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FREISPRUCH: Tötungsdelikt Wagenhausen: Ein Mann freigesprochen, bald folgt zweiter Prozess

Der mutmassliche Täter im Tötungsdelikt an einer jungen Frau muss sich bald dem Gericht stellen. Einen zweiten Mann spricht das Bezirksgericht Frauenfeld nun vom Vorwurf unterlassener Nothilfe frei.
Stefan Hilzinger
Im Parterre dieses Hauses in Wagenhausen wurde ein Tötungsdelikt verübt. Die Polizei versiegelte die Wohnung daraufhin. (Bild: Reto Martin)

Im Parterre dieses Hauses in Wagenhausen wurde ein Tötungsdelikt verübt. Die Polizei versiegelte die Wohnung daraufhin. (Bild: Reto Martin)

Stefan Hilzinger

stefan.hilzinger@thurgauerzeitung.ch

R. sitzt im Zug von Basel nach Stein am Rhein, als ihn die Meldung auf dem Handy erreicht. «W. ist in der Dusche ohnmächtig geworden und umgekippt. Ich bin seit 30 Minuten am Massieren und Beatmen», steht sinn­gemäss in der ersten Reihe von Meldungen von S., dem Vater von W. Sie befinden sich in der Wohnung von R. in Wagen­hausen. Es ist Samstag, 2. Januar 2016, 20.48 Uhr. Hastig gehen die Meldungen hin und her zwischen R. im Zug und S. in der Wohnung. W., die 25-jährige Tochter, kommt an diesem Abend zu Tode, so viel steht fest. Gegen S., den mutmasslichen Täter soll bald der Prozess geführt werden, sagte die Staatsanwaltschaft Thurgau vor kurzem gegenüber unserer Zeitung. R. sass Anfang 2016 einen Monat in Untersuchungshaft.

«Ich möchte mit diesem Albtraum abschliessen»

Der Todeszeitpunkt Ws. liegt zwischen 18 und 22 Uhr, hält der Obduktionsbericht fest. Daraus zitiert der amtliche Verteidiger von R. gestern vor dem Bezirksgericht Frauenfeld. Die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen hatte R. per Strafbefehl wegen Unterlassung von Nothilfe verurteilt. R. focht den Strafbefehl vor Gericht an. «Es wäre schön, wenn ich diesen Albtraum nun ad acta legen könnte», sagte der bald 40-jährige gelernte Schneider in seinem Schlusswort.

Sein Mandant müsse freigesprochen werden, erklärt der Verteidiger. Der erste Grund liefere die Bandbreite beim Todeszeitpunkt des Opfers. Die Frau sei schwerer stumpfer Verletzungen im Unterleib erlegen. Als die erste Meldung auf Rs. Handy eingetroffen sei, seien seit dem frühestmöglichen Todeszeitpunkt schon zweidreiviertel Stunden verstrichen. «Vor dem Grundsatz ‹im Zweifel für den Angeklagten› muss davon ausgegangen werden, dass die Frau bereits tot war», argumentiert der Verteidiger. Und weil niemand wegen unterlassener Nothilfe verurteilt werden könne, wenn jemandem zum fraglichen Zeitpunkt nicht mehr geholfen werden kann, müsse das Gericht seinen Mandanten freisprechen. Als zweiten Grund führt der Verteidiger Verlauf und Inhalt des Messenger-Chats ins Feld. «R. bot sich aus der Distanz höchstens ein widersprüchliches Bild der Situation in seiner Wohnung. Nach der letzten Meldung, die er erhalten hatte, ging mein Mandant davon aus, dass die Situation unter Kontrolle sei.»

Genugtuung von 6100 Franken

Das Gericht folgt der Argumentation des Pflichtverteidigers. Bei der mündlichen Urteilsverkündung sprach der Gerichtspräsident von einem aussergewöhn­lichen Fall. «Wusste R. von der lebensbedrohlichen Situation von W. und hat er ihr wissentlich nicht geholfen?»

Diese beiden Fragen beantwortet das Gremium mit Nein und spricht R. daher von Schuld und Strafe frei. Den Aspekt des Todeszeitpunktes beurteilt das Gericht ebenfalls wie der Ver­teidiger in dubio pro reo. Es sei davon auszugehen, dass die Frau gegen 21 Uhr schon tot gewesen sei. Für die Untersuchungshaft sprach das Gericht dem nun Freigesprochenen eine Genugtuung von 6100 Franken zu. Die Kosten des Verfahrens ­gehen zu Lasten des Kantons.

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