Holzpreise im Keller: Zwangspause für Motorsägen im Thurgau

Hunderte von Fichten sind im Thurgau wegen des Borkenkäfers gefällt worden. Doch das Holz findet keine Abnehmer, es stapelt sich in Zwischenlagern. Waldbesitzer sind verzweifelt. Nun schreitet der Kanton ein.

Silvan Meile
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In Uesslingen ist eines der Zwischenlager für Holz entstanden, das wegen des Borkenkäfers geschlagen werden musste. (Silvan Meile)

In Uesslingen ist eines der Zwischenlager für Holz entstanden, das wegen des Borkenkäfers geschlagen werden musste. (Silvan Meile)

Die Krise der Holzwirtschaft erreicht eine neue Dimension. An der Thur in Uesslingen türmen sich derzeit Holzstämme. «Die Borkenkäfer fressen sich buchstäblich durch den Wald und hinterlassen viele absterbende Fichten», sagt Revierförster Paul Koch. Der heisse und trockene Sommer bot dem Schädling ideale Bedingungen. Das setzt den ohnehin wegen der Hitze geschwächten Fichten enorm zu. Ganze Bestände dieser Rottannen müssen derzeit aus den Wäldern geschlagen werden, um den Borkenkäfer daran zu hindern, noch mehr Schaden anzurichten. Sobald eine Fichte befallen ist, muss sie raus aus dem Wald. Für diese Massnahmen zum Schutz des Forstes bezahlt der Kanton den Waldbesitzern sogar eine finanzielle Entschädigung.

Kantonales Forstamt fordert zum Schlagstopp auf

Doch das nächste Problem zeigt sich ausserhalb des Waldes: Auf dieses viele Holz, das wegen des kleinen Schädlings aus dem Wald geschafft werden muss, hat niemand gewartet. Es findet keine Abnehmer. Ausserdem sind die Sägereien noch immer mit der Verarbeitung der Bäume ausgelastet, welche die Stürme anfangs Jahr niederfegten. Im westlichen Kantonsteil ist die Situation besonders schlimm. Deshalb sind im Unterthurgau mehrere Zwischenlager mit Baumstämmen entstanden. Mindestens einen Kilometer vom nächsten Fichtenwald entfernt, lagern die Förster das Holz. Das hat es in diesem Ausmass noch nie gegeben.

Georg Müller, Präsident des Thurgauer Waldwirtschaftsverbands, spricht von einer «desolaten Situation». Im Thurgau würden bis im Herbst wegen des Borkenkäfers bis zu 40 000 Kubikmeter Holz in Zwischenlagern auf Verarbeiter und Abnehmer warten. Das veranlasst nun das kantonale Forstamt, am Freitag mit einem Aufruf im Amtsblatt zu intervenieren. «Wegen der grossflächigen Borkenkäfer-Befällen werden Waldbesitzer aufgefordert, ab sofort kein anderes, gesundes Holz mehr zu schlagen», weiss Müller. Das soll die desolate Situation auf dem Holzmarkt etwas entspannen. Von dieser Aufforderung ausgeschlossen seien Bestellungen, die bereits abgemacht wurden.

Waldeigentümer erwarten Solidarität

Die Holzpreise bewegen sich seit Jahren nur noch gegen unten. Heute decke der Ertrag aus dem Forst den Aufwand für Schlag und Transport nicht mehr, sagt Müller. «Ein Waldbesitzer legt pro Kubikmeter Holz fünf Franken drauf.» Richtig schlimm sei es seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses. Damals hätten die Waldeigentümer einen Preisrückgang von 10 bis 15 Prozent akzeptiert. Dieser bestünde bis heute. «Jetzt müsste doch von der Holzindustrie etwas Solidarität zu erwarten sein», sagt Müller und denkt an einen besseren Preis für die Waldeigentümer. Doch damit stösst er auf taube Ohren. Die Waldwirtschaft ist dem rauen Wind des internationalen Geschäfts ausgeliefert. Die Stimmung in der Branche ist wie der Preis im Keller.

Schon lange suchen Waldeigentümer vergeblich nach der Antwort, wie sie aus ihrer misslichen wirtschaftlichen Lage herausfinden. Für Müller ist eines klar: Die Bevölkerung, vor allem aber die Baubranche, muss noch stärker für Schweizer Holz sensibilisiert werden, auch wenn dieses etwas mehr kostet. Diese Meinung teilt Revierförster Koch, der in der Ostschweiz den Holzwirtschaftsverband Lignum präsidiert. Zwar erlebe der Bau mit Holz einen Boom, doch es werde zu wenig einheimisches Holz berücksichtigt. Koch sitzt für die SVP im Thurgauer Grossen Rat, wo er nun einen Vorstoss einreichte. Darin will er vom Kanton wissen, wie dieser das Thurgauer Holz noch weiter fördern könne. In das gleiche Horn stösst SVP-Kantonsrat Daniel Vetterli. Auch er fordert von der Kantonsregierung Massnahmen zur besseren Vermarktung und Verarbeitung des einheimischen Holzes.