Zwischen Bammel und Zuversicht bei den Frauenfelder Bezirksparteien

Aufs arithmetische Glück hoffen für die bevorstehenden Grossratswahlen alle Parteien. Einige sind vorsichtig, andere geben sich optimistisch.

Samuel Koch
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Dieses Sammelsurium an Wahlprospekten lag zuletzt in vielen Briefkästen.

Dieses Sammelsurium an Wahlprospekten lag zuletzt in vielen Briefkästen.

(Bild: Samuel Koch)

Neue Wahlen, neues Glück. Denn nicht selten entscheiden Rechnereien aus Listenverbindungen über Glück oder Pech im Kampf um die 32 zu vergebenden Mandate im Bezirk Frauenfeld für den Grossen Rat. So vor vier Jahren, als die wählerstärkste SVP dank den Partnern EDU und FDP trotz nominell weniger Stimmen ihren elften Sitz halten konnte. Rechenglück für die SVP bedeutete gleichzeitig Pech für die CVP, die mit ihren Reststimmen ihren Listenpartnern unter die Arme griff.

Nebst der CVP büsste die SP einen Sitz ein, einerseits wegen des Sitzgewinns der FDP mit einem Zuwachs an Wähleranteil von 2,9 Prozent, andererseits, weil ein Sitz gegenüber 2012 neu dem Bezirk Kreuzlingen zugesprochen wurde.

Namhafte Urgesteine sagen Tschüss

Benjamin Spitteler, SVP-Bezirksparteipräsident.

Benjamin Spitteler, SVP-Bezirksparteipräsident.

(Bild: PD)

Mit acht Bisherigen steigt die SVP zuversichtlich ins Rennen um die Kantonsratssitze. «Wir wollen unsere elf Sitze halten, sind regional gut vertreten und kandidieren mit starken Persönlichkeiten», sagt SVP-Bezirksparteipräsident Benjamin Spitteler. Dagegen verliert die SVP unter anderem mit Hans-Peter Wägeli (Uesslingen-Buch) ein langjähriges Zugpferd. Zudem treten die bisherigen Erich Schaffer (Pfyn) und Marcel Schenker (Frauenfeld) nicht mehr an.

Marianne Guhl, SP-Bezirksparteipräsidentin.

Marianne Guhl, SP-Bezirksparteipräsidentin.

(Bild: PD)

Die SP steigt heuer ohne Walter Hugentobler (Matzingen) in den Wahlkampf, der den Grossen Rat nach 20 Jahren hinter sich lässt. «Wir setzen die Hoffnungen in unsere jungen Kandidaten», sagt SP-Bezirksparteipräsidentin Marianne Guhl. Sie hofft, dass die Sozialdemokraten nach dem Sitzverlust vor vier Jahren trotz Alleingang ohne Listenverbindung mindestens einen Sitz gutmachen kann.

Listenverbindungen

Im Bezirk Frauenfeld mit seinen knapp 70'000 Einwohnerinnen und Einwohnern aspirieren insgesamt 267 Kandidierende auf elf unterschiedlichen Listen auf die 32 Kantonsratsmandate, welche die Wähler am 15. März vergeben werden. Von den elf Parteien wagt einzig die SP einen Alleingang. Alle anderen Parteien schliessen sich für Wählerstimmen zusammen. In der Mitte gehen die CVP (Liste 1), die Junge EVP (Liste 3), die EVP (Liste 7) und die BDP (Liste 12) eine Listenverbindung ein. Auf dem rechten Flügel gehen die EDU (Liste 2), die FDP (Liste 5) und die SVP (Liste 9) Hand in Hand. Ebenso kämpfen die GLP (Liste 6), die Grünen (Liste 22) und die Jungen Grünen (Liste 13) Seite an Seite um Sitze im Grossen Rat. Die EVP und die Grünen haben zudem mit ihren jeweiligen Jungparteien eine Unterlistenverbindung. (sko)

Stefan Geiges, CVP-Bezirksparteipräsident.

