Für Hochwasser gewappnet

In den vergangenen fünf Jahren ist der Hochwasserschutz im Linthgebiet umfassend erneuert worden. Das Projekt kostete 126 Millionen Franken. Am Samstag in einer Woche wird der Abschluss des Projekts mit einem Volksfest gewürdigt.

Marc Allemann
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Das Projekt ist abgeschlossen: Der Linthkanal wurde vollständig saniert und renaturiert. (Bild: pd)

Das Projekt ist abgeschlossen: Der Linthkanal wurde vollständig saniert und renaturiert. (Bild: pd)

BENKEN. Beim St. Galler Bauchef Willi Haag überwiegt der Stolz über das neu geschaffene Werk, als er in Benken eine Schlussbilanz zur Sanierung des Linthwerks zieht. Alle wichtigen Ziele des Projekts seien termingerecht erreicht und das Budget eingehalten worden, sagt Willi Haag. Und Linthingenieur Markus Jud, der das Vorhaben seit seinen Anfängen begleitet, strahlt vor allem eine Emotion aus: Erleichterung.

Erleichtert ist der Linthingenieur, weil nach 15 Jahren Arbeit das Projekt «Hochwasserschutz Linth 2000» nun kurz vor dem Abschluss steht. Allein für die Planungsphase wurden zehn Jahre benötigt. Grund dafür waren vor allem die zahlreichen Einsprachen, die teilweise vor Bundesgericht endeten.

Dämme wurden verstärkt

Seit dem Spatenstich in Mollis im Herbst 2008 wurden die 200 Jahre alten Dämme des Escher- und des Linthkanals verstärkt. Ausserdem wurden Vorkehrungen gegen Dammbrüche getroffen. Für den Fall eines extremen Hochwassers wurde die Dammkrone am Escherkanal an einer Stelle abgesenkt, um das Wasser über renaturiertes Ufergebiet in den Walensee abzuleiten. Im Hänggelgiessen bei Weesen kann das Wasser über den ausgebauten Rechten Hintergraben zum oberen Zürichsee gelenkt werden. Die Linthebene ist dank diesem Wehr für ein Hochwasser gewappnet.

«Die Bevölkerung musste viel Geduld aufbringen und teilweise leiden», sagt Willi Haag. Doch die Sanierung gewährleiste Schutz vor Hochwasserereignissen, wie sie 1999 und 2005 stattfanden. Der Glarner Regierungsrat Robert Marti zieht eine positive Bilanz zur Sanierung des Escherkanals: «Die ersten Hochwasser hat er 2011 und 2012 bereits überlebt.»

«Natur soll sich entfalten»

Mit der Sanierung wurde auch ein Stück Natur wieder zurück in die Linthebene gebracht. Im Kundertriet, im Chli Gäsitschachen und im Hänggelgiessen wurden Naturbereiche gestaltet. «Die Natur soll sich entfalten können», so Markus Jud.

Auch der Mensch darf die Renaturierung und das Ende der langjährigen Bauarbeiten geniessen. Zahlreiche Orientierungs- und Informationstafeln werden derzeit auf den Dammwegen installiert. Ausserdem werden auf acht Bunkern, welche am Linth- und Escherkanal liegen, Fotografien aufgetragen oder Aussichtsplattformen installiert. 50 neue Sitzbänke wurden aufgestellt. Das Linthwerk soll gemäss der Linthkommission ein «harmonisches Zusammenleben von Natur und Mensch» ermöglichen. Die Regeln seien zu respektieren. So müssen Hunde an der Leine geführt werden, und Naturschutzgebiete dürfen nicht betreten werden. Derzeit ist kein Rangerdienst geplant. Laut Linthingenieur Markus Jud werden voraussichtlich aber Fischerei- und Jagdaufseher Kontrollen durchführen.

Monitoring und Erfolgskontrolle

Auch wenn die Sanierungsarbeiten abgeschlossen seien, «das Linthwerk ist nie fertig», sagt Markus Jud. Derzeit würden noch Dämme ausnivelliert und Zufahrtsstrassen instand gestellt. Ausserdem müssen noch Parkplätze geschaffen werden, und die umfangreiche Signalisation ist noch nicht fertig.

Die laufenden Veränderungen am Escher- und am Linthkanal werden weiterhin beobachtet und dokumentiert. Nach jedem grösseren Hochwasser soll das Linthwerk überprüft werden. Auch Grundwasser, Vegetation und seltene Tierarten müssen überwacht werden. Das Monitoring und die Erfolgskontrolle kosten insgesamt rund 1,2 Millionen Franken.

Die Renaturierung des Linthkanals scheint schon Früchte zu tragen. An den Flachufern konnten Jungfischschwärme gesichtet werden. Erstmals wurden Barbenbrütlinge in grosser Zahl festgestellt. Im Rechten Hintergraben wurden 21 Fischarten registriert, darunter eine grosse Population des sehr seltenen Bahnenauges.