Zwei auf einen Streich: In Kreuzlingen und Tägerwilen fanden zwei Openairs statt - trotz oder gerade wegen Corona

Das Oben Toben Festival in Tägerwilen und das Kultling Openair in Kreuzlingen unterhielten die Besucher mit guter Musik und Geselligkeit. Schutzmassnahmen mahnten vor der Pandemie. Den Feierwütigen war das aber nicht so wichtig. Hauptsache man kann wieder feiern.

Viviane Vogel
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Die Band OGMH auf der Bühne des See-Burgtheaters in Kreuzlingen unterhielt das Publikum beim Sonnenuntergang mit ihrer Musik.

Die Band OGMH auf der Bühne des See-Burgtheaters in Kreuzlingen unterhielt das Publikum beim Sonnenuntergang mit ihrer Musik.

Bild: Donato Caspari (Kreuzlingen, 15. August, 2020)

Corona ist an diesem Samstagabend weit weg, und doch an jeder Ecke präsent. Die Sonne ist noch nicht untergegangen, da wird auf dem Pfaffenbüel und am Bodenseeufer schon ausgelassen getanzt und gesungen. «Die Entscheidung, am Oben Toben Festival teilzunehmen fiel unabhängig von Corona», erzählt Besucherin Sandra Iten-Cambeiro.

Ihre Begleiterin fügt hinzu: «Erst im Auto haben wir uns gefragt, ob wir Masken hätten einpacken sollen.» Doch das war nicht nötig. Auf dem Gelände sind Masken gratis und freiwillig erhältlich – ein ungenutztes Angebot. «Wir haben den Lockdown brav mitgemacht und uns zurückgenommen. Jetzt haben wir eine solche Sommernacht mal wieder richtig verdient», sagt Iten-Cambeiro.

Die deutsche Band Major Nyne am Oben Toben Open Air in Tägerwilen.

Die deutsche Band Major Nyne am Oben Toben Open Air in Tägerwilen.

Bild: Donato Caspari (Tägerwilen, 15. August 2020)

Der erste grosse Anlass seit dem Lockdown

Vier Kilometer weiter ist das Kultling Festival bereits vor 21 Uhr ausverkauft. Jessica Meier ist froh, dass wenigstens dieser Anlass stattfindet.

«Die Enttäuschung war sehr gross, als die Open Airs in St. Gallen und Zürich abgesagt wurden.»

Nebenan lässt eine Gruppe Mittdreissiger das Bier in Strömen fliessen. Einer von ihnen sagt: «Das ist für uns der erste grössere Anlass seit dem Lockdown.»

Der Grund für seine Gelassenheit: «Ich glaube, ich bin schon im Januar daran erkrankt. Da erfasste unsere Familie eine Grippewelle und jeder klagte der Reihe nach über Symptome, die unterdessen dem Virus zugeschrieben werden.» Er hoffe nun auf Immunität.

Veranstalter nehmen die Pandemie ernst

Während die Feiernden die Pandemie in den Hintergrund schieben, wird sie von den Veranstaltern hervorgehoben: Abstandsschilder, Desinfektionsmittel und Waschbecken pflastern beide Festgelände und ermahnen die Gäste. Zudem ist das Kultling umgestellt, eingezäunt und durch Personenzähler kontrolliert, die ab 300 Gästen niemanden mehr einlassen.

Schutzmassnahmen sind präsent.

Schutzmassnahmen sind präsent.

Donato Caspari

Die Veranstalter der beiden coronatrotzenden Open Airs haben das grosse Bedürfnis antizipiert. «Die Lockerungen des Bundes Anfang Juli animierten uns dazu, den Anlass durchzuziehen», sagt Jana Koch, Präsidentin des Vereins Konzerte Tägerwilen. «Corona dämpft die Stimmung überhaupt nicht, die Leute sind mindestens so ausgelassen wie in den vergangenen Jahren. Es kommen natürlich auch nur diejenigen, denen es unter Menschen wohl ist.»

Feiern und Geselligkeit am Oben Toben Festival

Feiern und Geselligkeit am Oben Toben Festival

Bild: Donato Caspari

Koch geht davon aus, dass es einige Besucher gibt, die aufgrund der Pandemie zu Hause geblieben sind, was auf dem Festivalgelände zu der einheitlichen Einstellung zu Corona führt. Wer Angst hatte, war nicht anwesend, und konnte folglich auch nicht den Konsens des Partyvolkes stören.

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