«Gault-Millau»: Das sind die besten Restaurants in der Ostschweiz

Vier 18-Punkte-Küchen und der «Patissier des Jahres»: Die Ostschweizer Restaurant-Szene entwickelt sich laut «Gault-Millau» immer weiter. Insgesamt 59 Lokale werden im Gastroführer in den Kantonen St. Gallen, Thurgau und den beiden Appenzell aufgeführt.

Tim Naef
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Das neue Restaurant-Ranking von «Gault-Millau» liegt vor. Und Ostschweizer Feinschmecker dürfen sich freuen: Mit dem «Memories» in Bad Ragaz hat die Ostschweiz eine weitere 18-Punkte-Küche erhalten. 

Sven Wassmer, Küchenchef «Memories».

Sven Wassmer, Küchenchef «Memories».

«Sven Wassmer legt im im <Grand Resort Bad Ragaz> los und setzt im beeindruckend gestylten Restaurant Memories auf moderne Alpen-Küche», heisst es im Restaurant-Führer. Hinter dem Konzept stecke viel Leidenschaft, Kopfarbeit und Pinzetteneinsatz. «Dass wir gleich 18 Punkte auf Anhieb bekommen haben, ist genial», sagt Sven Wassmer. 

Die Bewertung wurde jedoch noch mit einem Fragezeichen versehen. «Gault-Millau» fragt sich, ob sich das «selbstbewusst zugespitzte, hochpreisige Konzept durchsetzen und weiterentwickeln lässt. Und ob sich das Reservationsbuch des erst vor rund zwei Monaten eröffneten Restaurants füllen wird.» Die finale Bewertung folge in den kommenden Monaten. Ein zusätzlicher Druck? Wassmer verneint. Dass in nächster Zeit nochmals ein Tester vorbeikommt, ändere nichts an der Arbeitsweise im «Memories». 

Lotto-Sechser im «Schäfli» in Wigoltingen und die beste Forelle des Lebens in Heiden

Des weiteren konnten drei Restaurants die 18-Punkte vom Vorjahr bestätigen. Es sind dies der «Gupf» in Rehetobel, die «Taverne zum Schäfli» in Wigoltingen und das «Einstein Gourmet» in St.Gallen: 

«Der Gupf liegt für die meisten nicht grad vor der Haustür, aber trotzdem rennen die Gäste dem Lokal die Tür ein – zurecht»
«Kaum im Schäfli Platz genommen, gibt es bereits seinen kulinarischen Lotto-Sechser: Steam Bun, gefüllt mit Ente, gewürzt mit Koriander»
«Sebastain Zier und Moses Ceylan haben den letztes Jahr geholten 18. Punkt locker verteidigt und gehen ihren Weg konsequent weiter. »

Insgesamt listet «Gault-Millau» 59 Restaurants in der Ostschweiz auf; schweizweit sind es deren 870. Neu dazugekommen sind das oben erwähnte «Memories» im Kanton St.Gallen und das Restaurant Weid (15 Punkte) in Appenzell Ausserrhoden. In Letzterem kocht neu Ivanassén Berov, welcher die «Krone» am Trogener Landsgemeindeplatz verlassen und neu in Heiden angeheuert hat. 

Heiden ein gutes Pflaster

Wer den Produkte-Fetischisten Berov kenne, wisse, dass er am neuen Arbeitsort das Letztmögliche aus den Produkten herauskitzelt, heisst es im Restaurant-Führer über die «Weid». Und tatsächlich: 

«Seine Forelle <blau> war wohl die beste unseres Lebens – ungemein zart und unglaublich aromatisch.» 

Heiden ist allgemein ein gutes Pflaster für Geniesser. In der 4080-Einwohner-Gemeinde gibt es mit dem Restaurant Bö's (13 Punkte) und dem Restaurant Zur Fernsicht zwei weitere Punkte-Lokale. Letzteres hat dieses Jahr gleich zwei Gründe, einen teuren Wein aus dem laut «Gault-Millau» exzellenten Weinkeller zu öffnen.   

Küchenchef Tobias Funke holt sich mit der «Fernsicht»  den 17. Punkt. Er habe in Heiden sein Revier gefunden, schreibt «Gault-Millau». Funke wolle ganz nach oben und scheue dafür keinen Aufwand. «Wir sind überglücklich, dass wir den 17. Punkt erhalten haben und so auch unser Restaurant auf die nächste Stufe heben konnten», sagt Funke auf Anfrage.

Dass nun im nächsten Jahr gleich der 18. Punkt angestrebt wird, will Funke so nicht sagen. Natürlich sei dies das Ziel, «wir haben aber nur einen begrenzten Einfluss auf die Bewertung.» Als Küchenteam könne man lediglich mit konstant guter Qualität kochen. «Ob es dann irgendwann für einen weiteren Punkt reicht, entscheiden einzig und allein die Tester.» Und diese habe er in seiner 15-jährigen Karriere noch nicht einmal gesehen. 

Der Patissier des Jahres wirkt in Heiden

Dass die «Fernsicht» überhaupt so weit gekommen sei, wäre ohne sein hervorragendes Team gar nicht möglich gewesen. «Es braucht natürlich viel Arbeit und erstklassige Produkte», so Funke. Aber ohne die richtigen Mitarbeiter bringe das alles nichts. 

Kay Baumgardt von der «Fernsicht» in Heiden wurde von «Gault-Millau» zum Patissier des Jahres gewählt.

Kay Baumgardt von der «Fernsicht» in Heiden wurde von «Gault-Millau» zum Patissier des Jahres gewählt.

