Glosse

Salzkorn

Was hilft gegen lästige Nacktschnecken, die in feuchten Nächten ganze Blumenbeete vertilgen? Manchmal ein Gebet an die Schneckengöttin. Oder ein Feind im getigerten Kleid. 

Melissa Müller
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Illustration: Corinne Bromundt

Mit den Regenfällen sind sie plötzlich da: Die Schnecken. Und fallen über alles her, was im Garten grünt. In einer Nacht ruinieren sie problemlos ein Beet. So mutiert die Hobbygärtnerin zur Mörderin, denn irgendwie muss sie die gefrässigen Schleimer zur Strecke bringen.

Schneckenkörner sind keine Option, vergiften sie doch den Boden. Soll sie die Schädlinge entzwei schneiden? Sie mit kochendem Wasser übergiessen, wie eine Biogartenkursleiterin riet? Oder die Tiere ins Gefrierfach legen, wo sie sanft für immer einschlummern sollen? Eine Freundin betet zur Schneckengöttin, sie möge ihre Salatsetzlinge bitte verschonen. Mit mässigem Erfolg.

Es gibt jedoch auch Nacktschnecken, die selten sind. Wie der Tigerschnegel, der mit seinem prächtigen Leopardenmuster auffällt. Zudem macht er Jagd auf die ungeliebten braunen Schnecken. Wem eines dieser majestätischen silbernen Geschöpfe begegnet, wird mit Ehrfurcht vor der Natur erfüllt. Plötzlich sieht man die Weichtiere in einem anderen Licht. Und zollt der Schneckengöttin Anerkennung.