Freiwillige im Fokus

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«Es geht um Anerkennung und Gedankenaustausch», sagt Hubertus Schmid, Präsident der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons St. Gallen (GGK). Aus diesem Grund veranstaltet die GGK seit mehreren Jahren, jeweils im Herbst, den Tag der Freiwilligen. Heute ist es wieder so weit. «Die Idee kommt ursprünglich von den Vereinten Nationen. Wir legen den Fokus auf die Ehrenamtlichen privater gemeinnütziger Organisationen im Kanton, weil wir uns für deren Anliegen einsetzen», sagt Schmid. 85 Vertreter verschiedener Vereine und Verbände hätten sich angemeldet.

Der heutige Tag steht unter dem Motto «Einheit in Vielfalt – Gemeinsinn wozu?». Wie beantwortet Schmid diese Frage? Er verweist auf zwei Forumsveranstaltungen in St. Gallen in den vergangenen Monaten. Beide hatten zum Thema, was die Schweiz verbindet. «Die direkte Demokratie und der Föderalismus waren die Antworten. Aber das allein reicht nicht aus», sagt Schmid. In einer freiheitlichen Gesellschaft, insbesondere in einer heterogenen wie der Schweizer, brauche es den Gemeinsinn – eine geistige Grundhaltung – als Klammer, die alles zusammenhält.

St. Galler vor allem in Sport und Kultur aktiv

Im Auftrag der GGK hat das Institut für Qualitätsmanagement und Angewandte Betriebswirtschaft der Fachhochschule St. Gallen (FHS) im Jahr 2012 eine Studie zur Freiwilligenarbeit im Kanton durchgeführt. Sie zeigte, dass Sportvereine und Vereine aus dem Bereich Kultur und Freizeit je ein Drittel der Freiwilligenarbeit ausmachen. Das restliche Drittel kommt aus Bereichen wie Soziales oder Natur- und Umweltschutz. «In der heutigen, schnelllebigen Welt, mit ihren Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt und den vielfältigen Freizeitangeboten, scheint es immer schwieriger, Menschen zur Freiwilligenarbeit zu motivieren», sagt Daniel Jordan vom Institut für Qualitätsmanagement und Angewandte Betriebswirtschaft der FHS, der die Studie betreut hat. Freiwilligenschwund sowie die Neurekrutierung von Mitgliedern stellten bei vielen Vereinen eine der wichtigsten Herausforderungen dar. «Es ist zu beobachten, dass sich Personen heute tendenziell lieber für eine gewisse Zeit oder ein bestimmtes Projekt engagieren. Bei Workshops haben Jordan und sein Team das Thema mit Vereinen angesprochen. Mit diesen Ergebnissen: Zentral bei der Gewinnung von Mitgliedern seien die persönliche Ansprache, flexible Einsatzzeiten und zeitlich befristete und kleinere Aufgabenpakete.

Die Stichprobe der Studie hatte rund 3000 aktive Vereine und gemeinnützige Organisationen im Kanton ergeben. Gemäss Berechnungen der Fachstelle für Statistik des Kantons St. Gallen, die sich auf die Schweizerische Arbeitskräfte­erhebung stützt, führten im vergangenen Jahr zwischen 45 und 52 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren mindestens eine unbezahlte Freiwilligenarbeit aus. Jeder Zweite also. (kbr)

Der Tag der Freiwilligen heute im Pfalzkeller, von 10 bis 14 Uhr, mit Referat, Diskussion und Imbiss, ist öffentlich.