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FRONTIFY: Spielend an die Weltspitze

Das St. Galler IT-Start-up hat grössere Büros bezogen. Wenn Frontify aber weiter so schnell wächst, könnte es auch hier bald eng werden. Kunden wie die Lufthansa oder Vodafone warten.
Kaspar Enz
Der Pingpongtisch bietet willkommene Abwechslung von der Bildschirmarbeit, auch für CEO Andreas Fischler (2. von rechts). (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 13. März 2018))

Der Pingpongtisch bietet willkommene Abwechslung von der Bildschirmarbeit, auch für CEO Andreas Fischler (2. von rechts). (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 13. März 2018))

Kaspar Enz

kaspar.enz@ostschweiz-am-sonntag.ch

Auf den Beizentischen neben der Küche stehen Früchteschalen, auf der Wandtafel dahinter ein paar Kritzeleien. Auf dem Sessel am Fenster sitzt jemand mit einem Laptop, die Beine auf dem Sims. Hinter einer Wand samt Monitor für Videospiele spielen ein paar Leute Pingpong. Auf den ersten Blick könnte das ein gut aufgeräumter Gemeinschaftsraum einer Jugendherberge sein. Doch es ist die Zentrale eines Weltmarktführers. Anfang Jahr zog das St. Galler Start-up Fron­tify hier ein.

«Wir verbringen einen Drittel unseres Lebens am Arbeitsplatz», sagt Geschäftsführer Andreas Fischler. «Deshalb soll er sich auch so anfühlen wie ein Raum zum Leben.» Ob er am Schreibtisch arbeitet oder im Zug auf dem Weg zum Kunden, oder mal eine halbe Stunde Pingpong spielt: Arbeit werde nicht dadurch gut, dass sie anstrengend ist und möglichst lange dauert, sagt Fischler, im Gegenteil. «Es braucht Freiräume, um gute Arbeit zu leisten.» Gerade wenn es um kreative Arbeit gehe. «Ich bin zwar der Chef, aber ich bin nicht der Letzte der geht. Ich will auch Zeit mit meiner Familie verbringen.» Fünf Wochen Ferien sind Pflicht, mindestens. Das brauche es, denn trotz Pingpongtisch und Freiraum: «Die Arbeit ist auch bei uns nicht nur lustig.»

Trotzdem verzichtet Frontify auf Regelwerke, in denen steht, was die Mitarbeiter zu tun und zu lassen haben. «Unsere Kultur baut auf gegenseitigem Vertrauen auf», sagt Fischler. «Wir arbeiten selbstverantwortlich und effizient.» Diese Kultur beizubehalten sei sehr wichtig. «Wir investieren viel Zeit in die Rekrutierung neuer Mitarbeiter», sagt Personalchef Adrien Fernandez. «Jeder Neue muss die Kultur ­stärken.»

Schnelles Wachstum

Das geschieht im Moment oft. Frontify wächst rasant, dabei ist das Unternehmen noch sehr jung. Im Frühling 2013 gründete es Roger Dudler, der vorher bei Namics arbeitete. Doodle-Gründer Myke Näf gehörte zu den ­ersten Investoren. Nach einigen Testversionen war das Produkt Ende 2014 so weit gediehen, dass Frontify von den ersten Kunden Geld verlangen konnte.

Was das St. Galler Start-up anzubieten hat, scheint wenig spektakulär. Es ist im Grunde ein Ordner in der Cloud. Aber damit löst es ein Problem, das das Kernteam aus Erfahrung kennt. Wie der Gründer arbeitete auch CEO Andreas Fischer lange bei der Digital-Agentur Namics. Um die Webauftritte der Kunden zu erstellen, brauchte auch Fischler Logos, Bilder, Textelemente und die Regeln, wie sie verwendet werden sollten: das Corporate Design eines Unternehmens. «Doch wenn wir danach fragten, hatten wir oft nur ein PDF, das oft nicht mal aktuell war. Dann muss man noch den einzelnen Dateien nachrennen.» Was auf beiden Seiten unnötig Zeit vergeudet. So baute Frontify ein System, das alles immer aktuell in der Cloud bereithält. «Wir waren nicht die Ersten, die das Problem erkannten», sagt Fischler. «Aber scheinbar die Ersten, die eine benutzerfreundliche Lösung hatten.»

Preise und Grosskunden

Und so ging es aufwärts. Als Frontify 2016 als siebenköpfiges Team den Jungunternehmerpreis Startfeld Diamant gewann, hatte Frontify bereits 75000 Nutzer. Darunter die Mitarbeiter von Lufthansa oder Vodafone. Seither wuchs das Unternehmen rasant weiter. Die Liste prominenter Kunden wird immer länger: die Lastwagenbauer MAN, ProSieben-Sat.1. Und auch die Software hat sich weiterentwickelt.

Da Frontify schon weit verbreitet ist, stösst schnell auf die St. Galler, wer entsprechende ­Angebote googelt, auch wenn es schon Nachahmer gibt. «So lange wir qualitativ das beste Angebot haben, bleiben wir vorne», ist Fischler überzeugt. Einfache Versionen sind auch für kleine Unternehmen erschwinglich. Grösseren Kunden schneidert Frontify ihre Lösung auf den Leib. «Wir besuchen oft Kunden auf der ganzen Welt.» Um das zu verein­fachen, gibt es schon ein Büro in Frankfurt. Und den Kunden in Übersee soll bald eine Niederlassung in den USA helfen können.

Die Zentrale soll aber in St. Gallen bleiben. «Für uns ist die Ostschweiz ein spannender Arbeitsmarkt», sagt Fischler. Zwar seien Programmierer auch hier rar, «aber unser Arbeitsumfeld kann hier sonst fast niemand bieten.» Und Mitarbeiter sucht man nicht nur in der Ostschweiz. «Bei uns sind viele Nationen vertreten.» Nicht nur der Webauftritt ist ausschliesslich in Englisch, auch an den Sitzungen wird Englisch gesprochen. Das einzige Problem? Der Platz. Noch hat es auf den drei frisch bezogenen Stockwerken Platz für ein paar Stühle und Tische mehr. «Aber letztes Jahr wuchsen wir um über 300 Prozent.» Und selbst wenn es dieses Jahr etwas weniger schnell geht, «Ende Jahr könnten wir doppelt so viele Leute sein», sagt Fischler: über 70 statt 40. «Dann wird es wieder eng. Ein Stockwerk unter uns wäre noch frei. Vielleicht müssen wir das noch zumieten.» Sonst muss der Pingpongtisch vielleicht schon bald wieder eine neue Bleibe finden.

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