Einer dieser Mitarbeiter ist Kay Baumgardt. «Gault-Millau» nennt ihn den «Zuckerbäcker ohne Zucker». Dies deshalb, weil er den weissen Zucker aus seiner Küche verbannt hat. Er sei in seiner Kreativität kaum zu bremsen. Deshalb sei er verdient «Gault Millaus» Patissier des Jahres geworden. «Ich bin unglaublich stolz», sagt Baumgardt. Es sei ihm eine Ehre, den Titel ins Appenzellerland geholt zu haben. Er müsste lügen, wenn er sagen würde, dass es kein Ziel von ihm gewesen sei.

Baumgardt betont aber, das seine erste Priorität immer die Gäste und das Restaurant sind. Dennoch werde er mit dem Team sicher noch ein, zwei Gläser Champagner trinken, um auf den Punktgewinn der «Fernsicht» anzustossen. «Dass ich gleichzeitig noch den Titel Patissier des Jahres feiern kann, ist, so sagen wir in unserem Berufsstand, die Haube auf der Torte.»

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Die Gault-Millau-Lokale im Kanton St.Gallen

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Ortschaft Restaurant Punkte (letztes Jahr)
Au Burg 13 (13)
Bad Ragaz Grand Resort Bad Ragaz (Golf Restaurant Gladys) 13 (13)
Bad Ragaz Grand Resort Bad Ragaz (Memories) 18 (neu)
Bad Ragaz Grand Resort Bad Ragaz (Restaurant Igniv) 17 (17)
Bad Ragaz Löwen 14 (14)
Bad Ragaz Rössli 16 (16)
Balgach Rössli 14 (14)
Berg Zum Sternen 13 (13)
Eschenbach Restaurant Chrüz 14 (14)
Goldach Villa am See 16 (16)
Lichtensteig Bodega Noi 13 (13)
Lömmenschwil Neue Blumenau 16 (16)
Lömmenschwil Ruggisberg 15 (15)
Mels Schlüssel 17 (17)
Oberschan-Wartau Mühle 12 (12)
Rapperswil-Jona Hotel Jakob 16 (16)
Rheineck Landhaus Rheineck 13 (14)
Rorschacherberg Schloss Wartegg 13 (13)
Sargans Zunfthaus zum Löwen 14 (13)
St. Gallen Alte Post 14 (14)
St. Gallen Barz 14 (14)
St. Gallen Candela 12 (12)
St. Gallen Hotel Einstein 18 (18)
St. Gallen Am Gallusplatz 13 (13)
St. Gallen Genuss Manufaktur Neubad 14 (13)
St. Gallen Restaurant Jägerhof 17 (16)
St. Gallen Netts Schützengarten 14 (14)
St. Gallen Gaststuben zum Schlössli 14 (14)
St. Gallen Zum Goldenen Schäfli 14 (14)
Tübach Wirtschaft zum Löwen 14 (14)
Walenstadt Löwen 15 (15)
Weesen Fischerstube 14 (14)
Wittenbach Segreto 16 (16)

Die Gault-Millau-Lokale im Kanton Thurgau

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Ortschaft Restaurant Punkte (letztes Jahr)
Arbon Michelas Ilge 13 (13)
Arbon Römerhof 13 (14)
Diessenhofen Krone 13 (13)
Egnach Seelust 13 (13)
Frauenfeld Zum Goldenen Kreuz 14 (14)
Freidorf Mammertsberg 17 (17)
Horn Bad Horn (Restaurant Captain’s Grill) o.N. (Umbau)
Kreuzlingen Seegarten 14 (14)
Lipperswil Wellnesshotel Golf Panorama (Restaurant Lion d’Or) 14 (14)
Mammern Gasthof Schiff 14 (14)
Tägerwilen Jucker's Boutique Hotel (Restaurant Linde) 13 (13)
Weinfelden Gambrinus 15 (15)
Weinfelden Zum Löwen 14 (14)
Wigoltingen Taverne zum Schäfli 18 (18)

Die Gault-Millau-Restaurants im Appenzellerland

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Ortschaft Restaurant Punkte (letztes Jahr)
Gonten Hotel Bären Gonten 14 (13)
Weissbad Hof Weissbad 16 (16)
Bühler Landgasthof Sternen 13(13)
Gais Truube 16 (16)
Grub AR Bären 15 (15)
Heiden Zur Fernsicht 17 (16)
Heiden Hotel Heiden 13 (13)
Heiden Weid 15 (neu)
Herisau Rüti 14 (13)
Rehetobel Zum Gupf 18 (18)
Speicher Aglio e Olio 13 (13)
Teufen Anker Hotel und Restaurant 14 (15)

Die Gault-Millau-Lokale im Fürstentum Liechtenstein

Ortschaft Restaurant Punkte (letztes Jahr)
Schellenberg Weinlaube 15 (neu)
Triesen Hotel Schatzmann (Restaurant Vivid) 13 (neu)
Triesenberg Berggasthaus Masescha 13 (13)
Vaduz Park Hotel Sonnenhof (Marée) 17 (17)
Vaduz Torkel 16 (16)

Der Gastroführer, geliebt und gefürchtet

In der neuesten Ausgabe des «Gault-Millau» schneiden Ostschweizer Lokale gut ab. Dass der Guide konstante Leistungen würdigt, setzt ein gutes Zeichen in einer Zeit, in der auch die Spitzengastronomie zu einem schnelllebigen Gewerbe geworden ist.
Urs Bader