Zukunftsentscheid
Der Frauenfelder Bürgerwein ist gerettet: Bürgerversammlung spricht Kredit von 100'000 Franken für neuen Rebberg

Die Firma Divino ist nur noch bis Ende Pächterin des Rebbergs der Bürgergemeinde am Holderberg. Diesen Umstand nimmt der Bürgerrat zum Anlass für einen Neuanfang: Der bekannte Uesslinger Winzer Markus Frei soll einen verkleinerten Rebbestand an einem neuen Standort bewirtschaften. Die Bürgerversammlung genehmigte hierfür am Montagabend die nötigen Mittel.

Mathias Frei
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Ein kontroverses Thema: der Frauenfelder Bürgerwein. Manch eine Glosse zum «Holderberger» fand schon Aufnahme in diesem Medium. Das wird sich in Zukunft nicht ändern. Zum Glück. Denn es wird weiterhin einen Bürgerwein geben. Das steht seit der Bürgerversammlung von Montagabend im Rathaus fest. Weil es für den neuen Bürgerwein finanzielle Mittel in der Höhe von 100'000 Franken brauchte, hatten die Bürgerinnen und Bürger das letzte Wort. In der Botschaft des Bürgerrats konnten sie lesen:

«Mit dieser Vorlage entscheiden Sie über den Fortbestand unseres Rebbergs und die zukünftige Produktion eines eigenen Frauenfelder Bürgerweins.»

Und die 123 Stimmberechtigten waren derselben Meinung wie der Bürgerrat: Dass es auch in Zukunft einen Frauenfelder Bürgerwein braucht. Einstimmig genehmigten sie den Kredit für den neuen Rebberg am Philosophenweg, der Luftlinie nur knapp 400 Meter entfernt vom Holderberg liegt.

Divino hat Pachtvertrag auf Ende Jahr gekündigt

Im Jahr 1974 hatte die Bürgerversammlung den Bau eines eigenen Rebbergs beschlossen. Die zwei Jahre später fertiggestellte Anlage umfasste zwei Hektaren Rebfläche. Bewirtschaftet wurden die Reben vom Forstbetrieb der Bürgergemeinde, gekeltert wurde von der Volg-Weinkellerei Winterthur. 1988 fand am Philosophenweg eine Erweiterung der Anlage statt: der neue Rebberg «In den Stadtreben». Weil der Forstbetrieb immer arbeitsaufwendiger wurde, erfolgte gleichenjahres die Verpachtung der ganzen, nun drei Hektaren grossen Anlage an die Volg-Weinkellerei, aus der später Divino entstand. Die langjährige Pächterin hat nun den Pachtvertrag auf Ende 2021 gekündigt. In der Botschaft ist zu lesen:

«Weil sie das Traubengut nicht mehr zu kostendeckenden Preisen absetzen kann.»
Markus Frei, Engelwy, Uesslingen.

Markus Frei, Engelwy, Uesslingen.

Bild: Andrea Stalder

Zudem sei auch der Eigenverbrauch der Bürgergemeinde in jüngster Zeit markant gesunken. Kommt hinzu, dass die Weinstöcke am Ende ihrer Lebensdauer sind und sowieso sukzessive ersetzt werden müssen. Der Bürgerrat hat sich deshalb für «tabula rasa» entschieden. Das heisst: eine neue Rebanlage, massiv verkleinert, bewirtschaftet von einem neuen Winzer, nämlich dem bekannten Markus Frei von Engelwy in Uesslingen.

Lage verspricht beste Qualität

Bürgerpräsident Titus Moser.

Bürgerpräsident Titus Moser.

Bild: Mathias Frei

Zukünftig werde man nur noch so viel Traubengut produzieren können, wie man auch selber verbrauche, sagt Bürgerpräsident Titus Moser. Die verkleinerte Fläche – zukünftig sind es nur noch 80 Aren, die aber noch vergrössert werden können – verspreche von der Lage her die beste Qualität. Im bestehenden Rebberg «In den Stadtreben» wird das Mittelstück, das der Bürgergemeinde gehört, neu angelegt. Die Bürgergemeinde kann die angrenzenden Grundstücke der Stadt sowie von Hager/Killer für die kommenden 30 Jahre unentgeltlich pachten, was eine optimale Bewirtschaftung zulässt.

«Die neue Rebanlage soll nach den geltenden Vorgaben zur Förderung von Qualität und Nachhaltigkeit als ‹grüner Rebbau› bewirtschaftet werden.»

So heisst es in der Botschaft. Es sollen neu pilzwiderstandsfähige Rebsorten angepflanzt werden. Zudem ist geplant, Biodiversitätsflächen mit Wildblumen, einheimischen Pflanzen und Gehölzen anzulegen. Weiter gibt es auch einen Pflanzenlehrpfad. Der Rebberg Holderberg wird bis Ende Jahr gerodet, auf Kosten von Divino. Im Frühling 2022 beginnt das Erstellen der neuen Anlage.

Zwei Banktresore versperren das Bürgerarchiv

Seit 1991 befindet sich das Bürgerarchiv im Keller des Westflügels des «Stadtgartens». Der Bestand an Archivgut wächst, der Platz wird immer knapper. Unter anderem nehmen zwei alte TKB-Tresore viel Raum ein, obwohl sie sich nicht als Lagerort für Archivalien eignen. Für den Bürgerrat ist klar, dass man nicht um eine grössere Sanierung des Archivs herumkommt. Unter anderem sollen die Tresore entfernt werden, was eine Asbestsanierung notwendig macht. Zudem soll eine neue Rollregalanlage eingebaut werden. Das zieht Kosten von 70'000 Franken nach sich. Die Versammlung bewilligte den Kredit. Inzwischen konnten noch Unterstützungsbeiträge der TKB-Stiftung und der Berti-Frei-Jung-Stiftung akquiriert werden, wodurch die Nettokosten auf 40'000 Franken sinken. (ma)

Der Bürgerrat rechnet mit Kosten von 100'000 Franken für den Bau und die Bewirtschaftung, bis nach fünf Jahren mit einer ersten Vollernte zu rechnen ist. Das bedeutet auch, dass es voraussichtlich fünf Jahre lang keinen neuen Bürgerwein gibt. Die Lagerbestände würden zur Überbrückung für 2022 und 2023 reichen. Danach werde Markus Frei mit Weinen aus dem Engelwy-Sortiment aushelfen.

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