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Funkstille seit über einem Jahr: Wo es bei der St.Galler Super-Bibliothek noch klemmt

St.Galler Stadtparlamentarier und eine Vortragsreihe thematisieren die geplante Bibliothek im Herzen der Altstadt. Wegen zusätzlicher Abklärungen verzögern sich die Beschlüsse der Regierungen und die Ausschreibung des Wettbewerbs.
Marcel Elsener
Der Standort für die Neue Bibliothek von Stadt und Kanton: Das Uniongebäude am St.Galler Blumenmarkt. (Bild: Urs Bucher)

Der Standort für die Neue Bibliothek von Stadt und Kanton: Das Uniongebäude am St.Galler Blumenmarkt. (Bild: Urs Bucher)

Kommt sie nun, die gemeinsame Bibliothek von Stadt und Kanton im Uniongebäude im St.Galler Stadtzentrum, oder warum herrscht in der Sache Funkstille seit über einem Jahr? Anfang März 2018 hatten Kanton und Stadt sowie der Versicherungskonzern Helvetia als Eigentümer der Liegenschaft ihr Projekt am «idealen» Standort bekräftigt und die Vorgaben für einen Architekturwettbewerb bis Ende 2018 in Aussicht gestellt.

Aufgrund der fortgeschrittenen Pläne für die Neugestaltung von Marktplatz und Bohl und darin enthaltenem Vermerk auf den «Neubau Bibliothek» am Blumenmarkt fragt die Mehrheit der Stadtparlamentarier in einer Interpellation nach dem Stand der Planung.

Zu den Urhebern des Vorstosses gehört der aus Kalifornien zugewanderte Musiker Karl Schimke, der die letztlich erfolgreiche Bibliotheksinitiative 2011 mit einem Flashmob und einer Fanfare beflügelt hatte. Mittlerweile eingebürgert und FDP-Stadtpolitiker, engagiert er sich im Verein Pro Stadtbibliothek, der in der Hauptpost eine prominent besetzte Vortragsreihe zum Thema organisiert.

Der Wunsch nach einem Wow-Effekt

«Wir wollen die Gesellschaft für die Idee einer neuen Bibliothek begeistern, die viel mehr sein kann als ein Bücherlager, nämlich Treffpunkt und Ideenraum für die Bevölkerung von Stadt und Kanton», sagt Schimke. Mit der sprichwörtlichen Begeisterungsfähigkeit des Amerikaners wünscht er sich einen «Wow-Effekt»:

«Der Erfolg mit einem Teil der Bestände im Provisorium zeigt, wie toll erst recht eine vollständige Bibliothek werden könnte.»

Wie andere Involvierte schwärmt er von zukunftsweisenden Bibliotheksbauten in Städten wie Aarhus (Dänemark) oder Helsinki. Vorbildhafte Einrichtungen in Stuttgart, Köln und Berlin studierte auch eine Delegation von Fachkräften aus Stadt und Kanton – ein Hinweis, dass sich hinter den Kulissen für den St.Galler Neubau einiges tut.

Zusätzliche Sitzungen wegen Klärungsbedarf

Nur: Spruchreif ist wenig, die Aktionen kommen für die drei Projektpartner zu einem ungünstigen Zeitpunkt, wie der St.Galler Regierungsrat und Baudirektor Marc Mächler zu verstehen gibt. Der Kanton spielt die führende Rolle in der Kommunikation, doch Informationen sind laut Mächler erst möglich, wenn die Regierungen von Stadt und Kanton ihre Beschlüsse gefasst haben.

Marc Mächler, St.Galler Regierungsrat. (Bild: Regina Kühne)

Marc Mächler, St.Galler Regierungsrat. (Bild: Regina Kühne)

Das Konzept ist abgeklärt und bereinigt worden, die Leitplanken für den Architekturwettbewerb sind gesetzt. Die Verzögerungen begründet Mächler mit dem «Klärungsbedarf», der zusätzliche Sitzungen erfordert habe. Regierungsrat Mächler hält weiter fest:

«Es gab kontroverse Meinungen in gewissen Punkten, wir mussten uns zusammenraufen, jetzt ziehen wir alle am gleichen Strick.»

«Ein bedeutender Entscheid, der einige Dominosteine auslöst»

Was das für die wichtigste offene Frage bedeutet, nämlich den Erhalt oder Abbruch des Uniongebäudes, will Mächler nicht sagen. Was resultierte aus den angekündigten «intensiven Diskussionen mit der Denkmalpflege»? Man kann nur spekulieren: Wahrscheinlich hat sich aufgrund der Empfehlungen der Denkmalpfleger von Stadt, Kanton und Bund eine Mehrheit für die Schutzwürdigkeit des Bauzeugen aus den 1950er-Jahren durchgesetzt.

Möglich bleibt wohl der Teilabbruch des Gebäudetrakts auf dem Blumenmarkt, der den Kiosk und das gleichnamige Café beherbergt – zugunsten eines markanten Neubaus neben dem bestehenden Unionbau. Dem Beschluss der Regierung wie auch des Stadtrates könne er nicht vorgreifen, sagt Mächler und nennt auf Seiten des Kantons den nächsten Schritt: Im April informiert er seine Regierungskollegen über den «bedeutenden Entscheid» und die Folgen für die Hauptpost und andere Bauten des Kantons.

«Wenn wir Ja sagen zum Bibliotheksbau, löst das einige Dominosteine in der Stadt St.Gallen aus.»

So braucht es einen strategischen Entscheid für die Hauptpost, der vorzugsweise einer Bildungsinstitution dient. Zu bedenken gilt es laut Kantonsbaumeister Werner Binotto, dass «die gutmütige alte Dame Hauptpost» in zehn Jahren eine komplette Sanierung nötig habe, was eine Räumung erfordere, «das geht nicht mit laufendem Betrieb». Auch das ist bekannt, neu höchstens das Bekenntnis des Bauchefs, dass andere Optionen für die Bibliothek kein Thema sind: «Der Standort Union hat erste Priorität, da bestehen keine Differenzen.»

Kaufpreis und teilnehmende Architekten noch offen

Der Architekturwettwerb für den angestrebten «hochwertigen Bau» wird im zweiten Halbjahr 2019 ausgeschrieben und von den drei Projektpartnern zu gleichen Teilen finanziert und juriert. Denkbar ist ein offener Wettbewerb mit möglichst hochkarätigem Teilnehmerfeld.

Ob die Helvetia ihr favorisiertes Büro Herzog und De Meuron ins Spiel bringt, wird freilich nicht bestätigt: Benno Flury, Leiter Immobilien am Sitz in Basel, verweist für alle Anfragen auf den Kanton. Stolpersteine auf dem weiteren Planungsweg bleiben der noch nicht verhandelte Kaufpreis für Stadt und Kanton und die politischen Entscheide in den beiden Parlamenten und an der Urne.

Mächler ist jedoch «optimistisch», dass das Projekt bis Ende der 20er-Jahre realisiert werden kann:

«Eine Bibliothek stösst als Bildungs- und Kulturinstitution in der Bevölkerung auf grosse Zustimmung. Sie wird wegen der Digitalisierung nicht verschwinden, sondern interessante neue Formen annehmen.»

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