Gähnende Leere und überteuerte Getränke im Waaghaus: Die St.Galler Fasnacht kommt bei den Guggen schlecht weg

Die Vereinigten Guggen St.Gallen haben eine Umfrage zur St.Galler Fasnacht gestartet. Die Rückmeldungen sind eindeutig: Überteuerte Getränke, kaum Publikum und abwesende Organisatoren – viele User lassen kein gutes Haar an den Veranstaltern. Auch der Dachverband selbst übt Kritik.

Luca Ghiselli
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Wenig Publikum: Die Vereinigten Guggen sind mit den Hauptorganisatoren der St.Galler Fasnacht nicht zufrieden. (Bild: Urs Bucher)

Wenig Publikum: Die Vereinigten Guggen sind mit den Hauptorganisatoren der St.Galler Fasnacht nicht zufrieden. (Bild: Urs Bucher)

«Ich war am Dienstag im Waaghaus mit einigen wenigen anderen Knochen. Viel gab's da nicht zu sehen.» Und weiter: «Wenn die Guggen nicht gerade spielten, war es ganz ausgestorben und langweilig. Die Guggengruppen hätten einen würdigeren Abschluss der Fasnacht verdient.»

Kritik wie diese sammelt sich seit Donnerstag unter einem Facebook-Post der Vereinigten Guggen St.Gallen. Der Verband hatte die Fasnächtler dazu aufgerufen, mit einem Kommentar mitzuteilen, was ihnen an der diesjährigen Fasnacht gefallen hat und was nicht. Und die Fasnächtler zögern nicht, ihrer Enttäuschung Ausdruck zu verleihen:

«Ihr solltet mal euer Konzept überdenken. Wenn es so weitergeht, sehe ich schwarz für die Zukunft.»

Ein Hauptkritikpunkt ist das verwaiste Waaghaus. Wo die Festbeiz der St.Galler Fasnacht ist, herrschte vereinzelt gähnende Leere. Und zwar nicht nur am Dienstag, sondern auch am Fasnachtssamstag und am Schmutzigen Donnerstag. Ein Gugger schreibt auf Facebook:

«Am Schmudo-Abend vor fast leeren Rängen im Waaghaus zu spielen, macht keinen Spass.»

Weiter werden die Getränkepreise («8.50 Franken für ein «Fröschli» sind der pure Nepp») und die schlechte Ausleuchtung der Stadtbühnen am Bärenplatz und in der Neugasse kritisiert. Ausserdem beklagen die Gugger, dass die Organisatoren durch Abwesenheit glänzten: «Die offiziellen Vertreter pflegen null Kontakt zu den eigentlichen Akteuren.»

Vereinigte Guggen wollen Diskussion öffnen

Die von den Guggern auf Facebook kritisierten Punkte sind indessen nicht neu. Bereits in den vergangenen Jahren wurde immer wieder auf das leere Waaghaus und die hohen Preise in der Festbeiz hingewiesen. Andreas Jakob, Präsident der Vereinigten Guggen St.Gallen, erklärt auf Anfrage, seine Vereinigung habe nur wenig Handlungsspielraum, um die kritisierten Punkte zu ändern.

Andreas Jakob, Präsident der Vereinigten Guggen St.Gallen. (Bild: Luca Ghiselli)

Andreas Jakob, Präsident der Vereinigten Guggen St.Gallen. (Bild: Luca Ghiselli)

Warum hat er dennoch eine Umfrage lanciert? «Bisher hat das Feedback eher intern stattgefunden. Diesmal wollten wir die Diskussion öffnen, um die Meinungen möglichst vieler Guggerinnen und Gugger zu hören.»

Andreas Jakob ist die Kritik geläufig. Bereits in den vergangenen Jahren habe man den Publikumsschwund am Samstag bemängelt. «Damals hat die St.Galler Fasnachtsgesellschaft kritisiert, dass wir am Samstag zu wenig Guggen auf Platz hätten», erinnert er sich.

