Für Wanderer und Geniesser

GOSSAU. Wir hatten vermutet, das Restaurant «Henessenmühle» sei dort zu finden, wo sich Fuchs und Has gute Nacht sagen.

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Wir hatten vermutet, das Restaurant «Henessenmühle» sei dort zu finden, wo sich Fuchs und Has gute Nacht sagen. Als in der stockdunklen Nacht die hell erleuchteten Fensterchen eines mächtigen Gehöfts auftauchen, atmen wir dennoch auf: Das Wirtshausschild können wir nicht entziffern, doch es muss die Henessenmühle sein, direkt an der Grenze zwischen Gossau und Niederbüren gelegen.

Ein Haus mit Geschichte

Drinnen empfängt uns die Wärme eines alten Holzhauses (eine ehemalige Sust, Baujahr um 1200) mit zahlreichen kleinen Stuben und Sälen. Im kleinen, etwas düsteren A-la-carte-Restaurant sind wir zwar die einzigen Gäste – im Nebenraum lässt sich eine vergnügte Gesellschaft vernehmen –, aber die Freundlichkeit des Serviceteams nimmt uns jede Befangenheit. Wunderbare Düfte aus der Küche lassen uns rasch zur Menukarte greifen: Herbstliche Genüsse wie Wild, Kürbis und Pilze locken. «Meine saisonale Küche mit regionalen Produkten – soweit möglich – soll alle Leute ansprechen, Wanderer und Velofahrer ebenso wie Geniesser», sagt Markus Gabele, gelernter Koch und Conditor. Er stand zuvor im «Real» in Vaduz in der Küche und wirtet in der Mühle seit acht Jahren.

Wir folgen der Empfehlung von Chef de Service Selina Widmer, die ebenfalls gelernter Koch ist, und wählen das Henessen-Menu (Viergänger 73.–): Bunter Herbstsalat mit sautiertem Rohschinken und Pilzen zum Auftakt, dann Kürbiscrème-Suppe mit caramelisierten Kürbiskernen. Als Hauptgang Rehrücken mit Baumnuss-Kruste, Mascarpone-Polenta und Gemüsebeilage. Zum Abschluss freuen wir uns auf einen Feigengratin mit Sauerrahm-Glace.

Der Partnerin steht heute der Sinn nach Fisch, sie wählt nach dem Herbstsalat (12.–) ein Red-Snapper-Filet in Kartoffelkruste auf Lauchgratin (36.–) – und bereut nicht. Der butterzarte Fisch ohne starken Eigengeschmack harmoniert bestens mit seiner krustigen Hülle und dem gut gewürzten Gratin. Auch der Tischnachbar lobt die Suppe (fein abgeschmeckt, die Portion fast zu reichhaltig), das Wild (zart und nussig), die Reduktion (comme il faut). Auch das Dessert überzeugt. Die gefüllte Kalbsroulade mit würzigem Chorizo, Rosmarin-Jus und feinen Nudeln (42.–) wäre eine ebenso gute Wahl gewesen wie das gebratene Zanderfilet auf Pampa pomodore mit Frühlingszwiebeln und Salzkartoffeln (38.–).

Gereifte Bordeaux

Für den Weinkeller kauft Selina Widmer nach eigenen Präferenzen ein. Den Schwerpunkt legt sie auf Italiener, Spanier und Franzosen sowie auf einige Schweizer und Übersee-Weine. Nach einem Glas Pinot Grigio von Ronchi di Manzano aus dem Friaul (7.–/dl) freuen wir uns auf eine Trouvaille: einen 1990er Cru Bourgeois von Château St-Saturnin aus dem Médoc (69.–), herrlich gereift, wunderbar erdig, aber trotzdem noch längst nicht altersschwach. Und ausserdem zu einem Preis, der erstaunt.

Unser Eindruck: Markus Gabele

pflegt ein kleines, feines Angebot. Der Service verbindet Freundlichkeit, Professionalität und Diskretion auf eine kaum zu übertreffende Weise.

Sybil Jacoby

Henessenmühle, Gossau Markus Gabele (Küchenchef) und Selina Widmer. Tel. 071 385 15 09. www.henessenmuehle-gossau.ch Öffnungszeiten: täglich ausser Dienstag und Mittwoch. Herbstferien bis und mit 29. Oktober. Reservation ratsam. Karte: Vorspeisen 12.– bis 17.–, Hauptgänge 36.– bis 42.–.

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