ZUM GEDENKEN
Frauenfelder Stadtoriginal und Gastro-Legende: Zum Tod von Roli Marty, dem langjährigen «Central»-Wirt

Auch in seinen letzten zwei Monaten verlor Roland Marty (21. Dezember 1938 bis 20. März 2021) seinen schelmischen Humor nicht. Der gelernte Schlosser war Barbetreiber, Entertainer und erfolgreicher Wasserballspieler.

Heinz Stuber
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Roland Marty (21. Dezember 1938 bis 20. März 2021).

Roland Marty (21. Dezember 1938 bis 20. März 2021).

Bild: PD

Pandemiebedingt durfte nur eine kleine Schar von Familienangehörigen und Freunden kürzlich Abschied von Roli Marty nehmen. Der legendäre «Central»-Wirt verschied am 20. März nach längerem Leiden.

Geboren und aufgewachsen im Langdorf, verbrachte der Sohn des stadtbekannten Schäfers Alfred Marty zusammen mit drei Geschwistern unbeschwerte Jugendjahre. Nach der obligatorischen Schulzeit absolvierte der aufgeweckte Jüngling eine Schlosserlehre in der benachbarten Tuchschmid AG. In der Freizeit sah man den sportlichen Teenager oft beim Velofahren und im Schwimmbad. Auch die Musik faszinierte ihn, und so spielte er als Drummer der Band Las Salubras an den Wochenenden zum Tanz auf. Anfang der Sechzigerjahre kaufte sein Vater eine Liegenschaft an der Zürcherstrasse, und ein Wasserballkollege baute sie zur ersten Bar in der Stadt Frauenfeld aus, dem «Central».

Für den leutseligen Typen die grosse Chance, sich als umtriebigen Wirt und Entertainer zu entfalten.

Ein riesiger Glücksfall war für ihn, dass seine jüngere Schwester Käthi und etwas später die Bardame Edda zum Team stiessen und ihm während Jahrzehnten die Treue hielten. Die attraktiven Damen bedienten die Gäste, Roli setzte sich ans Schlagzeug und sorgte mit Dandy Meier am Klavier für tolle Unterhaltung. Rasch füllte sich sein Lokal mit Gästen diverser Herkunft. Beim Start um 17 Uhr waren es Studenten und Jasser, dann folgten die Rekruten und im Laufe des Abends Politiker, Sportler und Nachtschwärmer aller Kaliber.

Ein Teil der erfolgreichen Frauenfelder Wasserballgeneration

Stolz war er auch auf seine sportlichen Leistungen, gehörte er doch dem erfolgreichen Frauenfelder Wasserballteam an, das einige Jahre in der Nationalliga A mitmischte. 1972 gründete er mit zwei Dutzend verbündeten Hobbysportlern seinen eigenen Hand- und Fussballklub. Obschon er nur ganz selten selber in die Hosen stieg, fieberte er am Spielfeldrand unzählige Stunden mit seinen «Bueben», wie er die jungen Vereinskollegen nannte, mit. Geradezu Kultstatus erlangte sein Tuborgblöckli, auf dem er am Vortag der Matches dem Trainer seine Wunschformation bekanntgab.

Für sein vielseitiges Wirken erhielt Marty 1989 den begehrten Kleinkunstpreis. Ein Jahr später schloss er das «Central» definitiv, weil er noch in der weiten Welt herumgondeln wollte. Im Alter von 52 Jahren besuchte er daher in Schottland einen Englischkurs und begab sich anschliessend auf einen längeren Trip nach Amerika. Eine zweite Reise nach Australien und Hongkong folgte sogleich.

Da er sich für das Rentnerleben noch zu jung fühlte, wirkte er danach nochmals für acht Jahre im «Wilhelm Tell».

Dann folgte der grosse Schnitt: Marty, der sich während all den Jahren gerne in geselligen Runden tummelte, verzog sich in sein Elternhaus an der Erchingerstrasse. Er kehrte zu seinen Wurzeln zurück und hielt sich dort ein paar Schafe. Obschon er gesundheitlich zusehends mit Problemen zu kämpfen hatte, beklagte er sich nie, und seinen schelmischen Humor verlor er auch im Alterszentrum nicht, wo er seine letzten zwei Monate verbrachte. Bestens betreut von seinen «Meitli», wie er die liebenswerten Pflegerinnen betitelte, starb er Mitte März. Ein Stadtoriginal hat seine letzte Reise angetreten. Roli, wir danken Dir für die unzähligen Schwänke, die wir mit Dir erleben durften.