Gebären während der Pandemie: Papa darf in den Ostschweizer Spitälern trotz Corona dabei sein – mit Einschränkungen

Wegen des Coronavirus sind Patientenbesuche in Ostschweizer Spitälern nicht mehr möglich. Das gilt auch für werdende Väter. Es gibt aber Ausnahmen.

Linda Müntener
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Väter können die Geburt ihres Kindes trotz Corona miterleben – danach gilt aber teils Besuchsverbot.

Väter können die Geburt ihres Kindes trotz Corona miterleben – danach gilt aber teils Besuchsverbot.

Bild: Fotolia

Es ist einer der prägendsten Momente im Leben: die Geburt des eigenen Kindes. Eine körperliche und psychische Ausnahmesituation, die manche Mutter in diesen Tagen alleine meistern muss. Wegen des Coronavirus sind in den hiesigen Spitälern Besuche nicht mehr möglich. Im deutschen Uniklinikum Bonn beispielsweise gibt es gar keine Ausnahmen – auch nicht für den Kreisssaal. Papa verpasst die Geburt, Mama ist auf sich allein gestellt. Damit wolle man Patienten und Mitarbeitende vor einer Infektion schützen, heisst es seitens der Klinik. Wie handhaben das die Spitäler in der Ostschweiz?

Einschränkungen im Thurgau, kein Verbot in St.Gallen

An den Standorten der Spital Thurgau AG können Väter die Geburt ihres Kindes nach wie vor miterleben. Danach gilt laut CEO Marc Kohler allerdings ein Besuchsverbot. Während der Geburt setzt man auf die üblichen Corona-Massnahmen: Isolation, möglichst wenig Personen im Raum, zum Schutz aller Beteiligten.

Kein Besuchsverbot für frischgebackene Väter kennt das Kantonsspital St.Gallen. Partner von Gebärenden sind vom generellen Besuchsstopp ausgenommen. Sie können auch vor und nach der Geburt vorbeikommen.

Im Sinne einer «maximalen Prävention» in der erst beginnenden Pandemie-Welle in der Ostschweiz hält der Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden am vor wenigen Tagen eingeführten Wochenbett-Besuchsverbot für Väter vorerst noch fest. «Wir beobachten die Situation täglich und folgen den offiziellen Empfehlungen. Eine Lockerung des Besuchsverbot für Väter streben wir so bald wie möglich an», sagt Mediensprecher Alain Kohler.

Beim Kaiserschnitt muss der Vater draussen bleiben

Im Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden dürfen Väter sowohl bei der Geburt im Spital Herisau, als auch bei der Geburt im Spital Heiden, weiterhin dabei sein. Eine Ausnahme gibt es bei Kaiserschnitt-Geburten. Dort haben Väter während des Eingriffs keinen Zutritt zum OP-Raum. Sie warten während dieser Minuten im Gebärsaal, bis Frau und Kind zurückkommen.

«Wir besprechen den Geburtsverlauf mit dem Paar in diesen Tagen noch ausführlicher auch sonst und geben den jungen Familien nach der Geburt viel Zeit im Gebärsaal, bevor sich der Vater anschliessend verabschieden muss», sagt Mediensprecher Alain Kohler. Damit stosse man auf Goodwill und Verständnis bei den betroffenen Paaren. Eine erhöhte Ansteckungsgefahr bestehe im Spital nicht:

«Die Patientenwege sind bei uns für Corona-Patienten räumlich vollständig von anderen Patienten getrennt.»

Vorarlberg bündelt seine Kräfte

Stand heute gibt es keinen Hinweis, dass Schwangere durch COVID-19 gefährdeter sind als die allgemeine Bevölkerung. Dennoch lassen Spitäler besondere Vorsicht walten. So betreuen in Vorarlberg nicht mehr alle Spitäler Geburten.

