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Bezirksgericht Appenzell: Freispruch für mutmassliche Betrügerin

Eine junge Frau erhielt von einem 68-Jährigen insgesamt 48000 Franken. Das Bezirksgericht Appenzell hat sie vom Vorwurf des Betrugs freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hat Berufung eingelegt.
Margrith Widmer

Die heute 29-jährige Hauptbeschuldigte aus dem Fürstenland hatte den damals 68-jährigen Mann 2012 in einem Restaurant in Oberegg kennen gelernt. Er sei wegen «ausufernden Alkoholkonsums und fortgeschrittenen Alters geistig stark eingeschränkt» gewesen, sagte der Staatsanwalt vor dem Bezirksgericht Appenzell.

Ihr Job sei sicher schwierig, sagte der Mann zu der jungen Frau, was diese bestätigte. Darauf erwähnte er, er habe einer Frau 2000 Franken geschenkt. Im November besuchte die Frau den Mann in Oberegg, zusammen mit einer Freundin. Laut Staatsanwalt erwähnte sie eine persönliche Misere, gab sich als Lehrerin aus, nannte einen falschen Namen, versprach Rückzahlung und Darlehenszins in Naturalien, wie Bier, Wein, Essen im Wert von 500 Franken. Die Frau habe einen Darlehensvertrag auf einen Fresszettel geschrieben mit Rückzahl-Terminen und den Zettel in einem unbeobachteten Augenblick vernichtet. Daraufhin liess sich der Mann zur Appenzeller Kantonalbank fahren und hob 4000 Franken ab, die er der Frau übergab. Das Geld verwendete sie für Luxusgüter. Die Freundin verzichtete auf ihren Anteil; erhielt aber Geschenke im Wert von über 1000 Franken – Parfums, Louis-Vuitton-Tasche und unzählige Rosen, so die Anklage.

Mehrere Male Geld übergeben

Im Dezember 2012 wiederholte sich das Szenario. Die Frau habe vorgegeben, sich selbstständig machen zu wollen und erzählt, sie habe Schulden, worauf der Mann 6000 Franken abhob. Kurz darauf gab er ihr 8000, wenige Tage später 12000 und am 24. Dezember 18000 Franken –damals war ihre Schwester mit dabei.

Als die Frauen im März 2013 wieder auftauchten, liess sie der Mann nicht ein, ein Nachbar fotografierte sie; die Frauen flüchteten. Daraufhin ging der Mann in Begleitung seines Nachbarn zur Polizei und erstattete Anzeige. Er erinnerte sich nicht einmal mehr daran, dass er der Frau 12000 Franken gegeben hatte.

Ein Jahr lang ging gar nichts. Am 19. Februar 2014 wurden bei den drei Frauen Hausdurchsuchungen durchgeführt. Sie wurden vorläufig festgenommen und sechs Stunden lang verhört. Dabei gestanden sie auch den Betrug, allerdings sagten sie vor Gericht, sie seien wegen der Drohung einer längeren Haft unter Schock gestanden. Auf dem Handy der Hauptbeschuldigten fand die Polizei ein Video eines Minderjährigen mit einem Huhn, das als Pornografie gewertet wurde.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft lauteten auf mehrfachen Betrug, mehrfache Urkundenfälschung und Urkundenunterdrückung, versuchten Betrug, teilweise in Mittäterschaft, sowie Pornografie. Der Staatsanwalt beantragte für die Hauptbeschuldigte acht Monate Freiheitsstrafe, bedingt mit zwei Jahren Probezeit und eine Busse von 4300 Franken. Die Zivilforderung der Erbengemeinschaft beträgt 48000 Franken; 18000 Franken sollte sie solidarisch mit der Freundin, 30000 Franken mit ihrer Schwester zurückzahlen. Für die Schwester forderte er eine Geldstrafe wegen Gehilfenschaft von 180 Tagessätzen à 100 Franken, bedingt und eine Busse von 3500 Franken. Für die 35-jährige Freundin forderte er 100 Tagessätze zu 30 Franken, bedingt und 600 Franken Busse.

«Er wusste nicht, was er tat»

Der Mann, ein ehemaliger Landwirt, «hat nicht gewusst, was er tat», sagte der Staatsanwalt. 96 Prozent seines Bankvermögens habe er der Frau gegeben. Er fand es seltsam, dass eine junge Frau Kontakt zu einem Mann gesucht habe, der «nicht aussah wie ein Model».

Alle drei Verteidiger forderten Freisprüche, die Kostenübernahme durch die Staatskasse, Entschädigungen für die Haft und Ablehnung der Zivilforderungen. Es müsse der Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten angewendet werden, forderte der Verteidiger der Hauptbeschuldigten. Der Mann sei als «völlig normal, bauernschlau und etwas speziell» beschrieben worden. Es sei keine Rückzahlung vereinbart worden; es habe nichts in Urkundenqualität gegeben und im Video sei nichts Pornografisches zu entdecken.

Die drei Urteile lauten gleich: Freispruch von allen Vorwürfen; die Zivilforderung wird auf den Zivilweg verwiesen. Die Verfahrenskosten von total 15254 Franken gehen zu Lasten des Staats. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Dagegen hat die Staatsanwaltschaft sofort Berufung eingelegt. Damit wird sich das Innerrhoder Kantonsgericht mit dem Fall befassen.

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