Freispruch nach fünf Jahren

Das Ausserrhoder Kantonsgericht spricht einen Baumaschinenführer vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung frei. Auf das Urteil hatte der Arbeiter jahrelang warten müssen.

Johannes Wey
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TROGEN. Ein 59jähriger Baumaschinenführer wurde gestern vor dem Ausserrhoder Kantonsgericht in Trogen vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Auf dieses Urteil hatte der Mann, der kurz vor seiner Pensionierung steht, lange warten müssen: Der Unfall ereignete sich schon im Jahr 2007, ein früheres Verfahren wurde 2010 an die Ausserrhoder Staatsanwaltschaft zurückgewiesen.

Von Baumaschine erschlagen

Das lange Warten auf das Urteil hatte beim Angeklagten Spuren hinterlassen: «Ich trage den Vorwurf der fahrlässigen Tötung nun schon seit fünfeinhalb Jahren mit mir herum. Ich möchte das nicht auf mir sitzen lassen», sagte er zu Beginn der Verhandlung.

Der Unfall hatte sich auf einer Baustelle beim Bahnhof Wienacht-Tobel ereignet. Der heute 59jährige Baumaschinenführer wollte damals mit einem Bohrbagger einen zwischen zwei und 2,5 Tonnen schweren Dieseltank umplazieren. Beim Absenken der Ladung kippte der Bagger und begrub einen Bauarbeiter unter sich. Der 48jährige Deutsche war auf der Stelle tot. Der Staatsanwalt warf dem Mann unter anderem vor, die Maschine überladen und die Neigung des Geländes nicht beachtet zu haben.

Mängel bei der Untersuchung

«Die Strafuntersuchung wurde leider mangelhaft geführt», erklärte der Gerichtspräsident bei der Urteilsverkündung. Dieser Umstand trug dazu bei, dass der Staatsanwalt das Gericht nicht von der Schuld des Angeklagten überzeugen konnte. Denn der Gutachter, der den Unfallhergang rekonstruieren und die Schuldfrage klären sollte, musste sich bei seiner Expertise hauptsächlich auf eine Traglasttabelle aus der Betriebsanleitung der Baumaschine stützen. Diese zeigte an, welche Maximallast je nach Winkel des Auslegers zulässig ist, vorausgesetzt, der Bohrbagger steht auf einer ebenen Fläche. Der Gutachter machte in der Tabelle einerseits Widersprüche aus. Andererseits musste er sich wegen der Versäumnisse der Untersuchungsbehörden auf Annahmen zur Neigung des Geländes und der Last des Dieseltanks stützen. Auch die Maschine selbst konnte er nicht mehr untersuchen, da sie bereits verschrottet worden war. «Das Gutachten hat einen sehr spekulativen Charakter», stellte der Gerichtspräsident fest.

Keine Richtlinie

Doch auch wenn der Sachverständiger dem Angeklagten ein Fehlverhalten hätte nachweisen können, wäre die Schuldfrage nicht geklärt gewesen, wie der Gerichtspräsident erläuterte. Dann wäre nämlich die Frage offengeblieben, ob der Angeschuldigte seine Sorgfaltspflicht verletzt hatte. «Dass man mit dieser Traglasttabelle im Alltag nicht arbeiten kann, ist uns völlig klar. Doch worauf hätte er seine Entscheidung stützen können?», so der Gerichtspräsident. Die Verfahrenskosten gehen zulasten der Staatskasse. Zudem erhält der Maschinenführer eine Entschädigung für seine Verteidigungskosten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.