Fusionen aus Geldnot

Morgen Sonntag wird in fünf St. Galler Kirchgemeinden über eine Weichenstellung zur Fusion abgestimmt. Hintergrund ist neben der Verbesserung der Zusammenarbeit ein befürchteter Rückgang der Gelder des Finanzausgleichs.

Daniel Klingenberg
Drucken
Teilen
Evangelische Kirche Lichtensteig: Die Kirchgemeinde könnte mit Wattwil und Krinau fusionieren. (Bild: Daniel Klingenberg)

Evangelische Kirche Lichtensteig: Die Kirchgemeinde könnte mit Wattwil und Krinau fusionieren. (Bild: Daniel Klingenberg)

Der Kanton St. Gallen hat 55 evangelische Kirchgemeinden. 33 von ihnen bezogen 2009 Gelder aus dem Finanzausgleichs-Topf. Das Geld – in diesem Jahr sind es acht Millionen Franken – stammt aus dem Staatshaushalt, die Höhe des Betrags steht in prozentualer Abhängigkeit vom Steuereingang der juristischen Personen. Festgelegt ist dies im Steuergesetz. Auch die Katholiken haben Anspruch auf Ausgleichsgelder.

Vom Ausgleich abhängig

Im Klartext heisst das: Ausgleichsgemeinden können ihre Leistungen nur erbringen, weil der Finanzausgleich zur Verfügung steht. Aber weder das Steuergesetz noch die Steuereingänge sind in Stein gemeisselt. Der Finanzausgleichs-Topf kann sich also verringern.

Im Toggenburg wird morgen Sonntag in fünf Kirchgemeinden abgestimmt, ob ein Zusammenschlussvertrag ausgearbeitet werden soll. Wird dem zugestimmt, könnten aus Wildhaus und Alt St. Johann einerseits, Wattwil, Krinau und Lichtensteig anderseits künftig zwei Kirchgemeinden werden.

Zwar sprechen aus Sicht der Kantonalkirche auch «weiche» Faktoren für ein Zusammengehen. In grösseren Einheiten sei eine grössere «Programmvielfalt» möglich. Zudem könnten «flexiblere Personalpools» angeboten werden.

Schonfrist bis 2015

Hinter dem Interesse der Kantonalkirche zu Fusionen – zur Unterstützung wurde eigens ein Teilpensum eingerichtet – stehen aber auch handfeste finanzielle Befürchtungen.

«Es dürfte die letzte Gelegenheit sein, ohne Druck von aussen und ohne Kürzung der Finanzmittel zu handeln», sagte Kirchenratspräsident Dölf Weder bereits vor zwei Jahren zum Thema Fusionen. Auf Anfrage heisst es zwar derzeit von der Kantonalkirche, dass «bis 2015 kaum Fusionen des Geldes wegen gemacht werden müssen». Was bedeutet: Nach 2015 kann dies durchaus der Fall sein.

Will man nicht zu einer Zwangsehe samt Einbussen von Leistungen und finanziellen Vorgaben kommen, wird ein mehrjähriges Grossprojekt wie eine Fusion mit Vorteil jetzt angepackt.

Kirchenrat kann rasch handeln

In ihrer Aufgabe als übergeordnete Behörde hat die Kantonalkirche sowohl eine Prognose als auch eine Strategie für den künftigen Umgang mit den Ausgleichsgeldern entwickelt.

Für eine Verminderung sprechen mehrere Gründe (siehe Kasten). Trete ein «moderater Rückgang» ein, könne der Kirchenrat in eigener Kompetenz Massnahmen bei den Ausgleichsgemeinden treffen, sagte der für die Finanzen zuständige Kirchenrat Hans Peter Schmid auf Anfrage. Dazu gehört beispielsweise eine Anhebung des Steuerfusses sowie eine Kürzung der Stellenprozente, und zwar abhängig von der Mitgliederzahl der Gemeinde.

Trete ein massiver Rückgang ein, müsse sich das kantonale Kirchenparlament damit befassen, sagte Hans Peter Schmid weiter. Dabei könnten auch Massnahmen wie die Mindestgrösse einer Kirchgemeinde oder Ausgleichsgelder unter den Kirchgemeinden – wie es dies bei den Katholiken gibt – zum Tragen kommen.

Aktuelle Nachrichten