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Der Fürst, Snoop Dogg und Haiti: 14 Fragen und Antworten zu 300 Jahren Liechtenstein

Das Fürstentum Liechtenstein feiert dieses Jahr seinen 300. Geburtstag. Zeit für ein paar drängende Fragen rund um unser Nachbarland.
Katharina Brenner, Regula Weik
Illustration: Selina Buess

Illustration: Selina Buess

1. Was feiern die Liechtensteiner überhaupt?

Das reiche Fürstentum Liechtenstein begann arm. Es entstand 1719 aus der Zusammenführung zweier verschuldeter Grafschaften. Kaiser Karl VI. hatte einen Notverkauf angeordnet. Hans Adam I. von Liechtenstein kaufte das Land unter der Bedingung, dass er und seine Nachkommen Reichsfürsten mit Stimmrecht im Reichsfürstenrat werden. 300 Jahre zählt der kleine Staat inzwischen – und er feiert dies das ganze Jahr. Höhepunkt ist der Staatsfeiertag am 15. August.

2. Gibt es heute noch Arme im Fürstentum ?

Die Sozialhilfequote in Liechtenstein beträgt 2,7 Prozent – weniger als in der Schweiz (3,3 Prozent), mehr als im Kanton St. Gallen (2,2 Prozent). Es werden also gut 1000 der rund 38000 Einwohner Liechtensteins finanziell unterstützt.

3. Zahlt der Fürst Steuern?

Kein anderer Monarch in Europa hat so viel Macht wie der Liechtensteiner Fürst. Er kann die Ernennung von Richtern verhindern und jedes Gesetz kippen. 2012 lehnte es das Volk mit 76 Prozent ab, das Vetorecht des Fürsten zu beschränken. Steuern zahlt er nicht, sein Vermögen wird auf über vier Milliarden Franken geschätzt. Die LGT-Bank ist im Besitz des Fürstenhauses. Fürst Hans-Adam II., Jahrgang 1945, ist zwar Staatsoberhaupt. 2004 übertrug er die Regierungsgeschäfte aber seinem Sohn Erbprinz Alois.

4. Ist es möglich, einen Tag lang Fürst zu sein?

Die Schaaner Kommunikationsagentur «xnet» vermietet Dörfer in Deutschland, Österreich und der Schweiz für Firmenanlässe. Sie dekoriert Ortsschilder um, der lokale Musikverein spielt auf. Eine Zeit lang führte die Agentur auch Liechtenstein im Portfolio. 2010 wollte der Rapper Snoop Dogg das Land für eine Plattentaufe mieten. Geklappt hat es nicht. Auch in keinem anderen Fall. Sie hätten jeweils zu wenig Zimmer gefunden, heisst es bei «xnet».

5. Wie offen ist Liechtenstein?

Der viertkleinste Staat Europas begrenzt die Zahl der Zuzüger. Jedes Jahr erteilt das Fürstentum Bewilligungen für maximal 72 Personen aus dem Europäischen Wirtschaftsraum sowie 17 Schweizer. Bei vielen dieser Zuzüger kommt der Familiennachzug hinzu. 2017 betrug die Zahl der in Liechtenstein Beschäftigten 38600 – und überstieg damit erstmals diejenige der Bevölkerung.

6. Gibt es echte Liechtensteiner?

Frauen aus Liechtenstein müssen ihre Kinder seit 2014 im Ausland zur Welt bringen. Damals wurde die eigene Geburtenabteilung geschlossen – aus wirtschaftlichen Gründen. Nun ist die Frage wieder aktuell: Für 65 Millionen Franken soll ein neues Landesspital gebaut werden. Beschlossen ist noch nichts, das Parlament befindet erst über den Kredit. Rentabel dürfte eine Geburtenabteilung nach wie vor nicht sein – bei 200 fürstlichen Erdenbürger jährlich.

7. Warum zahlen Liechtensteiner mit Schweizer Franken?

Seit bald 100 Jahren ist der Schweizer Franken offizielle Währung im Fürstentum. Er löste die österreichische Krone ab, deren Wert nach dem ersten Weltkrieg zerfallen war. Liechtenstein orientierte sich damals zunehmend an der Schweiz: Wer Waren anbot, verlangte Franken. Der Zollvertrag von 1924 machte das Schweizer Geld offiziell zur Währung – mit grosser Zustimmung aus Bern.

8. Seit wann reden Frauen mit?

Das Stimm- und Wahlrecht für Frauen hat das Fürstentum noch später eingeführt als die Schweiz: 1984 mit 51,3 Prozent der Stimmen. Aktuell sitzen im 25-köpfigen Landtag drei Frauen.

9. Sind Liechtenstein und Haiti dasselbe Land?

Liechtenstein und Haiti hatten die gleiche blau-rote Flagge. Das stellten Liechtensteiner Sportler bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin fest. Ein Jahr später erhielt die Liechtensteiner Flagge den Fürstenhut.

10. Was suchen Tim und Struppi in Vaduz?

80 Jahre nach dem Original gibt es den Comic-Band «König Ottokars Zepter» seit kurzem auch in Liechtensteiner Dialekt. Tim und Struppi reden nicht einfach wie der Fürst. Liechtenstein zählt elf Gemeinden, jede hat einen etwas anderen Dialekt. Jede Person im Comic hat denn auch eine eigene Ausdrucksform, die Einheimische problemlos dieser oder jener Gemeinde zuordnen können.

11. Wer schützt das Fürstentum?

Seit 1868 hat Liechtenstein kein Militär mehr. Für die Sicherheit sind die gut 80 Polizisten der Landespolizei zuständig. Ausgebildet werden sie an der Polizeischule Ostschweiz in Amriswil. Haftstrafen verbüssen Liechtensteiner in Österreich. Liechtenstein kennt auch keine Angst vor fremden Richtern. Ob Straftat oder Scheidung: Im Fürstentum fällen auch Juristen aus der Schweiz und Österreich Entscheide – seit Jahrzehnten.

12. Warum baut der Bischof sein eigenes Grab?

Erst vor gut 20 Jahren schuf der Papst das Erzbistum Vaduz. Und aus der Pfarrkirche St. Florin wurde eine Kathedrale. Unter der Empore lässt Bischof Wolfgang Haas für 130000 Franken eine Gruft graben – für sich und seine beiden Nachfolger.

13. Wo fährt es sich exklusiv?

Im Fürstentum gilt innerorts Tempo 50 – mit einer Ausnahme: In Planken, der kleinsten Gemeinde, beträgt die erlaubte Höchstgeschwindigkeit 40. Das gefällt dem Amt für Bau und Infrastruktur nicht; der Streit dauert inzwischen bereits sieben Jahre. Nun schöpft Planken erneut Hoffnung: Das Strassenverkehrsgesetz wird revidiert. Da wäre doch «generell Tempo 40» möglich – exklusiv für Planken.

14. Sind Liechtensteiner geizig?

1,2 Millionen Franken hat das Fürstentum im Jubiläumsjahr bereits gespart: So teuer wäre eine 240 Meter lange Hängebrücke unterhalb des Drei-Schwestern-Massivs zu stehen gekommen. Etwas gar viel Geld dachte sich wohl mancher, das Projekt scheiterte. Die symbolische Verbindung der beiden Wahlkreise Unterland und Oberland gibt es also nicht. Nun muss das Fürstentum die Zusammengehörigkeit eben anders bekräftigen.

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