Gedankenstrich-Kolumne
Samantha Wanjiru: Wie ich nach 200 erfolglosen Bewerbungen einen neuen Job gefunden habe

Raus aus der Arbeitslosigkeit: Das ist das Motto von Samantha Wanjiru fürs Jahr 2022. Unsere Kolumnistin weiss, wovon sie spricht: Mitten in der Pandemie musste sie sich eine neue Arbeit suchen.

Samantha Wanjiru
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Samantha Wanjiru, «Tagblatt»-Kolumnistin.

Samantha Wanjiru, «Tagblatt»-Kolumnistin.

Bild: Arthur Gamsa

Wir schreiben das Jahr 2022. Ein neues Jahr bedeutet auch für viele ein neuer Start im Leben. Wie jedes Jahr nimmt man sich vieles vor. Aufhören zu rauchen, mehr Zeit verbringen mit der Familie und öfters ins Fitnessstudio gehen sind einige Vorsätze, die man sich so vornimmt. Für viele Ostschweizer wird dieses Jahr auf Position eins auf ihrer Wunschliste sein, die eigene Arbeitslosigkeit zu bekämpfen.

Statistisch gesehen ist die Arbeitslosigkeit zwar fast wieder so tief wie vor der Pandemie. Aber für viele ist die Mühe, einen neuen Job zu finden, gleich geblieben. Auch ich befand mich in der prekären Lage, mitten in der ansteigende Covidwelle einen Job finden zu müssen. Nach über zweihundert Bewerbungen, hat es schlussendlich geklappt – und ich konnte mir eine Arbeit sichern.

Allerdings nicht in der Ostschweiz, sondern in der Zentralschweiz. Denn im Laufe meines Bewerbungsprozesses hat sich klar auskristallisiert, dass der Arbeitsmarkt in der Ostschweiz ein schwieriges Pflaster ist. Natürlich findet man auch hier Arbeit. Aber meist werden nur Fachkräfte gesucht, die entweder ein Studium oder eine fachspezifische Ausbildung hinter sich haben oder jahrelange Berufserfahrung mitbringen. Gerade als junge Arbeitslose befindet man sich dadurch in einer negativen Spirale, die ausweglos erscheint. Der Wille zu arbeiten ist da, aber die Möglichkeiten dies zu tun sind beschränkt. Hat man keine fachliche Ausbildung, bleiben meist Billiglohnarbeiten übrig. Diese sind im Bereich der Gastronomie oder des Tourismus gerade jetzt zu Coronazeiten nicht krisensicher. Wer sucht sich schon gerne eine Arbeit, die zwar leicht verfügbar ist, aber mitten in einer Pandemie mit dem Risiko von Kurzarbeit und Lohnausfällen verbunden ist?

Aus Sicht vieler Arbeitslosen scheint der Arbeitsmarkt in der Ostschweiz gefühlt zu stagnieren. Aber auf der anderen Seite liest man immer wieder von Unternehmer die händeringend nach Personal suchen. Wie zum Beispiel im Bereich der Pflege. Nur sind viele Arbeitslose nicht dazu bereit, in ihrer jetzige finanzielle Lage eine neue Ausbildung oder Weiterbildung, die wenig bis gar nicht bezahlt wird, anzufangen. Denn die Rechnungen bleiben, und der zeitliche Druck, diese so schnell wie möglich zu begleichen, erschwert die Wahl des nächsten Berufes um ein Mehrfaches.

Vielen Arbeitslosen bleibt nichts anderes übrig – wie mir zum Beispiel – sich in einer anderen Region der Schweiz nach einen Job umzusehen. Viele sind eher bereit dazu, jeden Tag über eine Stunde nach Zürich zu pendeln als einen schlecht bezahlten Job in ihrer Ostschweizer Heimat anzunehmen. Die Lösung des Problems scheint kompliziert zu sein. Denn es gibt, wie bereits erwähnt, Unternehmer die einstellen möchten. Allerdings muss das Spektrum der angebotenen Jobs erweitert werden. Der Tourismus und Gastrobereich müssen trotz laufender Pandemie wieder gestärkt werden. Dies sollte der Bund bei der Findung neuer Massnahmen unbedingt berücksichtigen. Denn gerade dieser Bereich des Arbeitsmarktes ermöglicht vielen Arbeitslosen einen neuen Start in die Berufswelt.

Es braucht für viele Arbeitslose, die gerne in der Ostschweiz arbeiten und leben möchten, enormes Durchhaltevermögen – und man muss erfinderisch sein. Zum Beispiel hilft es, über den Freundschafts-und Familienkreises – über Vitamin B – eine neue Stelle zu suchen. Zusätzlich sollte man jegliche Online-Plattformen nutzen. Wie zum Beispiel Linkedin, wo Unternehmer auf dich zukommen, wenn du zu ihrem Portfolio passt. Ich kann nur allen Arbeitslosen die Daumen drücken, und hoffen das 2022 für sie ein erfolgreiches Jahr auf dem Arbeitsmarkt wird.

Samantha Wanjiru ist Psychologiestudentin und Kopf der Black-Lives-Matter-Bewegung in der Ostschweiz. Sie schreibt diese Kolumne immer montags im Turnus mit Toni Brunner, Ulrike Landfester und Walter Hugentobler.

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