Zuversicht und Sorgen zugleich: Zwiespalt bei den Organisatoren des Thurgauer Kantonalgesangsfestes in Frauenfeld

Mitte Mai kehrt das Kantonale Gesangsfest nach knapp 40 Jahren wieder nach Frauenfeld zurück. Bis dahin hat das Organisationskomitee um Werner Dickenmann noch einiges zu tun. Und es sorgt sich um die Zukunft des Singwesens und um Zusagen von genügend Helferinnen und Helfern.

Samuel Koch
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Lokale Köpfe bilden den Kern des Organisationskomitee: René Aebi, Ressortleiter Musik, Iris Eleutheri, Ressort Personal/Helfer, OK-Präsident Werner Dickenmann und Bauchef Bruno Lenz.

Lokale Köpfe bilden den Kern des Organisationskomitee: René Aebi, Ressortleiter Musik, Iris Eleutheri, Ressort Personal/Helfer, OK-Präsident Werner Dickenmann und Bauchef Bruno Lenz.

(Bild: Samuel Koch)

Wo Do Re Mi, da sind Fa So La Ti Do nicht weit – selbst für Laien. Zumindest die ersten drei Töne der sogenannten Solmisation zieren in pastellfarbenen Buchstaben auf rotem Grund das Plakat des Kantonalen Gesangsfestes, das vom 15. bis 17. Mai in die Hauptstadt zurückkehrt.

Das Plakat für das bevorstehende Kantonale Gesangsfest.

Das Plakat für das bevorstehende Kantonale Gesangsfest.

(Bild: PD)

Mit dem Prädikat fest-erprobt ist Frauenfeld längst ausgezeichnet, etliche Mal gingen in und um die Stadt kantonale, ja gar eidgenössische Feste über die Bühne. Das Kantonale Gesangsfest jedenfalls gastierte letztmals vor knapp 40 Jahren in Frauenfeld. Seit der Einführung 1829 findet es nun bereits zum neunten Mal in Frauenfeld statt – zum 77. Mal insgesamt.

Als fest-erprobt darf auch Werner Dickenmann bezeichnet werden, der das OK des zuletzt vor zwei Jahren erfolgreichen Auftritts des Kantons an der Olma leitete. Der alt Stadtrat hält als OK-Präsident des Kantonalen Gesangsfests mit zirka 70 Chören, rund 1800 Sängern sowie 3500 erwarteten Besuchern die Fäden zusammen.

Überhaupt erst zum Handkuss gekommen ist Frauenfeld aber dank der Bewerbung des Damenchors Kurzdorf mit Sandra Wiederkehr und Iris Eleutheri sowie des Belcanto-Chors mit Hansueli Looser. «Sie bilden den Trägerverein und sind lokal verankert», sagt Dickenmann.

Zentral gelegen und in bestehender Infrastruktur

Knapp drei Monate vor dem Fest befindet sich das 18-köpfige OK auf Kurs. Als Standort sticht das Obere Mätteli mit Festwirtschaft und einer Tribüne sowie der Terrasse beim Staatsarchiv fürs Publikum heraus. Ausserdem stellt die Armasuisse einen Teil der Stadtkaserne zur Verfügung mit Kantine, Helferzentrum und Festmeile. «Wir haben alle nötigen Zusagen», sagt Bauchef Bruno Lenz.

Die Vorteile des zentral gelegenen Festgeländes liegen fürs OK mit der Anbindung an den ÖV und der bestehenden Infrastruktur auf der Hand. Dickenmann meint:

«Wir sind uns sicher, dass wir ein grosses Fest mit einer wunderbaren Stimmung erleben werden.»

Noch etwas Kopfzerbrechen bereiten dem OK die bisher erst 56 Anmeldungen von Thurgauer Chören. «Wir hätten uns mehr Chöre erhofft», sagt René Aebi, zuständig fürs Ressort Musik. Das Problem sei das Chorsterben, meint er und ergänzt: «Es singen zwar viele junge Leute, aber nicht in Vereinen miteinander.» Es gebe aufmunternde Beispiele wie den Männerchor Buch oder die Chormanne Mammern. Aebi witzelt:

«Aber wir müssen die schwierige Aufgabe anpacken und etwas gegen die Überalterung im Singwesen tun, allenfalls mit einer Krankenkassen-Subvention.»

Denn Singen beuge Depressionen vor, ja verleihe durch Emotionen gar Glückseligkeit. Mit ausserkantonalen und gar internationalen Teilnehmern würden schliesslich im Mai in Frauenfeld rund 70 Chöre zum Wettkampf mit Jury und Noten auftreten. Auf dem Festgelände treten die Chöre primär zur Unterhaltung auf.

Bisher mässiges Echo bei Rekrutierung von Helfern

Den Grossteil des Budgets von 300'000 Franken generiert das OK über Sponsoring sowie Beiträge aus dem Lotteriefonds und von der Stadt. «Die öffentliche Hand unterstützt uns sehr», sagt Dickenmann. Generell spüre das OK viel Goodwill. So stellen etwa die Schulen Frauenfeld, zwei grosse Kirchen und die Armee ohne Entgelt Infrastrukturen zur Verfügung.

Hingegen noch nicht wie erwünscht läuft der Zuwachs an Helferinnen und Helfern. Einerseits für Festwirtschaft und Verpflegung, andererseits für Auf- und Abbau. Iris Eleutheri sagt:

«Das Echo unserer Anfrage bei allen Vereinen war gering.»

«Wir stellen bei der Bevölkerung eine gewisse Übersättigung an Helfereinsätzen fest», sagt Bruno Lenz und erwähnt im gleichen Atemzug das Mitsommerfest.

Aufgeben kommt fürs OK aber nicht in Frage, weshalb dessen Mitglieder für möglichst 400 Helfer nochmals mit Nachdruck aufrufen wollen. Zudem rekrutieren die Chöre des Trägervereins zusätzlich Leute, auch im Umfeld. Verbessert sich die Lage in den nächsten Wochen nicht, kommt das Notfallprogramm zum Zug. «Dann müssen wir Auf- und Abbau extern vergeben, was wiederum Kosten verursacht», meint Lenz. Das OK gibt sich aber zuversichtlich, dass sich noch viele Helferinnen und Helfer melden werden.

www.tg-gesangfest2020.ch

GASTKANTON: «Etwas für alle Sinne bieten»

Serie «Olma, wir kommen!» (2): Werner Dickenmann ist OK-Präsident des Thurgauer Gastauftritts an der Olma 2017. Im Interview sagt er, wieso er für die Aufgabe zugesagt hat, wie der Vorbereitungsstand ist und was es mit dem «Thurgauer Pass» auf sich hat.
Sebastian Keller