Der Schwerpunkt für die Versorgung von Corona-Patientinnen und Patienten liegt in den Krankenhäusern Bludenz und Hohenems. Deshalb können in Bludenz keine Geburten mehr durchgeführt werden. Die Landesspitäler Feldkirch und Bregenz sowie das Krankenhaus Dornbirn stehen für Entbindungen oder bei Problemen in der Schwangerschaft zur Verfügung. «Mit dieser Regelung wollen wir dafür sorgen, dass auch in der gegenwärtigen schwierigen Lage alle Patientinnen und Patienten weiterhin die bestmögliche Betreuung bekommen», sagt Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher.

Im Geburtshaus haben Väter die Wahl

Im Geburtshaus in St.Gallen gibt es Einzel-, beziehungsweise Familienzimmer, die Massnahmen des BAG werden eingehalten. Das Team hat zudem Massnahmen ergriffen. Von der Schwangerschaftskontrolle sind Begleitpersonen ausgeschlossen – auch werdende Väter. Der Besuchsstopp gilt ebenfalls für Geschwister.

Partner können weiterhin bei der Geburt dabei sein. Danach haben sie die Wahl: Entweder sie bleiben während des gesamten Aufenthalts in den Räumen des Geburtshauses oder sie gehen nach der Geburt nach Hause – und dürfen nicht mehr zurück kommen. Frauen im Wochenbett dürfen das Geburtshaus nicht verlassen.

«Es ist uns absolut bewusst, dass dies einschneidende und emotionale Entscheidungen sind. Dass die Geschwister und Partner nicht frei zu Besuch kommen können, ist natürlich weit weg von dem, was wir uns für die Familien mit ihren Neugeborenen wünschen», so die Verantwortlichen:

«Im Moment haben wir jedoch keine andere Wahl. Jeder Besuch bedeutet eine potenzielle Übertragung.»

Einen Ansturm aus Angst vor Infektionen im Spital spürt Geburtshaus-Mitgründerin und Hebamme Sabine Kurz nicht. Ob sich die Coronakrise auf die Anmeldungen im Geburtshaus auswirken werde, könne sie erst in ein paar Wochen beurteilen. Die Hebamme rät Schwangeren, sich nicht zu sehr den Kopf über das Virus zu zerbrechen, die Empfehlungen des BAG zu befolgen und sich auf sich selbst und die Geburtsvorbereitung zu konzentrieren.

Geburtsvorbereitung via Live-Stream

Alle medizinisch wichtigen Vorsorgeuntersuchungen werden in den Frauenkliniken weiterhin durchgeführt. «Wir achten darauf, dass die Wartezeiten kurz sind und dass sich im Wartezimmer möglichst nur eine Person aufhält», sagt Cécile Leimgruber, leitende Ärztin Frauenklinik, Spital Herisau. Fühlt sich eine Frau erkältet und spürt das Kind gut, wird die Kontrolle eher um einige Tage verschoben, bis der Infekt abgeheilt ist. Vom Veranstaltungsverbot des Bundes betroffen sind hingegen die Geburtsvorbereitungskurse. Der Spitalverbund AR setzt daher vermehrt auf individuelle, telefonische Beratung. Das Geburtshaus St.Gallen führt die Gebutsvorbereitungskurse nun via Live-Stream durch. «Es ist absolut wichtig, dass wir Schwangere gut vorbereiten und mit Ängsten nicht alleine lassen», sagt Hebamme Sabine Kurz. Die angemeldeten Kursteilnehmenden werden per Mail kontaktiert. Digitale Geburtsvorbereitung sei zwar ungewohnt, vor allem jüngere Paare hätten damit aber keine Probleme. Geburtsvorbereitung und Geburtshypnose via Telefon oder Video Call bietet auch Andrea Lang von «Geborgen Gebären» in St.Gallen an.  Die Gruppenkurse der Hebammenpraxis St.Gallen pausieren laut Webseite derzeit, man suche neue Lösungen. Auch die Hirslanden Klinik Stephanshorn hat die Kurse abgesagt, neue Daten werden veröffentlicht, sobald sie feststehen. (lim)

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