Zusammenhalt statt Inhalt: Weinfelder Kantonsrat-Kandidatinnen gründen eine IG für die Sichtbarkeit der Frauen

Parteiübergreifend zeigen sich Weinfelder Grossrats-Kandidatinnen auf einem Flyer.

Sabrina Bächi
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Ein Blick ins Weinfelder Parlament zeigt: Die Männer sind in der klaren Mehrheit.

Ein Blick ins Weinfelder Parlament zeigt: Die Männer sind in der klaren Mehrheit.

(Mario Testa, 20. Dezember 2018)

«Nach den vergangenen Parlamentswahlen in Weinfelden sagten wir: Jetzt müssen wir was tun.» Ursi Senn-Bieri, Stadträtin in Weinfelden, hat sich mit Nicole van Rooijen zusammen getan und sich überlegt, wie die Stadt mehr Frauen in die Politik bekommt. Der erste Schritt heisst sichtbar machen. Und das geht so:

Für die kommenden Kantonsratswahlen haben van Rooijen und Senn alle Weinfelder Kandidatinnen angeschrieben, ob sie gemeinsam auf einem Flyer auftreten wollen. «Der Rücklauf war überraschend positiv», sagt Senn. Der Aufruf folgte über die Parteipräsidien, die Frauen mussten sich schliesslich selbst melden. Alle hätten das dann aber nicht getan. «Manche wollen nicht, das gilt es zu respektieren», sagt die Stadträtin.

SVP Weinfelden hat keine Frau gefunden

Von der EDU sei beispielsweise keine Kandidatin dabei. Die SVP-Ortspartei wiederum hat keine Weinfelderin gefunden, die für den Grossen Rat kandidieren will. «Die Parteileitung hat ihr bedauern ausgedrückt, weil sie den Frauenflyer eine gute Sache finden.» Allgemein stosse die Aktion auf Anklang.

Ursi Senn-Bieri, Stadträtin Weinfelden.

Ursi Senn-Bieri, Stadträtin Weinfelden.

(Bild: Andrea Stalder)

Es sei wahrscheinlich das erste Mal, dass sich die Weinfelderinnen so verbünden, sagt Senn. «Ich spüre einen grossen Zusammenhalt unter uns Kandidatinnen, das ist erfreulich», sagt Senn-Bieri. Denn im Endeffekt, das schlecke halt keine Geiss weg, seien sie doch Konkurrentinnen im Kampf um einen Sitz im Grossen Rat.

Keine Logos auf dem Flyer

Doch für den Flyer, das betont Senn, gehe es absichtlich nicht um politische Inhalte, sondern ums Geschlecht. «Wir repräsentieren schliesslich die Hälfte der Bevölkerung», sagt sie. Im Mittelpunkt stehe die Vernetzung und der gemeinsame Auftritt in der Öffentlichkeit. Der Flyer landete am Dienstag in den Weinfelder Briefkästen. Darauf zu sehen sind Fotos der Frauen, sie vertreten die SP, GP, CVP, FDP, GLP und EVP.

Es sind jedoch keine Logos abgebildet und die Farben in Lachs, Orange und Violett gehalten. Ganz unten rechts steht: «IG Weinfelder Frauen in den Grossen Rat». Die Kosten für den Flyer hätten die Frauen gemeinsam getragen, sagt Senn. Weil sie kein weiteres Budget hätten, gebe es auch keine Veranstaltungen.

«Es ist jedoch geplant eine Gruppe zu gründen, um mehr Frauen für die Stadt-Parlamentswahlen zu finden.»

Ein Gespräch mit Alliance F, dem Dachverband für die Stimmen der Frauen in der Schweizer Politik, habe gezeigt, dass es wichtig sei, Frauen früh zu fördern. Diese Weinfelder Frauengruppe wäre ebenfalls parteiübergreifend. Nebst den beiden Initiantinnen der IG, Senn und van Rooijen, seien in der neuen Gruppe für Frauen im Weinfelder Parlament auch Elsi Bärlocher, Claudia Bieg, Anna Kradolfer und Dominique Bornhauser dabei.