GBS-Bauvorlage ist unbestritten, wirft aber Bildungsfragen auf

Die 111-Millionen-Bauvorlage für die Gesamterneuerung und Erweiterung des Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrums (GBS) an der Demutstrasse im St.Galler Riethüsli wird vom Kantonsrat einhellig begrüsst.

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Nach 40 Jahren völlig veraltet: GBS-Bauten im Riethüsli. (Bild: Hanspeter Schiess)

Nach 40 Jahren völlig veraltet: GBS-Bauten im Riethüsli. (Bild: Hanspeter Schiess)

Alle Fraktionen folgten in erster Lesung am Dienstag der ebenfalls einstimmigen Zustimmung der vorberatenden Kommission, wenn auch mit durchwegs mit einem «Ja, aber».

Die Einwände betreffen in Variationen die von der Kommission gewünschten Ergänzungen: im wesentlichen die vermisste Aktualisierung des zehnjährigen Berichts zur Investitionsplanung für Bildungseinrichtungen. Die vorberatende Kommission wird in der Junisession ein entsprechendes Postulat einreichen, wie Kommissionspräsident Linus Thalmann (SVP) sagte. Darin fordere man eine Gesamtübersicht der Regierung über die demographischen Trends der Schülerzahlen in den kantonalen Berufs- und Mittelschulen, die mögliche Entwicklung der Berufsgattungen und damit der Schulstandorte, sowie die Auswirkungen der IT-Bildungsoffensive.

SVP verlangt höhere Auslastung und Immobilienplanung

Das GBS ist mit 4300 Schülerinnen und Schülern in gut 40 Ausbildungsberufen sowie 500 in Brückenangeboten das grösste und wichtigste Berufsschulzentrum im Kanton, nicht zuletzt wegen der in St.Gallen zentralisierten Kleinstberufe. Die Bauvorlage für das nach 40 Jahren Betrieb technisch veraltete Gebäude erhielt im Kantonsrat von links bis rechts viel Zuspruch und ausgesprochenes Lob, etwa für die flexible Raumplanung, die erfreuliche Energiebilanz (dank Holzschnitzelheizung) und die Integration zweier externer Schulstandorte, die Mietkosten von über 800'000 Franken einsparen lassen.

Die lauteste Kritik – im Sinn der vorberatenden Kommission – kam von der SVP, deren Sprecher Markus Wüst eine höhere Auslastung an den Berufsschulen im Kanton als die aktuellen 60 Prozent forderte. Man wünsche eine Gesamtstrategie unter Berücksichtigung des IHK-Vorschlags für Kompetenzzentren. Zusätzlich zum Postulat der Kommission will die SVP im Juni ein Postulat für eine Übersicht über die kantonalen Bauinvestitionen einreichen.

Bildungsdirektor Stefan Kölliker freute sich über die «weitgehend positiven Reaktionen» zur einer Vorlage, die ihn seit seinem Amtsantritt vor elf Jahren begleite: «Was lange währt, wird endlich gut.» Er zeigte Verständnis für den geforderten Bericht und der Prüfung von Kompetenzzentren sowie des Einflusses der Digitalisierung, bat aber um Zeit: «Von vielen Berufen wissen wir nicht, wie sie sich verändern und ob es sie in Zukunft noch geben wird.» Der Bericht werde deshalb «ausserordentlich anspruchsvoll», weshalb es sicher drei Jahre dauere – mindestens.

Schule für Gestaltung im Zeughaus für SP «noch nicht gestorben»

In der Beratung meldete sich einzig die SP: Co-Fraktionschefin Bettina Surber bekräftigte die einstimmige Zustimmung ihrer Fraktion, wollte aber festhalten, dass die Idee einer – zumindest räumlich eigenständigen – Schule für Gestaltung «unten in der Stadt nicht gestorben» sei. Am «Traum» der städtischen Kulturszene von einer Gestalterschule im Zeughaus dürfe man «weiter herumdenken», sagte Surber. Die kantonale SP werde zusammen mit der städtischen SP die Möglichkeiten für diese Option oder gar ein Zentrum für Gestaltung im Verbund mit Luzern oder der Architekturabteilung der FHS prüfen.

Nach der kurzen ersten Lesung ist im Juni nun noch einmal der Kantonsrat an der Reihe, bevor im November das Volk an der Urne gefragt ist. Der weitere Fahrplan im Fall einer Annahme: 2020/21 Architekturwettbewerb, 2022/23 Detailplanung, 2024-2030 Bau.

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Regula Weik