Trotz Brand und Beinahe-Insolvenz: Zuversicht in der Schreinerei in Hörhausen

Nach geglückter Nachlassstundung schöpft die Hörhauser Hans Eugster AG neue Hoffnung.

Salome Preiswerk Guhl
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Ronny Eugster in der Werkstatt.

Ronny Eugster in der Werkstatt.

Bild: Salome Preiswerk Guhl

«Jetzt ist der Zeitpunkt da, dass wir wieder auf eigenen Beinen stehen» sagt Ronny Eugster und blickt auf eine turbulente Zeit zurück. Der 30-jährige Schreiner ist seit einem Jahr in dritter Generation Eigentümer und Geschäftsführer der Hans Eugster AG in Hörhausen. Mit der abgeschlossenen Nachlassstundung und dem Auszahlen einer Nachlassdividende habe die angeschlagene Firma nun die Stabilisierung geschafft, jetzt müsse sich sein Unternehmen beweisen, sagt Ronny Eugster.

Schon länger in finanzieller Schieflage

Als er die Firma im Mai 2019 übernahm, wusste er bereits, dass sich das Unternehmen in finanzieller Schieflage befand. «Klar, es wurden grobe Fehler gemacht. Aber nicht alles war falsch, sonst gäbe es unsere Firma nicht schon seit über 50 Jahren. Mir ging es vor allem um die Erhaltung der Arbeitsplätze.»

Er rechnet es seinem Grossvater, Vater und seinen Onkeln – den bisherigen Inhabern – hoch an, dass sich diese innerhalb von zwei Wochen nach Übernahme konsequent zurückgezogen hatten und neue berufliche Herausforderungen gesucht und gefunden haben. Durch natürliche Abgänge reduzierte sich die Belegschaft von 45 auf 33 Mitarbeiter.

Nach dem Brand brodelte die Gerüchteküche

«Mit dem Brandfall vom 6.November 2019 wurden wir kurzzeitig handlungsunfähig», sagt Eugster. Damals brannte eine Lager- und Produktionshalle komplett ab. «Über 100 Feuerwehrleute standen damals im Einsatz, ihnen gilt ein grosser Dank. Wir sind froh, dass keine Personen zu Schaden kamen.»

Im Zusammenhang mit dem Brandfall brodelte daraufhin die Gerüchteküche. Ein Verdächtiger wurde festgenommen. Doch gemäss Aussage von Staatsanwalt Patrick Müller bestehen keine Hinweise und es werden keine Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Organe, Mitarbeiter oder Nahestehende der Hans Eugster AG geführt.

In seinem ersten Jahr als Geschäftsführer habe er einiges gelernt: «Ich pflege mit Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten eine offene Kommunikation und damit bin ich gut gefahren.» Mit seiner positiven Art erfuhr Ronny Eugster viel Loyalität, «auch wenn es mal ‹gekesselt› hatte».

Nach Nachlassstundung und Brandfall managt Ronny Eugster nun das Unternehmen auch durch die Coronakrise. «Unsere zwei Schwerpunkte in Holzbau und Schreinerei stärken wir künftig, indem wir Kompetenz und Know-how im Haus behalten, jedoch vermehrt mit Partnern zusammenarbeiten. Unsere Betriebsstruktur wird baulich vereinfacht und Abläufe werden effizient eingerichtet.» Dabei könne er auf ein gut ausgebildetes, ehrliches Team zurückgreifen. Eugster sagt:

«Zwar sind zur Zeit private Kunden Corona-bedingt vorsichtig mit Aufträgen, aber die Grundauslastung ist da».
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