Zwischen zufällig, seelenlos, sichtbar und poetisch: Die Frauenfelder Stadtgalerie Baliere zeigt vier Sichtweisen auf die Welt

In der Baliere ist Fotografie aus der Ostschweiz zu sehen: von Marcel Burckhardt, Thomas Tito Greuter, Michael Siegenthaler und Philipp Hugentobler. Am 1.Oktober ist Vernissage der Schau.

Dieter Langhart
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Der interimistische Kurator Stefan Rutishauser im Kellergewölbe der Baliere, wo die Bilder von Michael Siegenthaler hängen.

Der interimistische Kurator Stefan Rutishauser im Kellergewölbe der Baliere, wo die Bilder von Michael Siegenthaler hängen.

(Bild: Andrea Stalder)

Gruppenausstellungen in einer Galerie können heikel sein: Ergänzen sich die Positionen oder kommen sie einander in die Quere? Die aktuell noch in Berlin weilende Baliere-Kuratorin Carole Isler hat Fotografie als einendes Medium gewählt und vier regionale Künstler eingeladen, die ganz eigene und ganz unterschiedliche Sichtweisen auf die Welt haben.

Ihnen gemeinsam sind makellose Technik und gediegene Präsentation, in ihren Intentionen und Motiven jedoch gehen sie weit auseinander.

Das Portfolio des Frauenfelders Marcel Burckhardt reicht von Landschaften, Tieren und Architektur bis hin zu Makroaufnahmen. In der Baliere zeigt er Beispiele aus der Serie «The Colors of Money», die längst zu einem Projekt geworden ist: Ausschnitte aus den neuen Schweizer Banknoten, die in der starken, abstrahierenden Vergrösserung verblüffende Einsichten gewähren – da werden rätselhafte Zeichen sichtbar oder riesige Insektenflügel.

Herangezoomt und klug komponiert

Auch der Schaffhauser Thomas Tito Greuter hat sich der Abstraktion verschrieben, doch sein Ansatz ist ein anderer. Auf verrosteten Türen und Wänden an Schiffen und Lokomotiven oder auf verwitterten Holztoren findet er die Zeichen der Zeit, zoomt heran, komponiert klug, konzentriert sich auf Farben und Formen, Strukturen und Unregelmässigkeiten – und schafft so zarte bis wilde Motive, die das Vorgefundene vergessen machen oder unkenntlich werden lassen und an abstrakte und dennoch poetische Gemälde erinnern.

Der Einladungsflyer zur Ausstellung.

Der Einladungsflyer zur Ausstellung.

(Bild: PD)

Philipp Hugentobler, in Matzingen geboren und mit einem Abschluss in Business Innovation, ist Fotograf, Filmemacher, Abenteurer, Unternehmer. Die Fotos, die er in der Baliere zeigt, wirken wie ein Kondensat zahlreicher Abenteuerreisen, begleitet von ausführlichen Begleittexten. In meist satten, dann wieder pastellenen Farben zeigt er Leoparden oder Löwen in der Savanne, Polarlichter auf Island und Regenbogen in der Bretagne, Menschengruppen auf Bali oder einen roten Giftpfeilfrosch auf einem Baum im Dschungel Costa Ricos.

Trotz technischer Brillanz wirken die Aufnahmen wie ein seelenloses Portfolio ohne inneren Zusammenhalt.
Fotografie in der Stadtgalerie Baliere.

Fotografie in der Stadtgalerie Baliere.

(Bild: Andrea Stalder)

Michael Siegenthaler schliesslich, Hausarzt in Frauenfeld und seit seiner Jugend begeisterter Fotograf, schliesst den Ausstellungsbogen. Seine sorgfältig komponierten Aufnahmen, in den letzten Monaten zumeist in der Schweiz entstanden, strahlen eine unendliche Gelassenheit und Ruhe aus, auch wenn die Motive variieren. Hier hängt eine grafisch und farblich reduzierte Schneeszene neben einem von Sturmwolken erdrückten Meer; da liegt ein toter Stamm in einem Waldteich und korrespondiert – in Aufbau und Perspektive – mit einer Hängebrücke aus Stahl; dort knallt ein oranger Abendhimmel hinter einem leeren Anzeigekasten oder hocken zwei Vögel auf einer schwimmenden Badeinsel.

Siegenthaler gibt dem Alltäglichen oder Zufälligen, dem Überraschenden oder Irritierenden ebenso eine Bühne wie dem Naturschauspiel.

Stadtgalerie Baliere: «Fotografie». Vernissage Do, 1.10., 19 Uhr; Do 17–20 Uhr, Sa/So 12–16 Uhr; Finissage So, 25.10., mit Vernissage eines Fotobuchs von Philipp Hugentobler.

Fotografie in der Stadtgalerie Baliere.

Fotografie in der Stadtgalerie Baliere.

(Bild: Andrea Stalder)
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