Thurgauer stehen für einen Vaterschaftsurlaub zusammen

Grossväter, Väter und künftige Väter weibeln für einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub. Auch Thurgauer Frauen unterstützen die Vorlage, die am 27. September zur Abstimmung gelangt.

Manuela Olgiati
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Sie werben für einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub.

Sie werben für einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub.

Bild: Mario Testa

Pascal Mächler von der SP Bischofszell schiebt einen Kinderwagen mit Puppe «Maira» über den Weinfelder Marktplatz. Ihm folgen weitere Männer, aber auch Frauen. Die Botschaft der Gruppe lautete: Ein Ja für einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub. «Die Zeit ist reif», sind sich die Befürworter einig. «Die Vaterrolle stärken und die Ehefrau unterstützen, ist für mich zentral», sagt Pascal Mächler.

Heute gibt es einen freien Tag – das sei zu wenig

Für die politische Aktion hat sich eine Gruppe Thurgauer Sozialdemokraten, Juso-Mitglieder und Grüne versammelt. Sie tragen ihre Argumente vor: Alle Väter in der Schweiz sollen einen Vaterschaftsurlaub erhalten. Heute gibt es bei der Geburt des eigenen Kindes von Gesetzes wegen einen freien Tag. «Das ist zu wenig», sagt der Frauenfelder SP-Gemeinderat Pascal Frey, Hausmann, der seine zwei Kinder betreut.

Das Stimmvolk wird am 27.September über die Änderung des Erwerbsersatzgesetzes entscheiden. Julian Fitze sagt:

«Auf dem Lohnzettel kosten die Vaterschaftstage pro Monat nicht mehr als eine halbe Tasse Kaffee.»

Der Sekretär der SP Thurgau, der den Anlass organisiert hat, betont, dass die Abstimmungsvorlage mehr Gewicht erhalten soll. Kosten würden auf alle Erwerbstätigen und Arbeitgeber verteilt. Das mache den Vaterschaftsurlaub günstig und gebe den KMU Planungssicherheit.

Andere Länder seien weiter

Emil Frischknecht von der SP Weinfelden spricht von einer «Insel Schweiz». Andere Länder seien weiter. Die Vaterzeit sei eine prägende Phase. «Ich arbeitete, als die eigenen Kinder geboren wurden», sagt Frischknecht, Vater von drei erwachsenen Kindern und sechs Enkelkindern rückblickend. Heute als Grossvater wolle er mitbetreuen.

«Der Vaterschaftsurlaub muss zu einem Grundpfeiler der Wirtschaft werden», doppelt der Kreuzlinger SP-Stadtrat Markus Brüllmann nach. Seine Ehefrau Pascale Brüllmann erzählt von der Geburt ihrer drei Kinder, und dass sie sich Entlastung gewünscht hätte.

Vaterschaftsurlaub ist auch ein Frauenanliegen

Julian Fitze betont: «Zwei Wochen sind erst der Anfang.» In Zukunft gehe es auch darum: Die Mütter tragen die finanzielle Verantwortung für die Familien mit, während Väter sich aktiv in Erziehung und Betreuung engagieren. «Frauenanliegen zu unterstützen, beinhaltet für mich auch den Vaterschaftsurlaub zu unterstützen», sagt SP-Kantonsrätin Barbara Dätwyler aus Frauenfeld.

Nina Schläfli aus Kreuzlingen spricht von Solidarität. Dass Frauen nach dem Mutterschaftsurlaub in ihrem Beruf weiterarbeiten können, dazu brauche es auch die Väter, sagt die Präsidentin der SP-Thurgau. Mit der Vorlage könnte das Familien- und Berufsleben besser miteinander vereinbart werden. Der ehemalige SP-Kantonsrat Peter Gubser sagt:

«Meine Enkelkinder sollen es einmal besser haben als ich.»

Als Lehrer habe sich die Geburt seiner drei Kinder nicht auf die Sommerferien planen lassen. Der Vaterschaftsurlaub sei ein «Generationenthema». Er mache sich schon heute Gedanken zu diesem Thema, auch wenn Vaterwerden vielleicht erst in zehn Jahren aktuell sei, sagt der 21-jährige Jungsozialist Lukas Binzegger. Deshalb brauche die Vorlage am 27. September Unterstützung an der Urne.