Zwei zusätzliche Frauen vertreten künftig den Bezirk Münchwilen im Thurgauer Grossen Rat

Im Hinterthurgau legen Grüne und EVP in den Kantonsratswahlen einen Sitz zu, CVP und FDP verlieren.

Olaf Kühne
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Der Hinterthurgau, hier mit Münchwilen und Sirnach, wird in der kommenden Legislatur mit einer weiblicheren, jüngeren und leicht linkeren Delegation im Thurgauer Grossen Rat vertreten sein.

Der Hinterthurgau, hier mit Münchwilen und Sirnach, wird in der kommenden Legislatur mit einer weiblicheren, jüngeren und leicht linkeren Delegation im Thurgauer Grossen Rat vertreten sein.

(Bild: Olaf Kühne)

Die Hinterthurgauer Delegation im Thurgauer Grossen Rat wird weiblicher – und ein kleines bisschen linker. Stellte der Bezirk Münchwilen mit Cornelia Hasler (FDP), Barbara Müller (SP) und Sabina Peter Köstli (CVP) bisher nur gerade drei Kantonsrätinnen, sind es in der kommenden Legislatur immerhin deren fünf.

Am Wahlsonntag konnten die Grünen einen Sitz zulegen. Diesen holte sich die Balterswiler Tierärztin Isabelle Vonlanthen-Specker. Zu der bis anhin rein männlichen, aber weiterhin achtköpfigen SVP-Fraktion gesellt sich mit Priska Peter ebenfalls eine Frau. Die Münchwiler Ortsparteipräsidentin schaffte die Wahl überraschend vom zwölften Listenplatz aus. «Ich freue mich unheimlich», sagte sie denn auch auf Anfrage unserer Zeitung. Ihren Erfolg führe sie auf ihr Engagement in der Kommunalpolitik zurück, wie auch auf ihre 25 Jahre in der Feuerwehr und ihre zehn Jahre als Leiterin des Sanitätszuges.

«Als Geschäftsführer des Brauhauses habe ich wegen des Corona-Virus derzeit noch ganz andere Herausforderungen.»

Weniger überraschend kam die Wahl des Aadorfer Vizegemeindepräsidenten Stefan Mühlemann. Zwar war die SVP mit allen acht Bisherigen angetreten. Indes musste Cornel Inauen als frischgewählter Oberrichter auf die Wahl ins Kantonsparlament verzichten. Über die Klippe springen musste hingegen der Bisherige Clemens Albrecht. Da Mühlemann auf Anhieb den dritten Platz erreichte, sagte er auf Anfrage schlicht: «Ich bin begeistert!» Weil er sich aber mit Gemeinderats-, Nationalrats- und nun Kantonsratswahlen anderthalb Jahre fast nonstop im Wahlkampf befunden habe, sei er jetzt auch erleichtert, dass es vorbei sei. «Zumal ich als Geschäftsführer des Brauhauses wegen des Corona-Virus derzeit noch ganz andere Herausforderungen habe.»

«Als völliger Politneuling konnte ich nicht damit rechnen, auf Anhieb gewählt zu werden.»

Ebenfalls neu in den Grossen Rat zieht Isabelle Vonlan­then-Specker von den Grünen. Mit Jahrgang 1992 ist sie zugleich – mit Abstand – die jüngste Hinterthurgauer Kantonsrätin. Sie konnte, vom vierten Listenplatz aus, den Fischinger Ortsparteipräsidenten Matthias Kreier überholen. Auf Anfrage sagt sie: «Ich bin sehr überrascht über meine Wahl, aber ich freue mich mega!» Nebst der grünen Welle vermutet sie denn auch in ihrer Jugend und in ihrem Geschlecht den Erfolg. «Als völliger Politneuling konnte ich nicht damit rechnen, auf Anhieb gewählt zu werden.»

Der Anstieg von zwei auf drei Sitze freut natürlich auch den Bezirkspräsidenten der Grünen, Beat Imhof. Weil gestern aber auch sein Bruder, CVP-Kantonsrat Kilian Imhof, abgewählt wurde, sagt Beat Imhof: «Ich habe buchstäblich ein lachendes und ein weinendes Auge.» Zumal man im Kernanliegen der Grünen, dem Umweltschutz, mit der Hinterthurgauer CVP einen starken Verbündeten habe, sei der Sitzverlust der Christdemokraten umso schmerzlicher. Bezüglich des Zugewinns der eigenen Partei gibt sich der Grünen-Präsident bescheiden: «Klar haben wir auch den Aufwind der grünen Welle gespürt. Konkret hatten wir aber einfach Glück mit unserer Listenverbindung mit der SP, die uns zweitausend Stimmen verschafft hat.»

«Wir hatten einfach Proporzpech.»

Keine Sieger ohne Verlierer, zumindest in der Politik. Im Hinterthurgau müssen CVP und FDP je einen Sitz zu Gunsten der EVP und der Grünen abgeben. Auf Anfrage zeigt sich FDP-Präsident Harry Stehrenberger denn auch enttäuscht. Er blickt aber bereits optimistisch auf die Wahlen 2024. «Mit dem Wängemer Gemeindepräsidenten Thomas Goldinger, der Aadorfer Gemeindeschreiberin Manuela Fritschi und dem Münchwiler Schulpräsidenten Lukas Weinhappl haben wir auf den Plätzen drei bis fünf gleich drei Junge, die in ihren Gemeinden sehr gut gewählt wurden», sagt er. Ebenfalls enttäuscht ist CVP-Präsident Paul Rutishauser, zumal seine Partei an Wählerstimmen zulegen konnte und die Junge CVP 1288 Stimmen mehr erhielt als die EDU, welche ihren Sitz jedoch verteidigen konnte. «Wir hatten einfach Proporzpech», sagt Rutishauser.

Einen Sitz holen konnte, nebst den Grünen, auch die EVP. Hier machte Bezirkspräsident Mathias Dietz vom dritten Listenplatz aus das Rennen. Überrascht sei er nicht, sagt der Eschliker auf Anfrage. «Die Junge EVP und wir haben einen guten Wahlkampf gemacht, auf den wir viele positive Rückmeldungen erhalten haben.» Zudem sei er seit 20 Jahren als Diakon in Aadorf tätig, was ihm zu einem grossen Bekanntheitsgrad verholfen habe.

Die Wiederwahl geschafft haben mit Barbara Müller (SP) und Iwan Wüst (EDU) schliesslich auch die jeweils einzigen Hinterthurgauer Vertreter ihrer Parteien.