Frauenfeld: Künstlerischer Dialog

Zwei von einem Geiste: Tanja Strausak und Linda Ludolini stellen in der Stadtgalerie Baliere aus.

Dieter Langhart
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Vierte gemeinsame Ausstellung: Linda Ludolini und Tanja Strausak.

Vierte gemeinsame Ausstellung: Linda Ludolini und Tanja Strausak.

Bild: Andrea Stalder

Diese Augen: gross, leuchtend, direkt. Diese Lippen: üppig und sinnlich. Überlebensgross blicken die Frauen (und ein einziger Mann) von den Wänden der Baliere. Gemalt hat sie Tanja Strausak aus Eschlikon. Zart, fast zerbrechlich nehmen sich dagegen die Schalen und Vasen, Objekte und Figurinen von Linda Ludolini aus Bronschhofen aus. Was die beiden Künstlerinnen verbindet, ist nicht die Technik, nicht die Art und Grösse der Werke – es ist ein feiner Dialog, der sich dazwischen entspinnt. Oft aus verwandten Farbtönen, dann wieder aus der bewussten Anordnung und Gegenüberstellung. Tanja Strausak hat als erste gehängt, dann stellte Linda Ludolini ihre Keramiken hinzu. Hier sind zwei Frauen am Werk, die einander verstehen.

Die zwei Künstlerinnen haben sich vor zwei Jahren zufällig kennen gelernt – durch eine gemeinsame Freundin. Jacqueline Singenberger ist drum die ideale Person, um an der Vernissage beide zu würdigen.

Hortensienblüten als Motiv, Figuren im Dialog

Man mag es kaum glauben: Als Künstlerin begonnen hat Linda Ludolini vor zwanzig Jahren mit Eisenblech. Sie schnitt daraus Tiere, Schiffe, Kakteenbäume. Dann lernte sie Betongiessen, begann mit Ton zu arbeiten, seit drei Jahren mit dem feinsten Ton, jenem für Porzellan. Besonders angetan hat es ihr die japanische Nerikomi-Technik, bei der Farben eingeknetet werden.

Wiederkehrendes Gestaltungselement in Linda Ludolinis Keramiken sind Hortensienblüten. Mit deren Zartheit kontrastieren nur scheinbar die dicklichen Körper der stark stilisierten Figürchen, die die Künstlerin meist zu Gruppen formiert, zu Dialogen, kleinen Geschichten.

Der Betrachter kann sich den Blicken nicht entziehen

Tanja Strausak liebt die grosse Geste, das Kleine mag sie nicht. Und auch nicht das Graue, Unscheinbare. Sie malt in Öl und Acryl, mischt gern Pasten oder Rost dazu, variiert Techniken, verwischt mit dem Schwamm, lässt Farbe herabrinnen, überlagert manches Porträt mit zurückhaltenden Störelementen: «Ich suche mich immer noch.» Und beschränkt sich auf Quadrat und schmales Hochformat.

Sie malt schnell und nur Gesichter. Tanja Strausak liebt das Weibliche, das Sinnliche und Üppige. Fast all ihre Frauen haben eine dunkle Haut – der Hintergrund dagegen ist farbenfroh, oft knallig, dann wieder beinahe monochrom. Und jedes Gesicht schaut den Betrachter an.

«Farben und Formen»
Tanja Strausak und Linda Ludolini bestreiten die neue Ausstellung in der Stadtgalerie Baliere. Tanja Strausak malt riesige Porträts, zumeist Frauen, während Linda Ludolini zarte Gefässe, Objekte und kleine Figurinen aus Porzellan formt.
Vernissage: Fr, 29.11., 19 Uhr; bis 22.12. Fr 17–20, Sa/So 12–16 Uhr