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Ältere Aadorfer ärgern sich über die Schliessung des Bahnschalters

Per 1. Juni schliesst der SBB-Schalter beim Aadorfer Bahnhof. Viele ältere Einwohner sind darüber unglücklich. An einer Veranstaltung erfahren sie, wie sie trotzdem zu ihrem Billett kommen.
Kurt Lichtensteiger
Die SBB zeigen an zwei Info-Anlässen beim Aadorfer Bahnhof, wie das Bahnbillet ohne Schalter zu lösen ist. (Bild: Kurt Lichtensteiger)

Die SBB zeigen an zwei Info-Anlässen beim Aadorfer Bahnhof, wie das Bahnbillet ohne Schalter zu lösen ist. (Bild: Kurt Lichtensteiger)

Bereits in den 50er-Jahren des vorletzten Jahrhunderts wurde das Stationsgebäude des Aadorfer Bahnhofs erstellt. 1910/11 folgte eine Erweiterung. Als neues, im Heimatstil erstelltes Gebäude, sollte es den deutschen Kaiser Wilhelm II. beeindrucken.

Doch die kaiserliche Majestät stieg bei seinem Besuch im Jahr 1912, in Begleitung von General Wille und der Bundesräte Forrer und Hoffmann, nicht in Aadorf aus, wo eine Truppenschau auf dem Aadorfer Feld geplant war. Mag sein, dass seine Durchlaucht allenfalls die kaiserliche Stirn an die Wagenscheibe presste, ohne aber den Bahnhofboden Aadorfs betreten zu haben.

Aber das ist Geschichte. Geschichte ist auch, dass in der Zwischenzeit Stellwerk, Gepäckraum, der gediegene Wartsaal im Jugendstil und das nebenstehende Aborthäuschen ihre Funktionen einbüssten. Nun fällt als letzter Akt auch noch der SBB-Bahnschalter den Sparmassnahmen zum Opfer, sodass schweizweit bis Ende Jahr nur noch 145 Bahnhöfe bedient sein werden. Nicht zum Gefallen älterer Kunden. So sagte eine leicht verärgerte Vielreisende anlässlich einer kostenlosen Schulung beim Aadorfer Bahnhof:

«Man könnte sich ernsthaft fragen: Sind die SBB als Staatsbetrieb für die Kunden da oder doch eher die Kunden für die SBB?»

Ein anderer Teilnehmer bedauerte, dass komplexere Dienstleistungen nun wegfallen, sodass man sich dafür nach Wil, Winterthur oder Frauenfeld begeben muss. «Für einen ernsthaften Service public braucht es auch an den Bahnhöfen Präsenz, wollen diese nicht zu Geisterbahnhöfen werden», fügte er hinzu.

Reaktionen halten sich in Grenzen

Zweifellos gibt es betriebswirtschaftliche Gründe für den Abbau der Dienstleistungen: Einfache Billette kaufen nur noch wenige am Schalter. Das wird immer öfter auf dem Smartphone und an den Automaten erledigt. So halten sich die Reaktionen im Gegensatz zur Schliessung von Poststellen in Grenzen. Kampfeslust herrscht jedenfalls nicht, Ärger hingegen schon, zumal beliebter Kundenkontakt verloren geht. Die Ettenhauserin Rosalie Schwager sagt mit einem Seitenhieb auf die eingetretene Enthumanisierung:

«Das waren doch noch schöne Zeiten, als der Aadorfer Bahnhofvorstand Christian Scherrer noch des langen und breiten erzählte, was am besten zu tun sei.»

Letztlich bleibt den ÖV-Benutzern nur noch das Eine, nämlich sich dank Selbstbedienung der neuen Gegebenheit anzupassen. Deshalb luden die SBB beim Bahnhof Aadorf zu einer Schulung ein. Die Aufklärung zielte darauf ab, wie man sich am Automaten zurechtfindet, wie man einfach und bequem sein Billett über die SBB-App lösen kann, wie dieses auch auf der SBB-Website erhältlich ist, dass der Kundendienst rund um die Uhr telefonisch erreichbar ist, und dass SBB-Mitarbeitende bei einem Anruf Unterstützung leisten.

Nutzung nach Schliessung ist noch nicht bekannt

Tönt zwar alles recht einfach, ist für «digital immigrants», nämlich vor 1980 Geborene, nicht so problemlos, wie sich zeigen sollte. Rund 30 Interessierte liessen sich schon am ersten Schulungsvormittag von vier geduldigen und verständnisvollen Instruktoren in die Materie einführen. Wie der Bahnhof nach der endgültigen Schalter-Schliessung am 1. Juni genutzt wird, konnte allerdings nicht in Erfahrung gebracht werden. Ein weiterer Schulungstag findet zudem am kommenden Mittwoch, 15. Mai, von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr, beim Bahnhof Aadorf statt.

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