FREIBERGER: Tierquäler erhielt Bundesprämien für Zuchtfohlen

Ulrich K. wurde vor drei Jahren aus dem Pferdezuchtverein Thurgau ausgeschlossen. Er sei nur wegen der Prämien für die Freibergerfohlen an die Pferdeschauen gekommen. Gemäss der Geschäftsführerin des Verbands Reinrassiger Freiberger war K. überfordert.

Sabrina Bächi
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Ein Freibergerfohlen mit seiner Mutter. (Symbolbild) (Bild: Margrith-Pfister Kübler)

Ein Freibergerfohlen mit seiner Mutter. (Symbolbild) (Bild: Margrith-Pfister Kübler)

Ulrich K. hat in den vergangenen drei Jahren Bundesprämien für seine Freiberger Fohlen bezogen. Als Züchter war K. dem Schweizerischen Freiberger Verband (SFV) in Avenches bekannt. Denn Züchter erhalten für jedes neugeborene Freibergerfohlen 500 Franken. «Es ist eine Prämie zur Erhaltung der Rasse», sagt Stéphane Klopfenstein, Geschäftsführer des SFV. Um die Bundesprämie zu erhalten, müssen gewisse Bedingungen erfüllt sein. Wichtig ist, dass ein Fohlen an einer Pferdeschau gezeigt und von einem offiziellen und ausgebildeten Schausekretär identifiziert und begutachtet wird. Dieser meldet seine Ergebnisse dem Verband.

Zusätzlich kommt eine Kontrollorganisation, die auf dem Hof untersucht, ob Stute und Fohlen gemäss Tierschutzgesetz gehalten werden. Erst dann erhält der Züchter sein Geld. Allerdings finden diese Kontrollen nicht jährlich statt. Zudem interessiert die Kontrollorganisation ausschliesslich, wie der Zustand des gemeldeten Fohlens und dessen Mutter ist. «Mängel an anderen Pferdeboxen oder Haltungsfehler bei weiteren Pferden fliessen nicht in die Bewertung ein», sagt Klopfenstein. Der Verband verlässt sich als Koordinationsstelle auf die Meldungen der Kontrolleure und Schausekretäre.

Nur über die Medien hat der Verband Gerüchte gehört, dass auf dem Hof von Ulrich K. die Haltungsumstände nicht korrekt sind, «obwohl es in den letzten Jahren eher ruhiger geworden ist», sagt Klopfenstein. «Für uns sind die Züchter wichtig», sagt der Geschäftsführer. Nur aufgrund von Gerüchten würden sie deshalb niemanden verurteilen. «Wir halten uns an die Rückmeldungen der Kontrollstellen, und die haben bei Ulrich K. nie etwas Negatives festgestellt.»

Er flog vor drei Jahren aus dem Thurgauer Pferdezuchtverein

Über die Bilder war auch der Verband überrascht. Deshalb will er mit dem Bund über sein künftiges Vorgehen diskutieren. «Es ist ein Einzelfall, und wir wollen nicht das ganze System ändern», sagt Klopfenstein. Trotzdem wollen sie über die Bücher gehen, um einen weiteren Fall wie den des Thurgauers Ulrich K. zu verhindern. «Man könnte strenger sein, aber der administrative Aufwand und die Kosten für die Kontrollen würden dann steigen.»

Markus Brägger, Präsident des Pferdezuchtvereins Thurgau, kennt Ulrich K. «Er ist negativ bekannt in der Szene», sagt er. Auf den Pferdeschauen, die für den Erhalt der Prämie zwingend sind, ist ihm K. einige Male begegnet. Brägger sagt: «Seine Fohlen waren einfach nicht gleich gut entwickelt wie die anderen.» Als er ihn einst auf den Zustand seiner Tiere ansprach, soll K. gesagt haben, dass er ausschliesslich wegen der Prämienbeiträge an die Pferdeschauen komme. «Schliesslich haben wir ihm verboten, an unseren Pferdeschauen teilzunehmen, und dann ganz aus dem Pferdezuchtverein Thurgau ausgeschlossen», sagt Brägger. Das war vor drei Jahren.

«K. hatte sicher zu viele Tiere. Er war überfordert.»

Derzeit ist Ulrich K. Mitglied beim Verband Reinrassiger Freiberger. Geschäftsführerin Heidi Gurtner hat im letzten Jahr alle elf Fohlen von Ulrich K. als Richterin begutachtet. Zusammen mit einem weiteren Richter und einem Schauexperten hat sie dem SFV bestätigt, dass Ulrich K. Anspruch auf den Erhalt der Prämien hat.

Doch auch sie weiss: «Die Tiere waren mager, und mit der Sauberkeit stimmte es auch nicht so. Er war überfordert.» Aber sie habe ihn als sehr gastfreundlichen Menschen erlebt. Es waren auch schon Deckhengste von ihr auf seinem Hof. «Er hat die Pferde nicht misshandelt, aber er hatte sicher zu viele Tiere», sagt Gurtner. Ob K. für alle elf Fohlen den Prämienbetrag von 500 Franken erhalten habe, hänge davon ab, ob er alle anderen nötige Formalitäten erfüllt habe. Dazu gehört beispielsweise das Chippen der Tiere. In diesem Fall hätte K. im Jahr 2016 für alle elf Fohlen insgesamt 5500 Franken einkassiert. Bezahlt mit öffentlichen Geldern.