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Holzgant in Uesslingen-Buch:
Zum Ersten, zum Zweiten und
zum Dritten – verkauft!

Im Bürgerwald der Gemeinde Uesslingen-Buch wurde an der Holzgant reichlich Brennholz veräussert. Aber nicht alle Besucher haben sich im Wald eingefunden, um tatsächlich Holz zu kaufen.
Viola Stäheli

«Der Anschlag ist 320 Franken, wer möchte diese vier Ster Eschenholz haben? 338, 340, 342 – 342 zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten, verkauft!» Der Gantrufer Christoph Lenz hat bei der Holzgant der Gemeinde Uesslingen-Buch im Bürgerwald einige Gebote zu zählen. Knapp 40 Leute haben sich um das vom Förster säuberlich gebündelte und am Wegrand aufgestellte Holz gescharrt. Es ist kalt. Die Nasen sind rot und um ein Gebot abzugeben, wird kaum die Hand aus der warmen Hosentasche gezogen – Kopfnicken reicht aus.

«Immer am letzten Samstag im Jahr findet bei uns die Holzgant statt», erklärt Jörg Müller. Er ist seit 33 Jahren der Präsident der Bürgergemeinde Uesslingen-Buch und ist seit über 20 Jahren bei der Holzgant dabei. Bei diesem Anlass geht es um den Verkauf von Brennholz. Das Holz stammt aus dem Bürgerwald und wurde im vergangenen Jahr geschlagen. Gekauft werden können sogenannte Ster, die gebräuchlichste Masseinheit beim Handel mit Brennholz: Das Holz wird gespalten und in gleich grosse Bündel gepackt. Ebenfalls zum Verkauf steht «Brennholz lang». Damit werden Baumstämme bezeichnet, die noch nicht in Scheite geschnitten sind.

Buche und Esche sind am wertvollsten

Heute stehen vom Jahr 2018 rund 60 Ster am Wegrand und warten auf Käufer. Und das trotz eines schlechten Jahres für die Holzwirtschaft im Bürgerwald mit mehr als 200 Kubikmeter Tannenholz, das wegen Käferbefall entsorgt werden musste. Das meiste Holz ist Hartholz, wie Buche, Esche oder Kirschbaum. Daneben gibt es aber auch Weichholz wie Tannenholz.

«Das wertvollste Holz ist Buche und Esche», sagt Müller. Jeder Ster wurde am Tag vor der Gant geschätzt und ein sogenannter Anschlag vereinbart. Diesen nimmt der Gantrufer Christoph Lenz als Ausgangspunkt und zählt die Gebote, welche sich jeweils um zwei Franken überbieten. Und in dem Moment ist Lenz konzentriert am Zählen: Die Gebote bei zwei Ster Buchenholz überschlagen sich beinahe. Schliesslich gewinnt Niklaus Bucher aus Buch das Holz. «Ich kaufe fünf Ster zum Befeuern meines Kachelofens», sagt Bucher. Vorerst wird er sein Holz aber im Wald lassen, wie die meisten Käufer. Das Holz ist zu frisch, als das es direkt verbrannt werden kann. Bis zu zwei Jahren muss es trocknen, bevor es genutzt werden kann.

Man kennt sich und geniesst die Geselligkeit

Schliesslich sind alle 60 Ster veräussert. Keiner wurde zum Anschlagspreis verkauft, bei jedem gingen die Gebote höher. Nun folgt der Teil, für den sich die meisten Besucher im Wald eingefunden haben: Nur wenige Schritte nach dem letzten Ster sind Festbänke aufgestellt, zwei Feuerschalen spenden Wärme und auf den Grill werden die ersten Würste gelegt. An der Holzgant kennt man sich und geniesst die Geselligkeit. «Auch das ist ein Teil der Tradition», sagt Müller.

Im Thurgau gibt es zwar noch einige weitere Holzganten, die Zahl nimmt aber stetig ab. Über die Gründe für die Abnahme können die Anwesenden nur spekulieren – ein Grund sei vermutlich, dass weniger mit Holz geheizt werde. Auch in der Gemeinde Uesslingen-Buch hatte man sich überlegt, ob die Holzgant weiterhin stattfinden solle. «Glücklicherweise hat man sich zum Erhalt entschieden. Seit fast 10 Jahren läuft es wieder besser», sagt Müller. Und so wird es auch nächstes Jahr im Bürgerwald eine Holzgant geben.

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