Dieses Jahr habe man sechs Gast-Guggen eingeladen, insgesamt seien elf Guggen unterwegs gewesen. Die Vereinigten Guggen hätten ihren Teil also beigetragen. «Und trotzdem blieb am Samstagabend der Andrang aus.» Woran krankt die Gassenfasnacht am Samstag dann? Andreas Jakob sagt:

«Es braucht ein ganz anderes Konzept, um das Waaghaus auch für Jüngere attraktiv zu machen. Als Vereinigte Guggen können wir das aber nur bedingt beeinflussen. Letztlich ist es immer auch eine Kostenfrage.»

Mit dem Föbü-Verschuss habe man am Samstagabend eigentlich einen Anlass, der viel Publikum anlocke. Bisher war es aber meistens so, dass sich die Menge gleich nach dem Verschuss auflöste. «Die Leute kommen danach nicht ins Waaghaus, sondern gehen an die Beizenfasnacht oder nach Hause.»

Vereinigte Guggen: «Die Fasnacht wird ohne die notwendige Liebe zum Detail organisiert»

Mit dem Konzept aus den 1990er-Jahren habe die Fasnacht in St.Gallen mit der Zeit den Zugang zum jungen Publikum teilweise verloren. Auch werden kaum die Bedürfnisse von jungen Menschen berücksichtigt, sagt Jakob. Der Anlass werde von der St.Galler Fasnachtsgesellschaft ohne die notwendige Liebe zum Detail organisiert, heisst es seitens der Vereinigten Guggen. Die Orientierung an ein jüngeres Publikum fehle genauso wie die Innovationsbereitschaft.

Das Problem ist also bekannt. Und die Lösung? Die Vereinigten Guggen sammeln bis Ende März die Rückmeldungen der Gruppen auf Facebook oder im persönlichen Gespräch. Danach bringt Jakob das Feedback an der traditionellen «Chopfleerete» mit der Fasnachtsgesellschaft ein. Darüber hinaus gebe es Konzepte der Vereinigten Guggen, welche die St. Galler Fasnacht wieder für alle Altersgruppen attraktiver machen könnte.

Fasnachtsgesellschaft warnt vor Schwarzmalerei

Auch Bruno Bischof, Präsident der St.Galler Fasnachtsgesellschaft, kennt die von den Vereinigten Guggen angesprochenen Probleme. Er wehrt sich aber gegen Schwarzmalerei: «Wir hatten 2000 Zuschauer am Föbü-Verschuss, am Umzug sogar gegen 40'000 Leute.» Man sei weder Luzern noch Basel, könne insgesamt aber auf eine erfolgreiche Fasnacht 2019 zurückblicken.

Bruno Bischof, Präsident der Fasnachtsgesellschaft St.Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Bruno Bischof, Präsident der Fasnachtsgesellschaft St.Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Er betont: Der Samstagabend bleibe ein Sorgenkind. «Es ist aber überhaupt nicht so, dass wir nicht bereit für Innovationen wären.» Allerdings müsse dabei auch beachtet werden, dass die Kosten nicht ausufern. «Wir können schon ein riesiges Programm auf die Beine stellen. Wenn wir deshalb aber tiefrote Zahlen schreiben, ist der St.Galler Fasnacht auch nicht gedient.»

Auch den Vorwurf einzelner Gugger, die offiziellen Verantwortlichen seien oft abwesend und mieden den Kontakt mit den Guggen, lässt Bischof nicht gelten:

«Diesen Vorwurf weise ich entschieden zurück. Alleine am Schmutzigen Donnerstag war ich über 20 Stunden vor Ort. Von fehlendem Kontakt kann also keine Rede sein.»

Letztlich sei es zentral, die St.Galler Fasnacht gemeinsam voranzutreiben, ist Bruno Bischof überzeugt. Zu diesem Zweck werde man sich Ende März mit allen Beteiligten zusammensetzen.