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Für Wasservögel wird es kritisch

Von einer Katastrophe wollen Ornithologen zwar noch nicht sprechen, die Kälte wird für die Wasservögel am Bodensee aber immer bedrohlicher. Auf gefrorenen Wiesen finden sie keine Nahrung mehr, und ihre Fettreserven gehen zur Neige.
Gernot Grabher
Brachvögel finden mit ihren langen Stocherschnäbeln nur dann Futter in den Wiesen, wenn der Boden nicht zugefroren ist. (Bild: Gernot Grabher)

Brachvögel finden mit ihren langen Stocherschnäbeln nur dann Futter in den Wiesen, wenn der Boden nicht zugefroren ist. (Bild: Gernot Grabher)

Hält die Kälte in der Region an, sind bald alle Nahrungsquellen der Wasservögel gekappt. «Was dann kommt, wissen wir auch nicht», sagt Harald Jacoby vom Ornithologischen Arbeitskreis Bodensee in Konstanz. «Die Vögel sind angepasst und können ein paar karge Tage ohne Nahrung überstehen», erklärt der Vorarlberger Vogelkenner Alwin Schönenberger, «bisher konnten sie ausweichen.»

Brachvögel ziehen ab

Die Brachvögel etwa, die in den letzten Wochen noch in einem Schwarm von über 100 Exemplaren im Rheindelta zu sehen waren, sind abzogen. Die Flachwasserzonen sind von einer Eisschicht bedeckt, die Wiesen zu tief gefroren, als dass die Vögel darin mit ihren langen Schnäbeln noch nach Futter stochern könnten. «Zuerst sind sie auf die seenahen Wiesen im Thurgau ausgewichen, weil es dort milder war», sagt Schönenberger. Nun mussten sie an den Untersee und den Seerhein weiterziehen, wo es am fliessenden Wasser noch offene Schlickflächen zur Nahrungssuche gibt, sagt der Vogelkenner über die Überlebensstrategie der Vögel. Besser geht es Möwen, Enten, Blesshühnern und Schwänen, die von Vogelfreunden mit Brot durchgefüttert werden.

Festgefrorene Schwäne

Kritisch wird es für die meist scheuen Arten, die auf Uferzonen mit geringer Wassertiefe angewiesen sind. Diese Randgebiete am See sind von einer zunehmend breiter werdenden Eisschicht bedeckt, nach Nahrung zu tauchen ist den Vögeln nicht mehr möglich. «Alarmierende Meldungen gibt es aber bisher nicht, sieht man von einigen festgefrorenen Schwänen ab», hält Harald Jacoby fest. Weniger Probleme haben die Singschwäne, sie weiden weiterhin auf Wiesen mit dünner Schneedecke Gras ab. Heuer sei der Zuzug der Singschwäne – meist Wintergäste aus dem Baltikum – geringer als letztes Jahr. «Es kann aber sein, dass viele noch kommen, wenn die Ostsee zufriert», vermuten Ornithologen.

Südeuropa ist auch kalt

Trotz der klirrenden Kälte am Bodensee beobachten Experten die Situation der Vögel am Bodensee mit Sorge. Es könnte nämlich dramatisch werden, wenn die tiefen Temperaturen nicht nachlassen. Die meisten Vögel haben eine Körpertemperatur knapp über 40 Grad, die nur in der Nacht gering absinken kann. Diese Temperatur aufrecht erhalten können die Tiere nur dann, wenn sie genügend Nahrung finden oder über Fettreserven verfügen. Weiter in den Süden zu entfliehen wäre normalerweise kein Problem – auch Wasservögel können mehrere hundert Kilometer ohne Stop zurücklegen. Ob sie das retten würde, ist anzuzweifeln. Die Mittelmeerküste bietet zwar noch offenes Wasser, aber auch grosse Gebiete Südeuropas halten nur Kälte und eine dicke Schneedecke bereit.

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