Fremdstimmen in der St.Galler Kantonsratswahl: Rheintaler punkten ausserhalb der Partei

In der St.Galler Kantonsratswahl haben Grüne und Grünliberale viele parteifremde Stimmen geholt. Auch das Rheintal fällt auf.

Adrian Vögele
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Blick ins St. Galler Kantonsparlament: Bei den Wahlen am 8. März haben manche Kandidaten besonders stark über die eigene Parteibasis hinaus mobilisiert.

Blick ins St. Galler Kantonsparlament: Bei den Wahlen am 8. März haben manche Kandidaten besonders stark über die eigene Parteibasis hinaus mobilisiert.

Regina Kühne

Altstätten wird allmählich zur kantonalen Hochburg der Panaschierkönige: Bei den eidgenössischen Wahlen im vergangenen Herbst erzielte der Bauernpräsident und ehemalige Stadtrat Markus Ritter (CVP) einmal mehr den höchsten Anteil an Stimmen von Listen anderer Parteien: 34,7 Prozent. Als am vergangenen Sonntag nun das Kantonsparlament neu gewählt wurde, hatte der parteilose, GLP-nahe Altstätter Stadtpräsident Ruedi Mattle die kantonsweit grösste Unterstützung ausserhalb der eigenen Partei: 47 Prozent, also fast die Hälfte seiner Stimmen, holte er in anderen Lagern. Mit 19 Prozent fielen dabei die CVP-Wähler am stärksten ins Gewicht, gefolgt von SVP (10 Prozent) und FDP (8 Prozent).

Fünf gewählte Kantonsräte erreichen einen Fremdstimmenanteil von über 40 Prozent (siehe Grafik). Dazu gehört auch der Grüne Meinrad Gschwend, ebenfalls ehemaliger Altstätter Stadtrat. Bei ihm fielen vor allem die Stimmen von SP- und CVP-Listen ins Gewicht, mit je 13 Prozent. Selbst bei der SVP holte Gschwend noch fast 200 Stimmen (4 Prozent).

Lüthi erhielt 14 Prozent Stimmen aus SP-Kreisen

Dass die Grünliberalen über die eigene Partei hinaus punkten können, bewies auch die St. Galler Stadträtin Sonja Lüthi. In absoluten Zahlen hat sie von allen Kandidaten am meisten Panaschierstimmen erzielt: 2573, bei einem Gesamtresultat von 6103 Stimmen. Anders als Ruedi Mattle punktete Lüthi aber vorab bei SP-Wählern (14 Prozent). Die nächstgrössten Stimmenanteile steuerten CVP und Grüne mit je 9 Prozent bei.

Über seine Partei hinaus beliebt ist auch Hans Oppliger (EVP) aus Frümsen. Er hatte dem Kantonsrat bereits von 2002 bis 2016 angehört und schafft nun die Rückkehr ins Parlament, nicht zuletzt dank der parteifremden Stimmen. So trugen FDP-Wähler 14 Prozent bei, 9 Prozent kamen von der SVP – die nun im Wahlkreis Werdenberg einen Sitz an Oppliger und die EVP verliert.

FDP-Quereinsteigerin überholt Bisherige

Im Rheintal hat nebst Mattle auch Claudia Graf (FDP) viele Stimmen auf fremden Listen erzielt. Sie ist zwar politische Quereinsteigerin, aber als Geschäftsführerin der Brauerei Sonnenbräu in der Region sehr bekannt. Die Rebsteinerin holte gar mehr Stimmen als die beiden bisherigen Rheintaler FDP-Kantonsräte Stefan Britschgi und Rolf Huber. Grafs parteifremde Stimmen kamen vor allem aus der Wählerschaft der SVP (16 Prozent) und CVP (15 Prozent). Weit vorne auf der Panaschier-Rangliste ist auch Peter Hüppi (SP), Gemeindepräsident von Gommiswald. Er erhielt 16 Prozent seiner Stimmen von CVP-Listen, 9 Prozent von den Grünen, 6 Prozent von SVP-Wählern.

Wie bereits bei den eidgenössischen Wahlen zeigt sich auch diesmal: Bei der SVP haben die allermeisten Kandidatinnen und Kandidaten Mühe, über die eigene Parteibasis hinaus zu mobilisieren. Von allen gewählten St.Galler SVP-Kantonsräten am breitesten abgestützt ist Fraktionschef Michael Götte aus Tübach. Er erzielte 17 Prozent parteifremde Stimmen, davon 7 Prozent auf FDP-Listen und 6 Prozent auf CVP-Listen. Am wenigsten Fremdstimmen holte Max Luterbacher (SVP, Steinach) – 3 Prozent.