Fusion aus Sicht der Schüler

Der Primarschulrat lud zu einer Elterninformation ein. Er beleuchtete die Gemeindefusion aus Sicht der Primarschüler und stellte fest, dass sie gewisse Risiken birgt.

Benjamin Schmid
Drucken
Teilen
Primarschulratspräsident Ernst Dietsche klärt die Risiken einer Fusion für die Primarschüler. (Bild: Benjamin Schmid)

Primarschulratspräsident Ernst Dietsche klärt die Risiken einer Fusion für die Primarschüler. (Bild: Benjamin Schmid)

Primarschulratspräsident Ernst Dietsche hiess am Donnerstagabend die rund 50 erschienenen Personen im Jugendraum der Mehrzweckhalle Amt­acker willkommen. Es sind viele Eltern von Primarschülerinnen und Primarschülern mit offenen Fragen an ihn herangetreten. Deshalb richtete sich die Einladung explizit an diese Eltern. Gleich zu Beginn stellte er fest, dass er und der gesamte Primarschulrat gegen eine Fusion sind.

Primarschulkonzept hat sich bewährt

Es gibt keine Fusion ohne Veränderungen. Diese seien bei den Veranstaltungen vor den Sommerferien diskutiert worden, jedoch habe man dabei stets eine Erwachsenenperspektive eingenommen und die Sicht der betroffenen Primarschüler nicht berücksichtigt. «Wir wollen die Chancen einer Fusion nicht unter den Tisch kehren», sagte Dietsche und ergänzte: «Aber wir wollen dabei nicht den Blickwinkel unserer Kinder vergessen.»

Für Dietsche stellte sich weder die Frage, ob der angekündigte Steuerzinssatz realistisch gesetzt wurde, noch dass bei einer Fusion Synergien genutzt werden können, dafür aber, ob man das bewährte Schulkonzept erneut überdenken und verändern soll. «Egal wie das Abstimmungsresultat ausfällt, der Primarschulrat wird das Bestmögliche unternehmen, um den Auftrag der Bevölkerung zu erfüllen.» Es sei wichtig, nicht nur die Vorteile für die Erwachsenen zu berücksichtigen, sondern auch die Anliegen der Schülerschaft zu prüfen. Schulleiterin Sandra Hengartner sprach davon, dass man Alternativen suchen müsse, statt Klassen zusammenzulegen und dadurch Kinder aus dem einen Dorf ins andere einzuschulen.

«Wir sind nahe bei den Eltern und den Schülern. Dadurch können wir schnell auf Veränderungen reagieren und geeignete Massnahmen ergreifen», sagte Hengartner. Die Schulsysteme der beiden Gemeinden hätten sich bewährt und würden bei einer Fusion mit Sicherheit Veränderungen unterzogen. «Wir wollen Beständigkeit und Halt für unsere Kinder», sagte Hengartner und fügte an: «Dazu gehört auch der DAZ-Unterricht oder das Führen einer Halbklasse im eigenen Dorf.» Das Hauptanliegen des Primarschulrates ist, die Schule im Dorf zu lassen. «Wir wollen nicht, dass Primarschüler mit dem Bus in die Schule müssen», sagte Hengartner. Dietsche ergänzte: «Synergien werden bereits genutzt, das heisst aber nicht, dass wir die ganze Schule neu erfinden müssen.» Man wisse über die Wichtigkeit des Schulweges und sei daher unsicher, wie sich eine Fusion auf die Wege der Kinder auswirken könnten.

Keine Sparübung bei der Schule

So wie es aktuell ist, könne man schnell und flexibel auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen, was bei einer Fusion kaum mehr möglich sei. Einerseits habe der Schulrat weniger zu sagen, andererseits berge eine Fusion die Gefahr, dass die Anonymität in der Bevölkerung wächst und man dadurch die Nähe zu den Schülerinnen und Schülern verliert.

Der Primarschulratspräsident war bemüht, die Diskussion sachlich und ohne Emotionen zu führen. Es war keine Propagandaveranstaltung, bei der den gegnerischen Argumenten keinen Platz eingeräumt wurde. Dietsches Anliegen zielte mehr darauf, die Leute möglichst breit zu informieren, den Stimmbürgern die Möglichkeit zu bieten, über die gängigen Argumente hinaus Fragen zu stellen und sich dadurch eine umfangreiche Grundlage für die Meinungsbildung zu schaffen. «Die Schule darf unter keinen Umständen unter der Fusion leiden», sagte Dietsche. Karsten Zünd von der Geschäftsprüfungskommission der Primarschule, sprach sich im Namen seiner Kollegen klar für eine Fusion aus. Ob es nach der Fusion zu keinen Sparmassnahmen komme, könne keiner sagen. Jedoch wisse auch niemand, ob ein neu gewählter Schulrat nicht auch Sparbemühungen einleiten würde. «Eine grössere Gemeinde hat mehr Geld zur Verfügung und kann damit ideale Bedingungen für die Schülerinnen und Schüler schaffen», sagte Zünd.

Zum Schluss ermunterte Ernst Dietsche die Anwesenden, an der Podiumsdiskussion vom 22. Oktober teilzunehmen und die Chance zu nutzen, sich umfänglich über die Vor- und Nachteile einer Fusion zu informieren.