Thurgauer Bauern kritisieren Kanton und fordern, dass bei der Thur-Renaturierung zurückgerudert wird

Die Landwirtschaft verlangt eine Überarbeitung des Projekts «Thur+». Der Verlust an Kulturland müsse um 60 Hektaren reduziert werden, lautet die Kernforderung der Bauernverbands.

Christian Kamm
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«Bestes Ackerland wird der Thur geopfert»: Nationalrat Manuel Strupler (links) und Co-Bauernpräsident Daniel Vetterli (rechts) zusammen mit betroffenen Bauernfamilien im Thurvorland bei der Eschikofer Brücke.

«Bestes Ackerland wird der Thur geopfert»: Nationalrat Manuel Strupler (links) und Co-Bauernpräsident Daniel Vetterli (rechts) zusammen mit betroffenen Bauernfamilien im Thurvorland bei der Eschikofer Brücke.

Bild: Reto Martin

Das Seilziehen um die neue Thurkorrektion ist in vollem Gang. 340 Millionen Franken verteilt auf 30 Jahre will der Kanton für das Generationenprojekt «Thur+» verbauen. Nachdem die Umweltverbände das Konzept Mitte Oktober als zu wenig weitgehend kritisiert haben, meldete sich am Mittwoch nun mit Landwirtschaftsvertretern und betroffenen Bauern die Gegenseite zu Wort: «Thur+» müsse überarbeitet und der Landverbrauch um 60 Hektaren redimensioniert werden, lautet die Kernforderungen. Und: «Der Kanton muss mit den Landbesitzern zusammensitzen», sagte SVP-Nationalrat Manuel Strupler, der auch Vorstandsmitglied des Bauernverbandes ist:

«Wir sind Partner. Aber wir wollen auch so wahrgenommen werden.»

«Beste Ackerfläche wird der Thur geopfert»

Daniel Vetterli, Co-Präsident des Thurgauer Bauernverbandes.

Daniel Vetterli, Co-Präsident des Thurgauer Bauernverbandes.

Reto Martin

Daniel Vetterli, Co-Präsident des Bauernverbandes, betonte, dass die Landwirtschaft den Handlungsbedarf in Sachen Thurkorrektion nicht bestreite. Die Sohlenerosion, die langfristig das Grundwasser gefährde, solle gestoppt und der Hochwasserschutz verbessert werden. Hingegen schiesst der Kanton in den Augen der Landwirtschaft bei der Revitalisierung der Thur übers Ziel hinaus. Dass 11 Hektaren Kulturland pro Flusskilometer verloren gingen, sei einfach zu viel.

«Beste Ackerflächen werden geopfert», kritisierte Vetterli. Man spüle sie gleichsam die Thur hinunter, klagte Strupler. Dabei gehe es auch anders, hat Vetterli beim Studium des Rhone-Flussbauprojektes im Wallis gelernt. «Dort konnte der Landbedarf im Laufe der Projektierung auf die Hälfte reduziert werden.» Das wäre auch im Thurgau möglich – und die Revitalisierung trotzdem erreichbar, zeigt sich der Co-Präsident des Bauernverbands überzeugt. Zudem wisse im Wallis jeder Bauer, was mit ihm passiere. «Der Verlust an landwirtschaftlicher Nutzfläche und die Auswirkungen auf die Bauernbetriebe sind ein zentrales Thema, das proaktiv angegangen wird.»

Betriebsnachfolge in Frage gestellt

Nationalrat Manuel Strupler. (SVP/TG)

Nationalrat Manuel Strupler. (SVP/TG)

Reto Martin

Mehrere Thurgauer Landbesitzer schilderten in der Folge vor Ort bei der Eschikofer Brücke, wie die Thurkorrektion ihren Betrieb tangieren wird. «Das hier sind die direkt Betroffenen», sagte Strupler, «und nicht die Umweltverbände. Diese Familien leben von ihrem Land.» Zum Beispiel Ruedi Gamper, der sieben Hektaren seiner insgesamt 32,5 an die Thur abtreten müsste. Eigentlich sei geplant, dass er bald einmal in Pension gehe und seine Tochter den Betrieb übernehme, so Gamper. «Jetzt aber muss sie sich womöglich anders orientieren.» Oder Bauer Daniel Vögeli, der fast 30 Prozent seines Landes verlieren würde:

«Das würde die Existenz unsere Betriebes gefährden, weil nicht mehr genug Futter für die Tiere vorhanden wäre.»

«Dafür hat dann ein anderer weniger Land»

Der vom Kanton in Aussicht gestellt Realersatz für betroffene Landwirte ist für Nationalrat Strupler ein schwacher Trost. «Dafür hat dann einfach ein anderer weniger Land.» Ziel müsse deshalb ganz klar sein, «mit einem sinnvollen Projekt mehr Fruchtfolgeflächen im Thurvorland zu erhalten und weiterhin für die Nahrungsmittelproduktion bewirtschaften zu können». Statt die Thur in vernünftigem Rahmen zu revitalisieren, werde im Kern ein Naherholungsgebiet auf bestem Ackerboden geschaffen, ärgert sich Strupler. «Das müsste wenn schon ehrlich deklariert werden.» Nun aber fordere man den Kanton auf, nochmals einen Anlauf zu machen und eine bessere Lösung zu suchen.