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FREMDE TIERE: Ausgesetzt und eingewandert

In unseren Gewässern kommen immer wieder fremde Schildkröten vor. Noch stellen sie keine Bedrohung fürs Ökosystem dar. Dass die einheimische Sumpfschildkröte ausgestorben ist, liegt vielmehr an uns.
Donat Beerli
Beliebtes Importgut: Eine Gelbwangenschildkröte, die ursprünglich aus Nordamerika stammt. (Bild: PD)

Beliebtes Importgut: Eine Gelbwangenschildkröte, die ursprünglich aus Nordamerika stammt. (Bild: PD)

Donat Beerli

donat.beerli

@thurgauerzeitung.ch

Die Freude an exotischen Schildkröten ist vergänglich. Wenn die nordamerikanischen oder asiatischen Reptilien dem hiesigen Halter zu viel werden, entledigt er sich ihrer im nächstgelegenen Fluss oder Weiher. Natürlich illegal, denn die Aussetzung fremder Lebewesen ist – ob Goldfisch oder Schildkröte – nicht erlaubt. Auch im Thurgau werden immer wieder Panzerträger ausgesetzt, doch nur die wenigsten Fälle gelangen an die Öffentlichkeit. Wenn, dann heisst es meist: «Die fremden Schildkröten nehmen den Einheimischen den Lebensraum weg.»

Andreas Meyer, Leiter im Fachbereich Reptilien bei der Schweizer Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz (Karch), relativiert: «Die Schildkröten verursachen in der aktuellen Bestandesdichte wahrscheinlich keine gravierenden Probleme im Ökosystem.» Er sagt aber auch: Man habe in der Schweiz bisher das Glück, dass sich diese nicht fortpflanzten. «Nicht wie in Südeuropa und Griechenland, wo die heimischen Arten in Bedrängnis geraten.» Laut Meyer könnten die Tiere im Verlauf der Jahre oder Jahrzehnte wieder verschwinden – vorausgesetzt, keine neuen Tiere gelangen in die Natur. «Auf jeden Fall sind sie heute keine direkte Bedrohung oder Konkurrenz für die heimische Sumpfschildkröte.» Doch was für ein Tier ist diese heimische Sumpfschildkröte eigentlich? Und wo lebt sie? An­dreas Meyers Aussage ist ernüchternd: «Die Europäische Sumpfschildkröte ist in der Schweiz mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgestorben.» Warum genau, weiss niemand so recht. Wahrscheinlich habe dieser Prozess bereits im Mittelalter eingesetzt, sagt Meyer. Die Tiere wurden damals stark bejagt. Im 19. und 20. Jahrhundert verloren sie wegen Gewässerkorrektionen und Trockenlegungen von Feuchtgebieten ihre Lebensräume. «Die Art wurde ausserdem schon früher als Fastenspeise aus Südeuropa in die Schweiz importiert», sagt Meyer. «Dadurch gelangten auch immer wieder südeuropäische Sumpfschildkröten in die Natur.»

Beim Hüttwilersee sind in den letzten Jahren vereinzelt Sumpfschildkröten gesichtet worden. Sind diese gar nicht so heimisch, wie man denken könnte? Meyer vermutet, dass es sich auch hier um ausgesetzte Tiere handelt. Genetische Studien in der ganzen Schweiz hätten gezeigt, dass die hiesigen Panzerträger fast ausschliesslich aus Südeuropa kommen und irgendwann ausgesetzt wurden oder aus Gartenteichen entwichen sind. «Es ist äusserst unwahrscheinlich, dass sich darunter noch wirklich einheimische Schildkröten befinden.»

Chancen auf Thurgauer Population gering

In der Schweiz gibt es nur eine Population von Europäischen Sumpfschildkröten, die seit Jahrzehnten eine gesunde Grösse hat und sich regelmässig fortpflanzt. Sie lebt in einem Naturschutzgebiet im Kanton Genf. Bemühungen, die ausgestorbene Art wieder anzusiedeln, gibt es dennoch. Aktuell laufen dazu drei Pilotprojekte: in Genf, Neuenburg und dem Tessin. Bei einem Erfolg würden weitere Standorte geprüft, sagt Meyer. Einer davon könnte beim Hüttwilersee sein. Joggi Rieder, Thurgau-Verantwortlicher bei der Karch, würde das jedenfalls freuen. Zuversichtlich, dass die vor Jahrhunderten im Thurgau lebende Europäische Sumpfschildkröte hier je wieder heimisch wird, ist er aber nicht. «Die Voraussetzungen zur Fortpflanzung sind äusserst kompliziert.» Aber hoffen dürfe man ja.

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