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FREIWILLIGENARBEIT IN ST.GALLEN: Ihr Lohn ist nicht das Geld

Heute ist Tag der Freiwilligen im Kanton St. Gallen. Ihre Arbeit fördert das Gemeinwohl. Zwei Frauen und zwei Männer erzählen, warum sie sich für Flüchtlinge, Kranke, Kinder und die Natur engagieren.
Katharina Brenner
Bild: Benjamin Manser / Urs Bucher

Bild: Benjamin Manser / Urs Bucher

Erika Meyer organisiert in Wattwil das «Stricken für Frauen». (Bild: Benjamin Manser)

Erika Meyer organisiert in Wattwil das «Stricken für Frauen». (Bild: Benjamin Manser)

Sie strickt

Jahrzehnte hatte sie nicht mehr gelismet. Dann kamen Flüchtlinge ins Toggenburg und der Wunsch auf, ihnen zu helfen. Seit Januar 2016 leitet Erika Meyer mit anderen Frauen das «Stricken für Frauen» in Wattwil. Jeden Donnerstag treffen sie sich für anderthalb Stunden und lismen. «Die Anfängerinnen Schals, wer es besser kann Pullover oder Finken für die Kinder.» Zwölf Frauen sind es im Durchschnitt, die eine Hälfte Schweizerinnen, die andere Geflüchtete. Auf die Idee kamen Meyer und ihre Kolleginnen, als sie in St. Gallen einen Vortrag vom Zentrum für Traumatherapie hörten. Der Experte habe gesagt, die Erfahrung mit traumatisierten Frauen aus Kosovo zeige, dass ein Jahr professionelle Therapie so viel bringe wie regelmässiges Stricken in der Gemeinschaft.

Nachhilfe für afghanische Mädchen

Erika Meyer gibt auch geflüchteten Mädchen Nachhilfe in Mathematik, Englisch und Französisch. «In Afghanistan kann der Schulbesuch für Mädchen gefährlich sein. Bei uns müssen sie neben der neuen Sprache eine Menge Schulstoff nachholen.» Schon früher war Meyer ehrenamtlich aktiv, aber nie in dem Ausmass wie heute. Die 67-Jährige hat drei Söhne und einen Enkel. Jetzt hat die pensionierte schulische Heilpädagogin Zeit. Was lismet sie am liebsten? «Pulswärmer. Da kann ich die Wollreste gut aufbrauchen.»

Reto Caluori fährt mit seinem Auto für das Rote Kreuz. (Bild: Benjamin Manser)

Reto Caluori fährt mit seinem Auto für das Rote Kreuz. (Bild: Benjamin Manser)

Er fährt

Reto Caluori fährt Hilfsbedürftige ins Spital, zum Arzt, zur Rehabilitation mit seinem Auto für das Schweizer Rote Kreuz (SRK). 70 Rappen bekommt er pro gefahrenen Kilometer. Das decke die Kosten fürs Auto, sagt der 65-Jährige. Er lebt mit seiner Frau im Haggen-Quartier in der Stadt St. Gallen. Mit den zwei kleinen Kindern war die Familie vor knapp 40 Jahren hierher gezogen. Fast genauso lange hat der gelernte Polymechaniker bei einer Firma im Quartier gearbeitet. Er beaufsichtigte einen Maschinenpark, baute bei Messen auf und ab. «Es gab Momente, in denen etwas hätte schiefgehen können.» Doch es ging immer alles gut. Dafür ist Caluori dankbar und möchte deshalb anderen helfen, die weniger Glück hatten. Mit 63 liess er sich pensionieren und engagiert sich seitdem beim Fahrdienst des SRK. «Ich möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben.»

Manche erzählen ihre Lebensgeschichte

Etwa achtmal pro Woche fährt Caluori, jeweils hin und zurück, oft ältere Personen, aber nicht nur. Manche würden während der Fahrt nicht reden wollen, andere ihre Lebensgeschichte erzählen. Es sei gut, dass er fit ist, um beim Ein- und Aussteigen zu helfen. Caluori fährt Rennvelo. Manchmal kann er das mit dem Dienst verbinden: Als er jemanden nach Davos chauffierte, nahm er das Velo mit und fuhr auf den Flüelapass.

