Freizeit ist gefährlicher als der Job

Am Arbeitsplatz verletzen sich immer weniger Personen. Dagegen ist die Zahl der Unfälle in der Freizeit im vergangenen Jahr angestiegen. Gefährlich sind Fussballspielen oder Mountainbiken, aber auch die Hausarbeit.

Ruth Frischknecht
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Stress, Knatsch mit den Kollegen oder fehlende Motivation: Der Arbeitsalltag bringt Hindernisse mit sich. Auch Unfälle gehören dazu, wie die Statistik der Schweizer Unfallversicherung Suva zeigt. Im Jahr 2015 haben sich in den Kantonen St. Gallen, Thurgau und den beiden Appenzells 21 807 Personen während der Arbeitszeit verletzt. Das mag nach einer grossen Zahl aussehen. Aber: Im Vergleich zum Vorjahr haben die Arbeitsunfälle in der Ostschweiz um 0,8 Prozent abgenommen. Gesamtschweizerisch gesehen ging die Zahl um 1 Prozent auf insgesamt 180 376 Betriebsunfälle zurück.

Viele Verletzungen auf dem Bau

Genaue Angaben darüber, welche Berufe im vergangenen Jahr besonders gefährlich waren, existieren noch nicht. «In den letzten Jahren waren es jedoch immer die selben Berufe, die ein besonders hohes Verletzungsrisiko bargen», sagt Serkan Isik, Mediensprecher bei der Suva. Besonders gefährlich lebten 2014 nebst Profisportlern speziell Bauarbeiter oder Leute, die sich von Personalleihfirmen Stellen vermitteln lassen. «Diese Leute verrichten schwere körperliche Arbeiten, halten sich an wechselnden Arbeitsplätzen auf und benutzen Maschinen. Ein höheres Unfallrisiko liegt deshalb auf der Hand», sagt Isik.

Erwartungsgemäss selten erleiden Personen einen Unfall, die im Büro arbeiten. Schlusslichter der Unfallstatistik 2014: Rechts- und Steuerberater, Informatiker und Führungspersonen.

Mehr Unfälle in der Freizeit

Anders als die Zahl der Betriebsunfälle ist die Menge an registrierten Unfällen in der Freizeit, also der Nichtbetriebsunfälle, im vergangenen Jahr um 2,3 Prozent auf rund 28 500 Fälle angestiegen. In der ganzen Schweiz haben sich vergangenes Jahr 265 297 Unfälle ausserhalb der Arbeitszeit ereignet. «Die Anzahl der Freizeitunfälle nimmt erfahrungsgemäss immer dann zu, wenn das Wetter im Sommer schön und warm war beziehungsweise wenn im Winter gute Schneeverhältnisse vorherrschten», sagt Serkan Isik. Weshalb einige Aktivitäten zu mehr und andere zu weniger Unfällen führten, darüber könne die Statistik der Suva aber keinen Aufschluss geben. Die Angaben zu Häufigkeit und Dauer der Freizeitaktivitäten fehlten, erklärt Serkan Isik.

Hausarbeit birgt Gefahren

Welche Aktivitäten zu Unfällen führen, lässt sich hingegen herauslesen. Besonders oft verletzten sich die Ostschweizer 2015, wie schon 2014, beim Fussballspielen. Ebenfalls eher gefährlich sind Velo- oder Skifahren. Und wer jetzt denkt, mit Wandern bewege man sich auf der sicheren Seite, der irrt: 1891 Personen verletzten sich auf einer Wanderung oder auf einem Spaziergang. Das sind etwa 100 Unfälle mehr, als beim Velofahren oder Mountainbiken passiert sind. Und auch im eigenen Haus ist man vor Verletzungen nicht sicher: Rund 1330 Unfälle ereigneten sich bei Hausarbeiten – das sind in etwa gleich viele wie auf der Skipiste.