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Die Casinodichte in Liechtenstein ist bald höher als in Las Vegas: Doch jetzt regt sich Widerstand

Gelten bald höhere Geldspielabgaben für «Klein Las Vegas» in Liechtenstein? Die Regierung ist dagegen.
Christoph Zweili
Die Regierung glaubt nicht, dass die Reputation des Zwergstaats wegen der Zahl der Casinos leidet. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Die Regierung glaubt nicht, dass die Reputation des Zwergstaats wegen der Zahl der Casinos leidet. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Liechtenstein entwickelt sich vom Steuerbetrugsparadies zur Spielhölle Europas. Werden alle Gesuche bewilligt ist die Casinodichte mit einer Spielbank pro 7600 Einwohner bald einmal grösser als in Las Vegas, Reno, Macau oder Monaco (Ausgabe vom 8. Mai). Die Zocker kommen vor allem aus der grenznahen Schweiz, aus Österreich und Deutschland. Das Geschäft mit ihnen boomt. Profiteur der Goldgräberstimmung ist neben den Spielbankbetreibern vor allem das Land Liechtenstein. Statt der von der Regierung erwarteten 3,3 Millionen spülten die Casinos im vergangenen Jahr 23 Millionen Schweizer Franken in die Kasse des Fürstentums. Und das, obwohl die Steuern auf Spieleinsätze niedriger sind als in den umliegenden Ländern.

Liechtenstein kassiert über die Geldspielabgabe 17,5 bis 40 Prozent der Bruttospielerträge, bedeutend weniger als die Schweiz, die 40 bis 80 Prozent der Differenz zwischen Spieleinsätzen und Gewinnen zu Gunsten der AHV einzieht. In Österreich sind es 30 Prozent.

Neu entscheidet der Markt über die Zahl der Casinos

In der Schweiz wird der Casinoboom kritisch verfolgt. «Die Erträge an den Standorten Bad Ragaz und St.Gallen sind regelrecht eingebrochen», beklagte Hermann Bürgi, Präsident der Eidgenössischen Spielbankenkommission, im August im «Blick». Im katholisch geprägten Fürstentum wurde das seit 1949 bestehende Glückspielverbot erst 2009 aufgehoben. Das 2016 revidierte Geldspielgesetz enthält nun gelockerte Regeln: Neu entscheidet der Markt über die Zahl der Spielbanken in Liechtenstein und nicht mehr der Staat. 2017 eröffneten das Casino Admiral in Ruggell und das Casino in Schaanwald ihre Türen. Drei weitere Spielbanken in Balzers, Triesen und Bendern werden ihren Betrieb voraussichtlich bis Ende Jahr oder Anfang 2020 aufnehmen. In Schaan soll die Kugel ab Ende 2020 rollen.

«In der Bevölkerung ist die Angst vor einem ‹Klein Las Vegas› gross», schrieb das «Liechtensteiner Vaterland», die Parteizeitung der mitregierenden Vaterländischen Union. Die Freie Liste hat nun kürzlich eine parlamentarische Initiative eingereicht, bei der die derzeitige Geldspielabgabe von 17,5 bis 40 Prozent auf neu 27,5 bis 80 Prozent erhöht werden soll, «um so Druck auf den Markt auszuüben und einen Casino-Auswuchs zu vermeiden». Das Fazit der Partei: Regierung und Landtag hätten den Casinoboom unterschätzt. Sie seien zu blauäugig gewesen.

Im Liechtensteiner Parlament wurde vor einem möglichen Reputationsschaden aufgrund der hohen Casinodichte gewarnt. Die Rede war auch von «Goldeseln für Private», weil sich die bereits bestehenden Casinos einen Gewinn aufteilten, der gut einem Drittel von jenem der Liechtensteinischen Landesbank entspreche. Die Regierung rät von höheren Abgaben für Spielbanken ab, diese lägen heute in der Mitte zwischen den Abgabesätzen in der Schweiz und in Österreich. Sie glaubt nicht, dass die Reputation des Zwergstaats allein wegen der Zahl der Casinos leide. Auch die Spielsucht nehme durch ein grösseres Angebot nicht zu.

Langfristig werde der Markt darüber entscheiden, wie viele Casinos es in Liechtenstein geben werde. Die erhöhte Konkurrenz werde «zwingend zu einer sinkenden Rentabilität aller Spielbanken führen». Nun muss der Landtag darüber entscheiden, ob er die Casinos stärker zur Kasse bitten will.

Von der Privatklinik zum Casino

(cz) Über ein Jahr stand das Medicnova-Gebäude in Bendern leer. Die Landesregierung hatte es als eine von drei Varianten als neuen Standort für das Landesspital in Betracht gezogen, als im Mai bekannt wurde, dass ein Casino einziehen wird, wie Liechtensteiner Medien berichteten.

Die Grand Casino LI AG hat sich im vierstöckigen Gebäude eingemietet und will es in zwei Etappen umbauen, wie das Unternehmen letzte Woche ­mitteilte. Entstehen sollen ein Hotel, Gastronomie- und Casinobetrieb mit Fokus auf über­regionale und internationale Poker­turniere sowie Verwaltungs- und Büroflächen. Geplant sind acht Pokertische. In der ersten Bauetappe sollen im Erdgeschoss und im ersten Stock die Spielflächen und die Gastronomiebereiche mit 40 bis 60 Sitzplätzen, in der zweiten Etage ein Hotel mit 20 Doppelzimmern entstehen. Die Spielflächen sollen im Endausbau rund ein Viertel der Gesamtfläche einnehmen, wie es seitens der Firma heisst.

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