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Zwei Jahre nach Havarie: Geothermie-Projekt in Schlattingen wirft die Pumpen wieder an

Seit Dienstag laufen auf dem Gemüsebaubetrieb Grob die Wasserpumpen wieder. Lange war das Projekt blockiert, nachdem bei einem ersten Versuch Schmutzwasser in den Rhein gelangte. Umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen sollen eine neuerliche Havarie verhindern.
Stefan Hilzinger
Anfang 2016 verschmutze Thermalwasser den Rhein. Ursache war natürliches Erdöl aus dem Untergrund. (Bild: Reto Martin 22. Februar 2016)

Anfang 2016 verschmutze Thermalwasser den Rhein. Ursache war natürliches Erdöl aus dem Untergrund. (Bild: Reto Martin 22. Februar 2016)

Die unsicheren Zeiten sind vorbei: Seit Dienstag fliesst rund 60 Grad heisses Wasser durch die Geothermie-Anlage auf dem Gemüsebaubetrieb Grob in Schlattingen - dies nach einem unfreiwilligen Unterbruch von gut zwei Jahren Dauer. Damals, im Februar 2016, sorgte der Betrieb für Schlagzeilen, als beim Anfahren des Pumpversuches mit Öl verschmutztes Wasser in den Rhein gelangte. Es war die grösste Havarie auf dem Rhein seit langem. Bauherr Grob vermutete Sabotage als Grund. Doch Anfang 2018 kam heraus, dass natürliches Erdöl aus dem Schlattinger Untergrund die Ursache war. Das stellte ein ägyptisches Speziallabor fest.

Gewächshäuser mit Thermalwasser heizen

Die Bohrungen dauerten von 2010 bis 2015. (Bild: Capar Hesse, 14. Juni 2013)

Die Bohrungen dauerten von 2010 bis 2015. (Bild: Capar Hesse, 14. Juni 2013)

Nun ist also der Anfang Jahr angekündigte Pumpversuch gestartet. Dieser soll rund ein Jahr dauern und dem Betrieb Daten liefern, um im kommenden Jahr beim Kanton die Konzession für einen dauerhaften Betrieb der Geothermie-Anlage zu erlangen. Das Thermalwasser will Grob dazu nutzen, die Gewächshäuser zu heizen und im Gegenzug auf Erdöl zu verzichten. Der Versuch soll zeigen, wie sich der Betrieb auf das Thermalwasser auswirkt. Das abgekühlte und aufbereitete Wasser soll «unter Einhaltung aller gesetzlichen Auflagen in den Rhein abgeführt werden», heisst es in einer Medienmitteilung der Firma. Dazu seien eine geschlossene Ableitung und «verschiedene Sicherheits- und Schutzmassnahmen realisiert worden». Diese Massnahmen sind eine Konsequenz der Havarie von vor zwei Jahren.

Thurgauer Pilotprojekt startete 2010

Fünf Jahre hat Gemüsebauer Hansjörg Grob nach heissem Wasser gesucht. Auftakt zum Geothermieprojekt in Schlattingen war im Dezember 2010, als die Bohrmaschine ihre Arbeit aufnahm. Im März 2015 waren die beiden Tiefenbohrungen abgeschlossen. In 1500 bis 2000 Meter Tiefe gibt es Wasser mit einer Temperatur von 65 Grad, das Grob nutzen will, um Gewächshäuser zu heizen und so Erdgas oder Erdöl zu ersetzen. Die Kosten für die Bohrungen belaufen sich auf 3,5 Millionen Franken. Der Kanton Thurgau hatte sich im Sommer 2010 per Grossratsentscheid verpflichtet, zwei Millionen Franken als Risikogarantie zu leisten. Dies, nachdem der Kanton Ende 2009 eine Studie veröffentlicht hatte, die das Potenzial von Geothermie im Thurgau aufzeigte. Grobs Vorhaben sollte als Pilotvorhaben für diese erneuerbare Energie unterstützt werden. Mit einer knappen Million Franken beteiligte sich auch die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) an den Bohrungen. Sie erhofft sich geologische Erkenntnisse, etwa für das im nahen Zürcher Weinland diskutierte Endlager. Im Frühjahr 2015 startete Grob mit dem Probebetrieb, um das Thermalwasser als Heizenergie zu nutzen. Im Mai 2015 kam es zu einer ersten Ölverschmutzungen im örtlichen Geisslibach. Der Probebetrieb wurde unterbrochen und hätte im Februar 2016 wieder aufgenommen werden sollen, wo es zur neuerlichen Verschmutzung kam. (hil)

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