Freispruch für Schreinersohn

Drucken
Teilen

Grossbrand Mit dem Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen wird der 32-jährige Sohn des Schreinereibesitzers vom Vorwurf der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte geltend gemacht, er habe durch die ungenügende Instruktion eines Lehrlings indirekt einen Brand verursacht. Dem Feuer war im März 2013 das ganze elterliche Gewerbe- und Wohnhaus zum Opfer gefallen. Dabei entstand ein Sachschaden von über 500000 Franken. Im Haus hatten auch Mieter gewohnt, deren Wohnung ausbrannte (Ausgaben vom 25. Februar und 2. Mai).

Brandursache nicht definitiv geklärt

Das Kreisgericht Wil hatte den Schreiner im April 2016 zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Dagegen wehrte er sich am Kantonsgericht. An der Berufungsverhandlung, die an zwei Tagen Ende Februar und am 1. Mai stattfand, ging es vor allem um die Frage, ob tatsächlich ein ölgetränkter Lumpen, den der Lehrling im Abfallkübel entsorgt hatte, für den Brandausbruch verantwortlich ist. Die Verteidigung betonte, es könne ebenso gut sein, dass nach Feierabend noch jemand die Werkstatt betreten habe – möglicherweise der rauchende Mieter. Grund für diese Annahme war, dass nach dem Brand im Eingangsbereich der Mietwohnung zwei Handmaschinen gefunden wurden, die eigentlich in einen Schrank der Werkstatt gehört hätten.

Um sich ein vertieftes Urteil zu bilden, hatte das Kantonsgericht insgesamt vier Auskunftspersonen befragt. Ihre Aussagen würden klar zum Ausdruck bringen, dass nicht zwingend ein ölgetränkter Lumpen die Brandursache sein müsse. Das Mieterpaar hatte vehement verneint, vor dem Brand in der Werkstatt gewesen zu sein. Nach dem Brand wurde zunächst eine Untersuchung gegen den Lehrling eingeleitet. Die Anklage wurde im Laufe der Ermittlungen aber wieder fallen gelassen. Danach geriet der Schreinersohn als dessen Vorgesetzter ins Visier der Staatsanwaltschaft. In seinem Urteil verweist das Gericht die Zivilklage der Mieter auf den Zivilweg. Die Kosten des Untersuchungs- und erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens von 3900 Franken trägt der Staat. (cis)