Für 5000 Franken Bier gekauft

Der Titel «FuckUp Night» klingt eigentlich nach wunderbarem Trash, vielleicht nach einer Zelebration des Scheiterns, im Idealfall nach einer ironischen Selbstzerfleischung. Die Erwartungen beim ersten Unternehmer-Event dieser Art im Kugl St. Gallen sind entsprechend fiebrig.

Michael Hasler
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Samuel Steiner am Mikrophon an der ersten «FuckUp Night» im Kugl in St. Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Samuel Steiner am Mikrophon an der ersten «FuckUp Night» im Kugl in St. Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Der Titel «FuckUp Night» klingt eigentlich nach wunderbarem Trash, vielleicht nach einer Zelebration des Scheiterns, im Idealfall nach einer ironischen Selbstzerfleischung. Die Erwartungen beim ersten Unternehmer-Event dieser Art im Kugl St. Gallen sind entsprechend fiebrig. Dies, weil das Format seit seinem Start in Mexiko einen kaum für möglich gehaltenen Expansionskurs durch 42 Länder und 130 Städte genommen hat. In St. Gallen ist es der umtriebige Coworking-Space-Anbieter Claudius Krucker, der die FuckUp Night nach St. Gallen geholt hat.

Zum Start eine Rückkopplung

Etwa 50 Interessierte lassen sich am Mittwochabend auf das Experiment ein, das in St. Gallen idealerweise in Quartalsabständen fix installiert werden soll. Das Publikum ist durchmischt, alternative Casual-Kleidung trifft auf die nimmermüden HSG-Blauhemden.

Der Abend startet ungewollt mit einem klassischen FuckUp, als ein gefühlt hundert Dezibel starkes Mikrophon-Feedback die Gehörgänge vorübergehend lähmt. Inhaltlich sind zunächst drei Input-Referate geplant.

60 000 Franken Schulden

Den Start macht Vincenzo Neidhardt aus Uzwil, der mit seinem Start-up-Unternehmen «Garasch Musig» erst Achtungserfolge in der Musikbranche und Künstlervermittlung feierte, dann aber seine Firma wegen fehlender Planung und finaler Grobverschuldung von 60 000 Franken gründlich in den Graben fuhr. Nicht uninteressant, aber auch nicht gerade eine Ode ans Scheitern, denkt sich der Beobachter. Als Neidhardt auch noch die üblichen rückblickenden Reflexionen vorbetet (etwa «härter werden»), ist der Spassfaktor erstmal etwas gekillt.

Lieferdienst ohne Businessplan

Etwas launiger wird der Abend mit Samuel Steiner, der mit seinem Bierlieferdienst «Peter bringt's» in der Ostschweiz vor allem medial Aufsehen erregte. Lustig, dass die Gründung an einer Party passierte, an der sich drei bis dato Unbekannte entschieden, für 5000 Franken Bier zu kaufen und dieses an drei Wochentagen in Häuser, Wohnungen und Studi-WGs zu liefern. Steiner ironisch: «Die Idee war gut, aber nach einigen Monaten merkten wir, dass wir alle von St. Gallen wegziehen würden, das hat der Idee nicht eben gedient.» Und süffisant-selbstkritisch: «An der Uni habe ich den Studenten geholfen, Businesspläne zu schreiben, in meinem eigenen Unternehmen habe ich das selbstverständlich nicht getan.» Den Höhepunkt erreicht der Abend mit dem Referat von Markus Kuhn, der zusammen mit einem Programmier-Wunderkind eine «intelligente digitale Adressbuch-Abgleichungslösung» erarbeiten wollte. Kuhn spricht von Angels (Investoren) und Inkubatoren (Starthilfe für Jungunternehmen), von Funding, also Geldbeschaffung, und man spürt, dass sich hier einer seit längerem im Jungunternehmer-Biotop bewegt. Auch das ist vielleicht nicht irre witzig, aber geistig anregend. Und eine gute Ausgangslage für die nun folgende Fachdiskussion. Diese schliesst den Zuschauer zwar nicht aus, aber auch nicht zwingend ein. Etwas gewagte Musik und etwas mehr Trash könnte aus der intelligent arrangierten Jungunternehmernacht eine kultige FuckUp-Geschichte machen.

Gescheiterte Unternehmen im Rampenlicht: Samuel Steiner berichtet an der ersten St. Galler FuckUp Night von einer Bier-Idee im wörtlichen Sinn. (Bild: Hanspeter Schiess)

Gescheiterte Unternehmen im Rampenlicht: Samuel Steiner berichtet an der ersten St. Galler FuckUp Night von einer Bier-Idee im wörtlichen Sinn. (Bild: Hanspeter Schiess)