GAFFER: Unangenehme Unfallbesucher

Ein uneinsichtiger Beobachter blockierte in Konstanz neulich eine Unfallstelle. Deutsche Rettungskräfte sprechen von zunehmenden Problemen mit Gaffern. Im Kanton St. Gallen ist die Situation noch harmlos.

Martin Rechsteiner
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Aus sicherer Entfernung und noch ohne Smartphones: Passanten beobachten den Feuerwehreinsatz beim Brand der St. Leonhardskirche in St. Gallen, kurz vor Weihnachten 2007. (Bild: PD)

Aus sicherer Entfernung und noch ohne Smartphones: Passanten beobachten den Feuerwehreinsatz beim Brand der St. Leonhardskirche in St. Gallen, kurz vor Weihnachten 2007. (Bild: PD)

Martin Rechsteiner

Polizei, Feuerwehr und Sanität erheischen Aufmerksamkeit, wenn sie ihre Arbeit machen. Bei Bränden, Polizeikontrollen oder Rettungseinsätzen auf der Strasse wird hingeschaut. Oder mehr: Ein Gaffer hat in Konstanz Rettungskräfte an einem Einsatz gehindert, weil er Aufnahmen eines Unfalls machen wollte (s. Infobox). Fälle von renitenten Gaffern gibt es in Deutschland offenbar zunehmend, im Kanton St. Gallen sind sie aber eine Seltenheit.

Zuschauer kommen der Kantonspolizei St. Gallen bei Einsätzen kaum in die Quere, wie Sprecher Gian Andrea Rezzoli sagt. «Werden polizeiliche Einsätze gestört oder behindert, erfolgt ein Rapport an die Staatsanwaltschaft.» Und es habe über die letzten paar Jahre nur eine «Handvoll» solcher Vorkommnisse gegeben. Bewusst sei man sich bei der Polizei aber, dass überall und zu jeder Zeit Fotos und Filme gemacht und geteilt werden. «Die schnelle Informationsverbreitung wirkt sich vor allem auf unsere Kommunikationstätigkeit aus», sagt Rezzoli und mahnt an: «Wer ohne Zustimmung Bild-, Ton- oder Filmaufnahmen von Personen erstellt und diese veröffentlicht, kann angezeigt werden.» Denn das kann die Persönlichkeitsrechte verletzen.

Unfälle wegen Unfällen

Dass Zuschauer Persönlichkeitsrechte gefährden können, sieht auch Philipp Lutz, Mediensprecher der Rettung St. Gallen. «Wenn Rettungssanitäter an eine Unfallstelle kommen, haben sie anderes zu tun, als darauf zu achten, dass niemand Bilder von den Betroffenen macht.» Dass Unbeteiligte die Bergung oder Versorgung von Verletzten aktiv behindern, gebe es so gut wie nie. «Was dagegen viel häufiger vorkommt, sind Gegenunfälle», sagt er. Diese gibt es, wenn Autofahrer sich wegen eines bereits passierten Unfalls ablenken lassen und dann selbst verunfallen. Ein neuer, allerdings noch seltener Störfaktor seien Drohnen von Privaten an Unfallstellen. «Neben der Sache mit den Persönlichkeitsrechten kann es die Rettungskräfte bei der Arbeit stören, wenn plötzlich eine Drohne aufsteigt», sagt Lutz. «Aber dass Leute generell hinschauen, ist nichts Schlimmes. Rettungseinsätze erwecken nun mal Aufmerksamkeit.»

Feuerwehr stoppt Fotografen

«Klar, ein Einsatz von uns zieht Blicke auf sich», sagt auch Christian Isler, Kommandant Feuerwehr und Zivilschutz St. Gallen. «Und natürlich gibt es immer wieder Leute, die dem Geschehen zu nahe kommen.» Für gewöhnlich gingen diese aber auf Aufforderung weg. Daran, dass jemand einen Einsatz der Feuerwehr einmal aktiv behindert hätte, könne er sich nicht erinnern. «Wir versuchen immer zu verhindern, dass es überhaupt so weit kommt», sagt Isler. Absperrband, Verkehrsleitkegel und Personal sorgen dafür, dass auf dem Schadenplatz keine Zwischenfälle durch Unbeteiligte passieren; Zuschauer gebe es aber immer. Zum Ärgernis würden diese vor allem dann, wenn sie ihr Smartphone zückten. «Stellen Sie sich vor, Ihr Haus brennt und zehn Nachbarn kommen her und filmen. Das ist doch unangenehm und auch respektlos», sagt Isler. Dass die Bilder dann häufig in den sozialen Medien landeten, sei ein weiteres Ärgernis. «Wir bei der Feuerwehr wollen einfach unsere Arbeit machen und dabei nicht auf irgendwelchen Kanälen erscheinen», sagt der Kommandant. Deshalb würden Unbeteiligte, die an einem Schadenplatz Aufnahmen machten, konsequent dazu aufgefordert, dies zu unterlassen.