Frauenhaus-Adresse bleibt geheim

Antifeministen wollten die Adressen der Frauenhäuser in der Schweiz publik machen. Per superprovisorische Verfügung wurde ihnen dies untersagt. Dennoch: Im Thurgau gab es Reaktionen auf den Aufruf; in St. Gallen blieb es ruhig.

Regula Weik
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sT. gALLEN. Frauenhäuser führten einen Kampf gegen Männer, sagt der Thurgauer Michael Handel. Er unterstützt die Idee der Interessengemeinschaft Antifeministen «für eine echte Gleichberechtigung», die Adressen der Frauenhäuser in der Schweiz publik zu machen; heute sind sie geheim. Seine Motivation sei das Kindswohl, sagt Handel. Er hat die Organisation Kinder ohne Recht gegründet. Frauen vor häuslicher Gewalt zu schützen sei wichtig – «doch leider führen Frauenhäuser nebenbei einen ideologischen Kampf gegen Männer».

Gefährdungssituationen

Handel fordert deshalb, die Frauenhäuser abzuschaffen; stattdessen sollten die Kantone geschlechtsneutrale Familienhäuser errichten.

Anders als im Thurgau – der Kanton hat kein eigenes Frauenhaus; schutzsuchende Thurgauerinnen wenden sich ans Frauenhaus Schaffhausen – blieb es nach dem Aufruf der Antifeministen in St. Gallen ruhig. «Ich bin ganz froh darüber», sagt Elisabeth Bossart, Geschäftsführerin des Frauenhauses St. Gallen. Sie seien sehr zurückhaltend mit Informationen. Und dennoch kennt sie die Situation, dass der Mann einer schutzsuchenden Frau vor dem Haus steht. Erst kürzlich sei eine Frau vom Einkaufen zurückgekehrt – und ihr Mann habe ihr abgepasst, sie beschimpft und bedroht. «Wenn ein Mann immer wieder seine Frau sucht und dabei nicht locker lässt, dann kann er sie über kurz oder lang ausfindig machen», sagt Elisabeth Bossart. Und weiter: «Wir können Gefährdungssituationen nie ausschliessen und besprechen das auch mit den Frauen.» Klar ist: Wenn ein Mann mehrmals vor dem Frauenhaus auftaucht, wird die Polizei gerufen.

Elisabeth Bossart wehrt sich gegen den Vorwurf, Frauenhäuser führten einen Kampf gegen Männer. Sie setze sich stark für «den runden Tisch» ein, denn: «Es nützt nichts, wenn wir mit den Opfern arbeiten und uns nicht auch mit den Tätern auseinandersetzen – unabhängig davon, ob der Mann oder die Frau Gewalt ausübt. Wir kommen nur im Dialog weiter.»

Superprovisorische Verfügung

Elisabeth Bossart ist denn auch froh, dass die Dachorganisation der Frauenhäuser der Schweiz und Liechtenstein – es sind insgesamt 18 Institutionen – aktiv geworden ist und mit einer Strafanzeige auf die Androhung der Antifeministen reagiert hat – zu deren Ärger. «Feministische Justiz will Antifeministen mundtot machen», heisst es auf der Homepage. Mit einer für die schweizerische Justiz «bemerkenswert ungewöhnlichen Geschwindigkeit» sei eine superprovisorische Verfügung erwirkt worden, «mit der man uns zwingen möchte, die Veröffentlichung der Adressen zu unterlassen».

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