Zur Enttäuschung der Steckborner Schützen treibt der Stadtrat den geplanten Umbau des Schützenhauses nicht mehr selber voran

Nach dem Nein der Gemeindeversammlung im Dezember zieht sich auch der Stadtrat von der geplanten Erneuerung des Schützenhauses in Steckborn zurück. Die Mitglieder des Schützenvereins mit Gründungsjahr 1543 fühlen sich im Regen stehen gelassen.

Samuel Koch
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Die Schiessanlage heute: 300-Meter oben, 50-Meter unten.

Die Schiessanlage heute: 300-Meter oben, 50-Meter unten.

Bild: Reto Martin

Steckborn Die Rückendeckung fehlt, das Magazin ist draussen, der Finger vom Abzug. Der Stadtrat von Steckborn treibt die Erneuerung der sanierungsbedürftigen Schiessanlage an der Schützenhausstrasse nicht mehr selbst voran.

Er habe sich in seiner ersten Sitzung des Jahres eingehend mit den verschiedenen Varianten und einem redimensionierten Projekt auseinandergesetzt. Redimensioniert deshalb, weil die Gemeindeversammlung im Dezember einen Objektkredit in Höhe von 695'000 Franken für den Umbau des Schützenhauses bachab schickte.

Bei einem Ja wäre die heutige 300-Meter-Anlage im Obergeschoss ausser Betrieb genommen und die bestehende 50-Meter-Anlage auf die Ebene der heutigen 300-Meter-Anlage gehievt worden. Die 25-Meter-Anlage wäre an den Platz der heutigen 50-Meter-Anlage gekommen. Der Schützenverein hätte sich mit rund einem Siebentel an den Gesamtkosten beteiligt und gleichzeitig die Schützenstube umgebaut.

Immerhin finanzielle Unterstützung zugesichert

Roman Pulfer, Stadtpräsident Steckborn.

Roman Pulfer, Stadtpräsident Steckborn.

(Bild: Andrea Stalder)

Die Umbaupläne des Schützenvereins sind jetzt stark gefährdet. Denn der Stadtrat kommt laut einer Mitteilung zum Schluss, dass «die Kosten für die notwendigen Sanierungsmassnahmen der Kugelfänge aus umweltrechtlichen Gründen und die Kosten für Erneuerungen der Anlage für den Schiesssport getrennt veranschlagt und behandelt werden sollen».

Die Planungen für die vorgeschriebene Altlastensanierung aus dem früheren Schiessbetrieb werde die Stadt weiterführen, teilt sie mit.

Die Erneuerung der Anlage jedoch betrachtet der Stadtrat nicht mehr als eigenes Projekt und werde es nicht mehr massgeblich vorantreiben.

«Die Stadt wird es nicht selbst verwirklichen.»

Der Stadtrat spricht sich jedoch bei einer Erneuerung der Schiessanlagen für eine finanzielle Unterstützung für den Schützenverein aus und zeigt sich bereit, die Liegenschaft dem Schiesssportverein womöglich gar zu überlassen.

Schützen blicken kämpferisch in die Zukunft

Daniel Aguilar, Präsident Schützenverein Steckborn.

Daniel Aguilar, Präsident Schützenverein Steckborn.

(Bild: PD)

Die Neuigkeiten aus dem Stadthaus stossen beim Schützenverein sauer auf, obschon sie dem Präsidenten Daniel Aguilar bei einer Sitzung vergangene Woche persönlich überbracht worden sind. Aguilar meint:

«Es existieren einige Unklarheiten, wie es jetzt weitergehen soll.»

Oberste Priorität habe das Überleben des stadtältesten Vereins aus dem Gründungsjahr 1543. Das Projekt dürfe jetzt nicht beiseitegelegt werden, denn ab 2021 dürfen keine Geschosse mehr ins Erdreich abgefeuert werden. Aguilar und seine Schützenkollegen geben sich kämpferisch: «Aufgeben ist für uns keine Option.»

Steckborner Schützen haben ihr Ziel verfehlt

Die Steckborner Stimmberechtigten weisen an der Gemeindeversammlung den Projektkredit für den Umbau des Schützenhauses zurück. Steckborner des Jahres 2019 ist Martin Hess, Gründer des Lokalfernsehens Steckborn.
Rahel Haag