zum schrägen Meer. (Bild: Raphael Rohner)In der Zahnradbahn von Altstätten nach Gais wird das Rheintal zum schrägen Meer. (Bild: Raphael Rohner)
Fahrgäste warten auf das «Gaiserbähnli». (Bild: Michel Canonica)Fahrgäste warten auf das «Gaiserbähnli». (Bild: Michel Canonica)
Kennerblick: Ein Bahnfan aus der Innerschweiz auf Zahnrad-Tour. (Bild: Raphael Rohner)Kennerblick: Ein Bahnfan aus der Innerschweiz auf Zahnrad-Tour. (Bild: Raphael Rohner)
Die Bahn nach Walzenhausen fährt in den Tunnel. (Bild: Raphael Rohner)Die Bahn nach Walzenhausen fährt in den Tunnel. (Bild: Raphael Rohner)
Das Walzenhausenbähnli am Bahnhof Rheineck. (Bild: Raphael Rohner)Das Walzenhausenbähnli am Bahnhof Rheineck. (Bild: Raphael Rohner)
Der Zug wartet am Bahnhof Heiden auf die Abfahrt nach Rorschach. (Bild: Raphael Rohner)Der Zug wartet am Bahnhof Heiden auf die Abfahrt nach Rorschach. (Bild: Raphael Rohner)
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«Lasst uns das Bähnli»

Subventionen stehen auf dem Spiel

Ursprünglich sollten die Ergebnisse der Überprüfung im Juni vorliegen. Nun wurde ein Entscheid ins Jahr 2020 vertagt. Bis dahin soll eine neue Studie Aufschluss über die Auswirkungen der Bahnen auf die Regionalwirtschaft, insbesondere den Tourismus geben. «Wir müssen nicht voreilig entscheiden», sagt Biasotto. Investitionen in die Infrastruktur stehen längerfristig an, der Ersatz der Walzenhausenbahn ist auf 2023 vorgesehen. Erste Resultate der Überprüfung liegen nun vor. Sie betreffen gemäss Mitteilung Kriterien wie Wirtschaftlichkeit, Reisezeit oder Fahrgastkomfort. Diese Einschätzung sei aus Sicht eines Pendlers oder einheimischen Nutzers erfolgt, sagt Biasotto. Nun soll zusätzlich der volkswirtschaftliche Nutzen analysiert werden. Erste Zahlen sprechen nicht für die Zahnradbahnen: Die Passagierzahlen sind seit Jahren tendenziell rückläufig. Der Kostendeckungsgrad liegt im Bereich von 30 Prozent. Sinkt er noch tiefer, stellen Bund und Kantone ihre Subventionen in Frage.

Die Hoffnung ruht auf den Touristen

Dass die Zahnradbahnen mehr sind als ein Transportmittel, dessen Wert in Reisezeit oder Fahrgastkomfort bemessen werden kann, zeigten die Reaktionen von Gemeinden, Fahrgästen, Politikern und Touristikern. Sie sprechen vom emotionalen und nostalgischen Wert der Bahnen, die allesamt mehr als ein Jahrhundert auf dem Buckel haben. Und preisen sie als Aushängeschild für die Region und Identitätsstifter für die Gemeinden. Dass nicht Pendler die wichtigste Klientel ausmachen, bestätigt Thomas Baumgartner, Direktor der Appenzeller Bahnen. Am Wochenende seien die Zahnradbahnen in der Regel besser ausgelastet als unter der Woche.

Die Appenzeller Bahnen haben nun eine Studie in Auftrag gegeben, welche die Gästeströme im Einzugsgebiet der Bahnen für 25 Jahre aufzeigen soll. Sie soll auch Aufschluss darüber geben, wie die Kosten zwischen Kantonen, Gemeinden und Tourismusorganisationen aufgeteilt werden könnten, um den Deckungsgrad von 30 Prozent sicherzustellen. Im ersten Halbjahr 2020 soll entschieden werden, ob die alten Legenden durch neue Busse ersetzt werden sollen – oder ob sie, Touristen und Nostalgikern zuliebe, weiterhin die Hänge hoch und runter ruckeln.

Rückläufige Nachfrage

Die Bahnlinien Gais-Altstätten, Rorschach Hafen-Heiden und Rheineck-Walzenhausen weisen seit Jahren eine tendenziell rückläufige Nachfrage und einen sinkenden Kostendeckungsgrad auf. Ausserdem stehen in den nächsten Jahren grössere Investitionen in die Erneuerung der Infrastruktur und teilweise auch der Fahrzeuge an. Deshalb haben die Kantone Appenzell Ausserrhoden und St.Gallen im Rahmen ihrer aktuellen ÖV-Programme und in Absprache mit dem Bundesamt für Verkehr sowie den Appenzeller Bahnen beschlossen, alternative Betriebskonzepte für die drei Bahnlinien zu prüfen. (pd)

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