Freude in Sargans und Altstätten

Das St. Galler Bildungsdepartement hat die neue Schulkreiseinteilung der Berufsfachschulen definitiv beschlossen. Dabei verzichtet es aufgrund der Anhörung auf umstrittene Massnahmen an den Standorten Sargans und Altstätten.

Marcel Elsener
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Die Sarganserländer dürfen sich nun über die Wirkung ihrer politisch breit abgestützten Petition für den Erhalt des regionalen KV-Standorts freuen. (Bild: Regina Kühne)

Die Sarganserländer dürfen sich nun über die Wirkung ihrer politisch breit abgestützten Petition für den Erhalt des regionalen KV-Standorts freuen. (Bild: Regina Kühne)

ST. GALLEN. Was im Sarganserland seit neun Jahrzehnten selbstverständlich war, nämlich eine regionale Kaufmännische Berufsschule, hätte nach den Plänen des Kantons aufgehoben werden sollen. Dagegen erwuchs ein derart breit verankerter Widerstand mit politischen Interventionen und einer Petition mit über 16 000 Unterschriften, dass die Bildungsdirektion zurückkrebsen musste: Sie verzichtet auf die Massnahme und hält am Unterricht für KV-Klassen am Berufsschulzentrum Sarganserland fest.

Die Lehrlinge im E-Profil – voraussichtlich weiterhin zwei Klassen pro Jahr – werden ab Schuljahr 2013/14 allerdings wie von der Schule beantragt nicht mehr in Walenstadt, sondern am Standort Sargans beschult. Im gleichen Zug wird auf die «Kompensationsmassnahmen» verzichtet, sprich die Coiffeusen gehen weiterhin in Buchs zur Schule und das Einzugsgebiet des BZSL für Berufe des Gesundheitswesens sowie des Detailhandels wird nicht erweitert. Die Zugeständnisse an das Sarganserland sind mit Auflagen verbunden: So hat sich das BZSL bezüglich Lehrmittel, Lehrplan und Schulorganisation nach den Vorgaben des Kompetenzzentrums am BZ Buchs auszurichten, damit die Lernenden bei einem Profil- und demnach Schulwechsel nicht benachteiligt werden.

Nicht gegen den Volkswillen

Es mache «keinen Sinn, einen Entscheid gegen alle Betroffenen und gegen den Volkswillen» durchzusetzen, sagte Bildungsdirektor Stefan Kölliker gestern vor den Medien. Die Interventionen hätten in Sargans das nötige Gewicht gehabt, um Entscheide zurückzuziehen; «deshalb gibt es ja eine Anhörung, sonst wäre sie eine Alibiübung», meinte Kölliker.

Im Sarganserland wurde die Nachricht allseits mit dankbarer Freude aufgenommen. Der Präsident der Talgemeinschaft Sarganserland-Walensee, Guido Städler, sprach von einem «staatspolitisch wichtigen Entscheid» für die Region und ihre Jugend. Man werde nach diesem Erfolg auch «in Zukunft Wegnahmegelüste im Schul-, Spital- und anderen Bereichen verfolgen». CVP-Kantonsrat David Imper, die politisch treibende Kraft für den Erhalt des KV im Sarganserland, zeigte sich ebenfalls erfreut. Er erinnerte gegenüber dem «Sarganserländer» aber daran, dass mit dem Broderhaus und dem Sozialjahr zwei wichtige Brückenangebote beim BZSL gestrichen würden.

Eine zweite «Korrektur» machte das Bildungsdepartement bei den medizinischen Praxisassistentinnen in Altstätten: Die dortige Schule wird nicht aufgegeben, weil sich insbesondere die Ärzteschaft dagegen gewehrt hatte. Man wolle verhindern, dass weniger Jugendliche diesen Beruf ergreifen oder zu Privatschulen abwandern würden, begründete Ruedi Giezendanner, Leiter Amt für Berufsbildung, den Entscheid.

St. Gallen verliert Autoberufe

Von anderen Interventionen gegen die neuen Schulzuweisungen liess man sich beim Kanton nicht umstimmen. So hält man die vom St. Galler Autogewerbeverband kritisierte Verlegung der Mechatroniker-Klasse vom GBS St. Gallen nach Wil für vertretbar; der Beruf ist ein Beispiel für rückläufige Lehrlingszahlen, die ebenso zu berücksichtigen waren wie demographische Entwicklungen. Kölliker sprach von einem langen und komplexen Prozess, der nun mit einem «ausgewogenen Konzept» mit «massvoll austarierten Gewinnern und Verlierern» abgeschlossen werde. Dabei gelte das Prinzip: «Man gibt etwas, man erhält etwas» – wenn etwa Ingenieurzeichner nicht mehr in Buchs und Rapperswil, sondern nur noch in St. Gallen oder Elektroinstallateure nicht länger auch in Wil beschult werden, andererseits die boomenden Gesundheitsberufe einen dritten Standort in Lichtensteig erhalten.

Mit der ersten umfassenden Schulkreiseinteilung seit 2005 habe man vielfältigste Ansprüche der Schulen und der Wirtschaft berücksichtigen und mehrere politische Einflüsse unter einen Hut bringen müssen, sagte Kölliker. Dazu gehören auch Vorgaben des Sparpakets II: Namentlich mit der Kürzung von sieben Klassen und also rund 700 000 Franken Lohnkosten sowie Reisezeiteinsparungen resultieren Einsparungen von gegen 1,2 Millionen Franken.

Dafür habe man «Schlimmeres wie Schulschliessungen verhindern» können und die Berufsfachschulen «für die Zukunft gesichert», sagte der Bildungsdirektor: «Einzelne Standorte in Frage zu stellen, ist für mich in den nächsten Jahren absolut tabu.»