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Frauenfelder Stadtratskandidat Fabrizio Hugentobler trägt zwei Herzen in seiner Brust

Feuerwehrkommandant Fabrizio Hugentobler will in den Frauenfelder Stadtrat. Der Kandidat der FDP mit italienischen Wurzeln erzählt von einem seiner «freiheitsliebenden Momente».
Rahel Haag
Fabrizio Hugentobler vor der Graffitiwand bei der Badi Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Fabrizio Hugentobler vor der Graffitiwand bei der Badi Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Er habe es genossen, als er heute Morgen zu Fuss zur Arbeit gegangen sei. «Der Schnee entschleunigt irgendwie», sagt Fabrizio Hugentobler und schaut nach draussen, wo unablässig die Flocken fallen. Der 48-Jährige hat, abgesehen von kurzen Unterbrüchen, sein ganzes Leben in Frauenfeld verbracht. Nun kandidiert er für einen Sitz im Stadtrat.

Teil seines Wahlkampfs ist eine blaue Piaggio Ape. Mit dem dreirädrigen Kleintransporter, dessen Seiten sein Konterfei ziert, ist Hugentobler jeweils in der Stadt unterwegs und sucht das Gespräch mit der Bevölkerung. Zum Glück sei es ein Zweiplätzer, sagt er, so könne er ab und zu seinen jüngsten Sohn Mattia oder seine Frau Suzana mitnehmen.

«Wobei mir die Kabinengrösse nicht ganz entspricht.»

Er lacht. Einen Meter und 86 Zentimeter misst Hugentobler. Darüber hinaus steht das Gefährt für seine italienischen Wurzeln. «Ich fand, das passt zu mir.»

Abläufe auf italienischer und Schweizer Verwaltung

Fabrizio Hugentobler ist der Sohn eines Schweizers und einer Italienerin. In seiner Brust würden zwei Herzen schlagen. In den 90er-Jahren arbeitete er ein knappes Jahr lang für die Sia AG in Mailand. Er könne sich noch gut an den ersten Termin mit seinem damaligen Chef auf der italienischen Verwaltung erinnern:

«Es war der blanke Horror – noch wie zu Vorkriegszeiten.»

Er schüttelt den Kopf. In diesem Zusammenhang sei er klar der Schweizer. Hugentobler ist seit 2006 Leiter des Amts für Freizeitanlagen und Sport der Stadt und kennt die Abläufe auf einer Verwaltung. Schlank und einfach laufe es hier.

«Manchmal kann ich aber schon ein richtiger Italo sein.» Wenn es unsachlich oder unfair werde, dann komme es vor, dass seine Emotionen überkochen.

«In solchen Situationen werde ich jeweils entsetzt angeschaut, weil mich die Leute so nicht kennen.»

Einmal, das sei aber «schon ewig her», habe es ihm bei einer Feuerwehrübung den Deckel gelupft. Ein Passant habe im Vorbeigehen sinngemäss gefragt, ob sie nichts Gescheiteres zu tun hätten. «Da opfern so viele Leute ihre Freizeit und dann kommt einer und macht sich lustig.» Das habe ihn aufgeregt.

Seit über 25 Jahren engagiert er sich in der Frauenfelder Feuerwehr und hat damit seine Mutter Lügen gestraft: Sie hatte prophezeit, dass er nach einem oder zwei Jahren wieder aufhören würde.

«Damals, mit Anfang 20, wollte ich etwas für die Allgemeinheit machen.»

Seit fünf Jahren ist er im Nebenamt Kommandant. Würde er am 10. Februar gewählt werden, müsste er dieses Amt aber abgeben. Die Nachfolgeplanung laufe bereits. Nicht, weil sich Hugentobler sicher ist, dass er den Sprung in den Stadtrat schafft, sondern weil er auf Ende 2020 ohnehin als Feuerwehrkommandant zurücktritt.

Als Kommandant auf Gemeinderat verzichtet

Die Feuerwehr beschreibt er als Spiegel der Gesellschaft. «Bei uns sind alle vertreten – vom Büezer bis zum Physiker.» Trotz der grossen Bandbreite funktioniere die Zusammenarbeit extrem gut. «Das kommt wohl daher, dass alle dasselbe Ziel vor Augen haben.» In der Politik sei das schwieriger. «Dort beharrt man leider eher auf seinem Standpunkt.» Politisch ist Hugentobler bisher ein unbeschriebenes Blatt.

«Aufgrund meiner Anstellung konnte ich mich nicht ins Parlament wählen lassen.»

Als Amtsleiter habe er aber eng mit dem Stadtrat zusammengearbeitet. «Ich habe die Politik aus einer anderen Optik kennen gelernt.» Könnte er ein Ressort wählen, würde er «wegen meines Rucksacks» zum Departement Werke, Freizeitanlagen und Sport oder aber Bau und Verkehr tendieren.

Aufgewachsen ist Hugentobler mit zwei älteren Geschwistern. «Ich war das Nesthäkchen, man könnte auch Nachzügler sagen.» Seine Schwester ist zwölf Jahre älter, sein Bruder neun. «Als ich zwölf war, wurde ich zum ersten Mal Onkel.» Hugentobler selber ist seit elf Jahren in zweiter Ehe verheiratet. Insgesamt hat er drei Söhne, zwei aus erster und einen aus zweiter Ehe. Er gehe offen damit um. «Es gehört zu meiner Geschichte.»

Am Geburtstag von zwei Militärpolizisten geweckt

Vor sechs Jahren ist Hugentobler der FDP beigetreten. Es war der liberale Grundgedanke, der ihn ansprach. Freiheit sei ihm wichtig. Einen seiner «freiheitsliebenden Momente», wie er es nennt, hatte er im Mai 2013. Sein Sohn Mattia habe sich zu seinem fünften Geburtstag spontan gewünscht, eine Nacht im Zelt zu verbringen. «Ich hatte keine Lust, in Reih und Glied auf dem Campingplatz zu schlafen», sagt Hugentobler. Also hätten sie ihr Zelt im Thurvorland aufgestellt.

«Am nächsten Morgen weckten uns zwei uniformierte Militärpolizisten.»

Er schmunzelt. Es sei bei einer Verwarnung geblieben. Ein Grund, weshalb Hugentobler immer in seine Heimatstadt zurückkehrte, ist der Sport. Lange Zeit spielte er Wasserball in der Nati A. «Alles in allem habe ich über ein Jahr meiner Lebenszeit in der Badi Frauenfeld verbracht.» Teilweise habe er fünfmal pro Woche trainiert und dabei gelernt, dass man sich in einem Team manchmal unterordnen muss. «Sonst funktioniert es nicht.»

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