Stefan Geiges, CVP-Bezirksparteipräsident.

(Bild: PD)

Nach einem Sitzverlust zuzulegen, hat sich auch die CVP auf ihre orange Fahne geschrieben. «Wir sind sehr optimistisch, dass wir den verlorenen Sitz wiedergutmachen werden», sagt Bezirkspräsident Stefan Geiges zur Liste mit für seinen Geschmack politisch erfahrenen Kandidaten.

Stefan Hanselmann, Bezirksparteipräsident FDP.

Stefan Hanselmann, Bezirksparteipräsident FDP.

(Bild: PD)

Trotz Wahlerfolg vor vier Jahren will sich die FDP nicht in die Defensive drängen lassen. «Wir sind mutig mit unserem Kandidatenfeld, sind aber nach den nationalen Trends auch vorsichtiger geworden», sagt FDP-Bezirksparteipräsident Stefan Hanselmann. Angst vor der grünen Welle hat im Bezirk keine der vier Regierungsparteien, obschon Hanselmann das Thema nicht wegdiskutieren will. Geiges sagt: «Die grüne Grosswetterlage wird anhalten.»

Grüne und GLP angriffig, BDP kämpft ums Überleben

Obige Aussage ist Wasser auf die Mühlen der Grünen und der GLP, die vor vier Jahren Wählerprozente einbüssten und dank der günstigen Grosswetterlage in den Angriffsmodus schalten. «Unser Ziel ist ein dritter Sitz», sagt Michael Pöll, Bezirkspräsident der Grünen. Im Optimalfall schielt er gar auf ein viertes Grossratsmandat.

Potenzial liege auch für die Grünliberalen brach, wie GLP-Bezirksparteipräsident Andreas Schelling ausführt: «Wir zielen darauf, sicher einen Sitz zu gewinnen.» Da könne die Lücke geschlossen werden, die der bisherige Lucas Orellano (Frauenfeld) mit seinem berufsbedingten Umzug nach Bern aufgetan hat.

Mehr als ein Drittel der Bevölkerung im Bezirk wohnt in der Stadt Frauenfeld.

Mehr als ein Drittel der Bevölkerung im Bezirk wohnt in der Stadt Frauenfeld. 

(Bild: Donato Caspari)

Die EVP zählt auf ihre «stabile und treue Wählerschaft», wie EVP-Bezirkspräsidentin Elisabeth Rickenbach sagt. Deshalb sowie dank Vorstössen zu aktuellen Themen gibt sich die Bisherige zuversichtlich, dass die EVP ihre zwei Sitze halten kann. Ihre Hoffnungen voll aufs arithmetisches Glück setzt die EDU, die vor vier Jahren ihre Reststimmen der grossen SVP überlassen musste. «Wenn wir dieses Mal Glück haben, gewinnen wir einen zusätzlichen Sitz», sagt EDU-Bezirkspräsident Christian Mader.

Und die BDP kämpft mit dem verbleibenden Sitz von Roland A. Huber (Frauenfeld) ums Überleben. Die BDP sei sich bewusst, dass es schwierig werde, den einen Sitz zu halten, sagt Vizebezirksparteipräsident Gabriel Herzog. «Aber wir leisten wertvolle Arbeit und bringen auch unbequeme Themen sachlich ans Tageslicht», sagt er.

Das letzte Wort haben ohnehin die Wähler zwischen Sonnenberg, Paradies und Insel Reichenau am 15. März.

FRAUENFELD: FDP legt zu, SP und CVP im Pech

Die Freisinnigen gewinnen im Bezirk Frauenfeld mit dem Frauenfelder Stadtpräsidenten Anders Stokholm einen Sitz und kommen neu auf fünf Kantonsratsmandate. Prozentual zulegen kann die SVP, für einen Sitzgewinn reicht es nicht.
Mathias Frei