Luisa Kobelt ist seit zehn Jahren in der Jubla. (Bild: Benjamin Manser)

Luisa Kobelt ist seit zehn Jahren in der Jubla. (Bild: Benjamin Manser)

Sie leitet

Ihre Babysitterinnen hatten Luisa Kobelt für die Jungwacht Blauring (Jubla) begeistert, als sie ein Kind war. Heute begeistert sie Kinder. «Zu sehen, dass sie glücklich sind, ist das Schönste», sagt die 18-Jährige aus Marbach. Kobelt ist Gruppenleiterin. Alle zwei Wochen betreut sie die Grossen, die 15-Jährigen. Die, die bald selbst Leiter werden dürfen. «Es ist toll, wie man sich in der Jubla weiterentwickeln kann.» Als Kind habe sie zu den Gruppenleitern aufgeschaut. Seit zehn Jahren ist Kobelt bereits bei der Jubla aktiv. Erst als Gruppenkind, später hat sie Grundkurs, Gruppenleiter- und Scharleiterkurs besucht. «Es geht viel um Kreativität, und wir sind oft draussen in der Natur.» Der Höhepunkt in jedem Jahr sei das Sommerlager mit der Hängematten-Nacht. Als weitere besondere Anlässe nennt sie den Waldspieltag, Samichlaus, das Winterwochenende und den Weihnachtsnachmittag.

Berufsmatura in Vollzeit und Tanzlehrerin

Luisa Kobelt macht gerade in Vollzeit ihre Berufsmatura und arbeitet nebenbei als Tanzlehrerin für Pole Dance. Zuvor hat sie eine Ausbildung zur Kauffrau absolviert. Gibt es eine Altersgrenze bei der Jubla? «Nicht wirklich.» Die Ältesten seien um die 30 und eher im Hintergrund aktiv. Die 18-jährige Kobelt kann sich also noch auf einige Jahre in der Jubla freuen.

Vereinspräsident Robert Schmid auf der Sömmerliwiese in St. Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Vereinspräsident Robert Schmid auf der Sömmerliwiese in St. Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Er schützt

«Einmal hat eine Frau nachts um ein Uhr bei uns daheim angerufen, weil sie ein Igelbaby gefunden hatte», sagt Robert Schmid und lacht. Er nimmt es mit Humor. Und Herzblut für die Sache. «Es ist schön, wenn sich Leute für die Natur einsetzen.» Seit 14 Jahren ist Schmid Präsident des Naturschutzvereins der Stadt St. Gallen und Umgebung (NVS). «Ich würde das Amt ja abgeben, aber es hat sich noch kein Nachfolger gefunden.» Für die Umwelt würde er sich weiterhin engagieren. «Sie ist das schwächste Glied in der Kette. Da muss man Druck machen.» Schmid sucht die Konfrontation. Zwölf Jahre sass er im St. Galler Stadtparlament, er hat die St. Galler SVP-Kantonalpartei mitgegründet. Ein Erfolg des NVS aus diesem Jahr freut ihn besonders: Der Verein hatte sich gegen die Überbauung der Sömmerliwiese im Lachen-Quartier starkgemacht. Das Stimmvolk gab ihm im Frühjahr recht.

Der Naturschützer fährt gerne Töff

Robert Schmid ist gelernter Maschinenmechaniker, wurde später Maschineningenieur und unterrichtet heute als Hauptlehrer an der Berufsmaturitätsschule in Frauenfeld Mathematik und Physik. Der 64-Jährige betont, dass er bei aller Liebe zur Natur Fanatismus ablehne. Sein Hobby ist die Motorfliegerei und er fährt gerne Töff. «Das ist für mich kein Widerspruch.»

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